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FreizeitsportMit Video: So friedvoll ist Kampfkunst Aikido in Magdeburg

Aikido ist eine junge japanische Kampfkunst. Der PSV Magdeburg 1990 bringt die exotische Sportart Kindern, Erwachsenen und Senioren bei. Was Aikido von anderen Kampfkünsten unterscheidet und welche Rolle Meditation dabei spielt.

Von Nadia Aronov Aktualisiert: 14.10.2023, 18:21
Trainer Michael Tornow (hinten) zeigt beim Aikido-Training den Shomenuchi Kiawase, eine Selbstverteidigungstechnik. Der Jugendleiter Lukas Zimmermann (vorne) spielt den Angreifer.
Trainer Michael Tornow (hinten) zeigt beim Aikido-Training den Shomenuchi Kiawase, eine Selbstverteidigungstechnik. Der Jugendleiter Lukas Zimmermann (vorne) spielt den Angreifer. Foto: Nadia Aronov

Magdeburg - Ein weißer Gürtel umschlingt den Kampfanzug von Lukas Tornow. Man könnte meinen, er sei noch Anfänger. In Wirklichkeit trainiert der Zwölfjährige aber schon das sechste Jahr. Im Aikido gibt es keine Gürtelgrade außer weiß und schwarz, der Farbe des Meisters. Ob jemand ein Jahr oder fünf trainiert, zeigt sich im Äußeren nicht. Und das ist der Grund:

Die Schüler sollen sich auf ihr persönliches Wachstum konzentrieren, erklärt Michael Tornow. Er ist Aikodo-Trainer beim Polizeisportverein Magdeburg. Zu Beginn des Trainings kniet er sich auf den Boden, die Teilnehmer ihm gegenüber, alle schließen kurz die Augen und halten inne. Den Anfang und das Ende des Trainings bildet eine Meditationseinheit. Nach der Erwärmung lernen die Sportler, wie sie sich aus verschiedenen Handgriffen befreien. Jedes mal rollen sie auf dem Boden gekonnt ab, der zwölfjährige Lukas genauso locker wie der 74-jährige Werner Geue. Beide nehmen am Erwachsenentraining teil.

 
Beim PSV Magdeburg wird die japanische Kampfkunst Aikido praktiziert. (Schnitt: Christian Kadlubietz, Kamera: Nadia Aronov)

Worum es bei Aikido geht? Ai bedeutet Harmonie, erklärt der Trainer. Ki bezeichnet eine spirituelle Energie und Do den Weg. Wesentlich für die Sportart sei die Gewaltfreiheit. Der Angreifer wird lediglich aus dem Gleichgewicht gebracht, und weich zu Boden geworfen. „Wir wollen nicht primär für Straßenkämpfe vorbereiten, sondern Energie und Beweglichkeit entwickeln.“

Trainieren mit der Familie

Es könne jeder, unabhängig von körperlichen Voraussetzungen, diese Kampfkunst erlernen. Natürlich könne man die Techniken für die Verteidigung nutzen, aber das brauche viel Erfahrung. Michael Tornow hat den Kampfsport im Alter von zwölf Jahren kennengelernt. Er machte zuvor einige Jahre Judo. Dort habe es aber die Regel gegeben, dass man bei Wettkämpfen mitmachen muss, um die nächsten Level in dem Sport zu erreichen. Er wollte den Sport jedoch nur für die Selbstentwicklung machen, ohne Konkurrenzkämpfe. Aus diesem Zwiespalt half ihm der Wechsel zum Aikido. 1998 begann Michael Tornow, auch als Trainer tätig zu sein.

Mit 74 fit im Aikido

Heute ist die ganze Familie des dreifachen Vaters im Aikido aktiv. Sein ältester Sohn Lukas kam vor sechs Jahren zum Training, die beiden jüngeren Söhne machen beim Familientraining mit. Drei Trainingsgruppen leitet der Diplomingenieur aktuell: das Kinder-, Erwachsenen- und Familientraining. Letzteres hatte seine Frau nach der Geburt des zweiten Sohnes in die Wege geleitet, um auch mit dem kleinsten Sohn trainieren zu können.

Die Hauptelemente eines klassischen Trainings sind Schläge im Stand, Übungen mit dem Holzschwert oder -stock. Beim Familientraining bringt Michael Tornow manchmal den Kindern Turnelemente bei, um die sportliche Früherziehung zu unterstützen. Spiele gehören auch dazu. Kinder ab zwölf können bereits beim Erwachsenentraining teilnehmen. Der älteste Schüler ist der bereits erwähnte 74-jährige Werner Geue. Auf die Frage, warum er ausgerechnet diesen Sport macht, erklärt er, dass er beweglich bleiben möchte: „Das tut meinen Gelenken gut und die kann ich noch gebrauchen.“

Aktuell werden in der Turnhalle am Magdeburger Gerstengrund 32 von dienstags bis freitags verschiedene Trainingseinheiten angeboten.