Halle/Magdeburg l Auf Sympathie stoßen die Pläne der Stadt Magdeburg zur Gründung einer eigenen Musik- und Kunstschule im Musikzweig der Martin-Luther-Universität in Halle. „Angesichts der Entwicklung, die die Dinge in den letzten 15 Jahren hier in Halle genommen haben, halte ich als Sprecher der Abteilung Musikpädagogik der Martin-Luther-Universität diese Initiative im Interesse des Landes für eine gute Idee“, schreibt Jens Marggraf, Professor für Musiktheorie/Tonsatz am Institut in Halle.

Dorthin hatte die Landesregierung im Jahr 2009 das bis dahin funktionierende Institut für Musik an der hiesigen Otto-von-Guericke-Universität verlegt. Nun wird auch in Halle die Ausbildung abgeschmolzen. „Sie können versichert sein“, schreibt Marggraf weiter, dass die Kolleginnen und Kollegen unserer Abteilung – oder zumindest ihre übergroße Mehrheit – die Konzentration der Ausbildung auf das Lehramt an allgemeinbildenden Schulen für einen fatalen Fehler halten, dessen negative Auswirkungen sich in wenigen Jahren erweisen werden“. Leider hätten Landesregierung und Rektorate das anders gesehen. „Insofern ist es ausdrücklich zu begrüßen, dass die Landeshauptstadt daran in Eigenregie etwas ändern will“, so Marggraf.

„Wunderbar“ nennt Elke Scheibner-Gnilke, bis 2009 Dozentin für Gitarre am Magdeburger Institut und mit dessen Schließung nach Halle versetzt, „das Vorhaben, in Magdeburg eine solche Bildungseinrichtung zu gründen“. Beide – Marggraf und Scheibner-Gnilke – legen aber im Zusammenhang Wert auf die Korrektur einer im Bericht „Hoffen auf die Künstlerstadt“ zitierte Aussage des ehemaligen Magdeburger Ratsvorsitzenden Andreas Schumann (CDU).

Schumann, Mitglied des Landtages und selbst Musiker und Musiklehrer, hatte gewettert, dass nach dem Rückbau der Musikausbildung in Halle keine Musiklehrer mehr in Sachsen-Anhalt ausgebildet würden. „Das entspricht nicht den Tatsachen, denn die Uni in Halle bietet das Lehramt Musik für alle Schulformen (Gymnasien, Sekundar-, Grund- und Förderschulen) an“, konstatiert Dozentin Scheibner-Gnilke. Geschlossen würden „nur“ die künstlerischen Studiengänge. Musikschullehrer könne man im Lande nicht mehr werden, was die Kollegenschaft am zur Schrumpfung befohlenen halleschen Institut hinreichend erbost, zumal das Interesse an den Studiengängen groß war.

Entsprechend setzen Musikfreunde aus Magdeburg und Halle nun gleichermaßen auf eine Gegenbewegung in Magdeburg. Der Stadtrat Magdeburg hatte im Juni 2019 einstimmig beschlossen, dass Magdeburg im Rahmen seiner Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt eine Akademie für Musik und Darstellende Kunst gründen solle. Geht der Plan auf, soll die Schule im Hauptstadtjahr 2025 eröffnen.