Magdeburg l Die Gieselerhalle ist Protesten zum Trotz verkauft und wird voraussichtlich ein Marktplatz mit Möbelhaus nebenan. Im Stadtrat Magdeburg stand die Planung für den Ersatzneubau am Lorenzweg zur Debatte.

Die urplötzliche Verkleinerung der neuen 3-Felder-Halle mit Blick auf die Zuschauerränge (von 1800 auf 1048 Plätze) und das erwartete Parkchaos bei Großveranstaltungen am neuen Standort sorgten für einigen Streit im Rat. Am Ende fanden die Pläne der Stadtverwaltung Magdeburg dennoch einstimmige Zustimmung, allerdings bei sechs Enthaltungen aus den Reihen der Grünen, der Gartenpartei und vom Einzelrat der AfD.

Mehr Zuschauerplätze sind zu teuer

Zum Abschmelzen der Zuschauerkapazität hatte sich die Verwaltung zuvor aus reinen Kostengründen entschieden. Für die zunächst geplanten 1800 Besucherplätze sei nach Aussage von Oberbürgermeister Lutz Trümper ein weitspannendes Dach, ähnlich dem der Getec-Arena, nötig. Die auf zunächst 7,5 Millionen Euro geschätzen Baukosten summierten sich damit auf deutlich über 18 Millionen Euro auf. Die Verwaltungsspitze zog schon vor dem Ratsentscheid die Notbremse und ließ die Planer abspecken. Auf rund 750 Zuschauerplätzen weniger und mit 10,4 Millionen Euro Baukosten wird jetzt kalkuliert.

Der SPD-Fraktionsvize und Bauausschussvorsitzende Falko Grube kann am Handeln der Verwaltung nichts Negatives erkennen, im Gegenteil: „Wir erwarten von den Verantwortlichen, dass Kostenrahmen eingehalten werden. Wenn die Halle nun mit dem Kostenargument eine Nummer kleiner ausfällt ist das völlig okay.“

Alte Halle ist Denkmal, neue wird 0-8-15

Zuvor hatten Linke, Grüne und Gartenpartei die Hallenplanung kritisiert. „Wir wissen, wir brauchen die neue Halle und fühlen uns unter Druck gesetzt. Wir stimmen notgedrungen zu, denn glücklich sind wir mit den neuen Plänen nicht“, gab Linksfraktionschef Oliver Müller zu Protokoll. Seine Fraktion fühle sich unter Vorspielung falscher Tatsachen zum Hallenneubau überredet. „Wir haben auf der einen Seite das Hallendenkmal und bekommen nun auf der anderen eine 0-8-15-Halle, die viel kleiner ausfällt. So war das nicht gedacht.“

„Das gefällt uns nicht“, sagte auch Roland Zander für die Gartenpartei. „Die Zahlen wachsen überall, in den Kitas, in den Schulen. Die Halle wird irgendwann zu klein sein. Die Sanierung der alten Hermann-Gieseler-Halle wäre tatsächlich die bessere Variante gewesen.“

Sanierung wäre zu teuer

Ihre Kosten wurden vor einigen Jahren auf satte 21 Millionen Euro geschätzt, weshalb die Stadt Magdeburg – ebenfalls aus Kostengründen – davon absah. „Glaubt hier ernstlich einer im Saal, dass wir das heute noch tatsächlich für 21 Millionen Euro hinbekommen hätten?“, fragte SPD-Mann Grube viel mehr rhetorisch als eine Antwort erwartend in den Saal.

Der Schelte für die aus seiner Sicht verfehlte Planung schloss sich der Grüne Jürgen Canehl an. Auch er hätte lieber eine sanierte Gieserlerhalle gesehen. Heute sorge er sich wie die Anlieger des Neubauplatzes wegen des „gewaltigen Parkdrucks“, der jetzt schon am Lorenzweg herrsche. Auf Antrag des Bauausschusses beauftragte der Rat die Verwaltung, „bauliche oder organisatorische Maßnahmen zu ergreifen, um das Zuparken der Wohngebietsstraßen“ in der Umgebung zu vermeiden.

Straßenbahn bis zur Halle

Eine große Mehrheit aus CDU und SPD im Rat steht ohne Einschränkung hinter den Neubauplänen. „Als Stadtfelder bin ich froh auch darüber, dass die neue Straßenbahnlinie künftig direkt vor der Tür der neuen Halle halten wird. Besser geht es nicht.“ Seine Fraktion sei „sehr“ für die neue Halle auch im Sinne des wachsenden Edithagymnasiums, dessen Schüler sie brauchten.