Magdeburg l Unter den Titeln „Ein Hassel für alle“ und „International Hassel Classic Nights“ waren im August und September 2017 Initiativen zur friedlichen Belebung des Hasselbachplatzes in Magdeburg gestartet. Die Debatte um die Entwicklung des Platzes zum Brennpunkt von Ruhestörung und Kriminalität (Schlägereien, Drogen, Pöbelei) erreichte zu der Zeit just einen Höhepunkt, so dass Anlieger und Räte anderer Fraktionen zunächst kopfschüttelnd auf die Anträge für eine noch stärkere Belebung des Platzes reagierten.

„Wir wurden zunächst viel gescholten, jetzt zeichnet sich zu einigen Punkten doch Zustimmung ab“, freut sich Tom Assmann von den Grünen über einen Stimmungswandel in den Ratsausschüssen. „Ja, im Zusammenhang mit den damaligen Problemen haben wir die Anträge als Provokation aufgefasst“, bestätigte SPD-Fraktionschef Jens Rösler. Teile lehne seine Fraktion bis heute ab. „Wir wollen dort weiter eine lebendige Kneipenszene, aber die Jugendlichen, die mit der Kiste Bier auf den Bänken sitzen, wollen wir da nicht“, brachte Röslers Fraktionskollege Marko Ehlebe die Haltung der Sozialdemokraten im Rat auf den Punkt.

Treffpunkt für Jugendliche in Magdeburg

Darin sind sie sich einig mit der CDU, deren Fraktionschef Wigbert Schwenke die Anregung zur Öffnung der Liebigstraße für den Pkw-Verkehr ins Spiel brachte. Eben die heute als Fußgängerzone ausgewiesene Ecke ist Haupttreffpunkt besagter Jugendlicher, die Getränke unter freiem Himmel konsumieren.

Das Veto der Grünen half nicht – CDU und SPD verabschiedeten den Prüfauftrag zur Öffnung. Eine Ratsmehrheit stimmte aber auch einer ganzen Reihe der Grünen-Vorschläge zu: mehr Licht, mehr Gastro-Terrassen, eine öffentliche Toilette, natürlich mehr Streifen von Polizei und Stadtordnungsdienst und schließlich mehr Musik. Die „International Hassel Classic Nights“ wandelte der Kulturausschuss in „Musikveranstaltungen am Hassel“ um, aber immerhin traf die Grundidee, mit Veranstaltungen unter freiem Himmel gezielt erwünschtes Partypublikum an den Platz zu locken, am Ende auf Zustimmung.

Polizei soll am Hassel durchgreifen

Angesichts der vielen Ideen für einen friedlich-lebendigen „Hassel“ erinnerte Klaus Kutschmann (Bund für Magdeburg) am Schluss noch einmal an den Ausgangspunkt der Debatte: „Es kann nicht sein, dass selbst Leute, die dort arbeiten, sagen, sie würden ihre Töchter dort abends nicht mehr hinlassen.“ Aus Kutschmanns Sicht hilft gegen den ungeliebten Teil der „Hassel“-Szene nur eins: „Die Instrumente zeigen!“ Heißt: Polizei und Ordnungshüter müssten hart durchgreifen.

Versucht werden soll nun beides zugleich: beleben und durchgreifen.