Magdeburg l Als eine junge Frau am 13. März 2018 die Magdeburger Straßenbahn an der Haltestelle Leiterstraße verlassen will, springt plötzlich ein Mann auf sie zu, krallt sich an ihr fest und schlägt auf ihren Kopf ein. Der Angreifer beleidigt und beschimpft sie.

Zufällig beobachtet ein Kollege der Frau den Vorfall. Der Helfer geht sofort dazwischen und ruft um Hilfe. Doch niemand sonst in der Bahn habe der Betroffenen beigestanden.

Fahrerin holt keine Hilfe

Der Helfer schildert diesen Vorfall gegenüber der Volksstimme und macht deutlich, was ihn besonders erschreckt hat: „Die Fahrerin der Straßenbahn hat nur kurz ihre Kabinentür geöffnet, ist einen Schritt herausgekommen und hat in keinster Weise erkennen lassen, dass sie ihren Fahrgästen beistehen würde.“ Mehrfach habe der Helfer die Fahrerin darum gebeten, die Polizei zu alarmieren. Das habe sie allerdings abgelehnt.

Bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben (MVB) räumt man auf Nachfrage der Volksstimme ein Fehlverhalten der Straßenbahnfahrerin ein. „Es hat sich gezeigt, dass es offenbar zu einem Missverständnis gekommen ist, da bereits ein anderer Fahrgast mit seinem Handy die Polizei gerufen und dies unserer Fahrerin mitgeteilt habe“, erklärt MVB-Sprecher Tim Stein.

Fahrerin zu Hilferuf per Funk verpflichtet

Dennoch hätte sich die Straßenbahnfahrerin über Funk bei der Leitstelle der MVB vergewissern müssen, ob wirklich Hilfe unterwegs ist. Das räumt der MVB-Sprecher am 15. März ein. Am Ende hat der Kollege der Betroffenen selbst die Polizei alarmiert.

Als die Beamten eintrafen, zeigte die junge Frau den Angreifer an. Dass die Straßenbahnfahrerin nicht mal ihren Namen bekanntgegeben habe, um als Zeugin zur Verfügung zu stehen, ärgerte den Helfer besonders.

Bahn wird per Video überwacht

MVB-Sprecher Tim Stein hat in puncto Beweis allerdings auch eine gute Nachricht: Die betroffene Straßenbahn sei mit Videoüberwachungstechnik ausgerüstet gewesen und die Aufzeichnungen noch am selben Tag der Polizei übergeben worden. „Damit diese den Täter identifizieren kann“, sagt Tim Stein. Die Polizei ermittelt derweil wegen Körperverletzung.

Aufgrund der Anzeige des 34-jährigen Opfers gibt die Polizei auf Nachfrage der Volksstimme folgende Täterbeschreibung heraus:

  • 20 und 30 Jahre alt,
  • 1,80 Meter groß und schlank,
  • dunkelblonde, kurze Haare,
  • Dreitagebart,
  • schwarze Jacke.

Der Angreifer war mit einem Begleiter unterwegs. Dieser hatte einen Stern auf der linken Schläfe tätowiert.

Fahrgäste seien sicher

Während der Helfer und die Betroffene sich nach diesem Vorfall Sorgen darüber machen, wie sicher sie in Magdeburgs Bahnen weiterhin unterwegs sind, macht MVB-Sprecher Tim Stein deutlich: „Wir möchten betonen, dass sich jeder Fahrgast in unseren Fahrzeugen sicher fühlen kann.“

Die Mehrzahl der Fahrzeuge sei mit Videoüberwachung ausgerüstet und jedes Fahrzeug mit Funk ausgestattet. „Im Notfall sind unsere Fahrer angewiesen, schnell Hilfe anzufordern“, so Tim Stein. Durch GPS-Ortung wüssten die Kollegen in der Leitstelle sofort, wo sich das Fahrzeug befindet, und können somit gezielt Hilfe schicken.

Hinweise an die Polizei

Wer Hinweise zur Identität des Täters geben kann, wird gebeten sich bei der Polizei unter Telefon 0391/546-3292 zu melden.