Magdeburg l Der Volksstimme-Bericht über die rötliche Färbung des Magdeburger Sternsees in Neu-Olvenstedt hatte das Interesse von Dr. Karsten Rinke geweckt. Er arbeitet als Gewässerbiologe beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg. Kurzerhand nahm er am Montag eine Probe und löste das Rätsel um das Phänomen, das in den vergangenen Tagen auch das Interesse von Bürgern geweckt hatte.

Es handelt sich um die Burgunderblutalge, die sich in dem See vermutlich aufgrund der Witterungsbedingungen massenhaft vermehrt hat. Ihr wissenschaftlicher Name lautet „Planktothrix rubescens“.

Algen normalerweise in tiefem Wasser

Normalerweise lebt diese Algenart in Talsperren oder anderen größeren Gewässern – und dort in etwa 10 bis 15 Metern Tiefe. Durch Gasbläschen können die Algen sich so einstellen, dass sie in jenen Gewässertiefen bleiben, die für sie ideal sind. „Ich kenne den Sternsee als Gewässer nicht so genau“, sagt Rinke, „aber bestimmt kommen die Burgunderblutalgen dort auch im Sommer vor, nur dass sie dann niemand sieht, weil sie ihren Lebensraum in viel tieferen Gewässerschichten haben“, vermutet er.

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Im Winter können sie sich aber auch an der Gewässeroberfläche bilden und massenhaft vermehren, weil sie mit niedrigen Temperaturen und wenig Licht gut zurechtkommen, erklärt der Gewässerbiologe. Das Phänomen ist in der Wissenschaft bekannt, aber eines, das nicht besonders häufig vorkomme, sagt Rinke.

Hochkonzentriert giftig für Menschen

Die Burgunderblutalge wird den Blaulagen zugeordnet, die 2018 bei heißen Temperaturen für Probleme im Barleber See gesorgt hatten, „aber sie ist fundamental anders und füllt eine ganz andere ökologische Nische aus“, sagt Karsten Rinke. In hoher Konzentration kann die Alge auch giftig für den Menschen sein.

Da aber der Sternsee längst nicht mehr als Badegewässer genutzt wird und niemand das Wasser trinken wird, ist es einfach ein natürliches Phänomen, das sich bei steigenden Temperaturen wieder erübrigen werde. Denn dann können die Algen dank ihrer Gaseinschlüsse wieder absinken und der Sternsee dürfte wieder in der gewohnt grünlichen Trübung erscheinen.

Körnige Struktur durch Gasbläschen

Die rötliche Färbung haben die Algen übrigens, weil sie das Licht, das ihnen in tieferen Gewässerschichten zur Verfügung steht, über einen Farbstoff aufnehmen – und der ist rot. Sie wachsen in fadenartigen Strukturen, wie vor allem unter dem Mikroskop gut sichtbar ist. Die körnige Struktur, die im Bild zu sehen ist, ergibt sich durch die Gasbläschen. Natürlich seien auch noch einige andere Algenarten unter dem Mikroskop sichtbar geworden – zum Beispiel unterschiedliche Kieselalgen. Aber zu mehr als 95  Prozent seien es Burgunderblutalgen gewesen, die Rinke beobachten konnte.

Vielleicht unternimmt der ein oder andere Magdeburger ja noch einen Spaziergang zum See, um das Phänomen zu beobachten. Karsten Rinke hat jedenfalls einige Leute getroffen, die nach dem Volksstimme-Bericht zum See gepilgert waren.