Magdeburg l Der Wolf ist da. Das ist nicht neu. Spätestens seit dem Kurzauftritt eines Jungtieres zu Jahresbeginn in Buckau ist das jedem klar. Auch aus Diesdorf kam bereits eine Meldung. Wie intensiv der Wolf aber schon um die Stadt streift, wird jetzt deutlich. Ein ortsansässiger Jäger stellte der Volksstimme einige Videos zur Verfügung. Sie zeigen, wie mehrere Wölfe nachts am ostelbischen Stadtrand über Feldwege und Wiesen laufen, einmal kundschaften sie sogar eine Herde an der Umflut aus. Das Video zeigt, wie die Kühe sich schützend um ihre Kälber stellen. Die Wölfe ziehen ab, ohne Schaden anzurichten.

Dass sie in diese Ecke zurückkehren, ist wahrscheinlich. Seit einem Jahr besitzt der Jäger, der regelmäßig auf Wildschweinpirsch geht, eine Wärmebildkamera. Seither hat er rund 40 Wolfssichtungen dokumentiert. Es handelt sich um mindestens drei Tiere, erzählt er. Ein Wolfspaar, das vermutlich im Wahlitzer Wald im angrenzenden Jerichower Land lebt, und mindestens ein Einzeltier. Erst in den letzten zwei Wochen hat er die Tiere wieder beobachtet, wie sie zwischen Klusdamm und Gübs über den sogenannten Wolfswinkel bis in die Gemarkung Pechau einwandern.

Rehwildbestand eingebrochen

Wolfsrisse sind bisher nicht nachgewiesen. Aber: Der Jäger glaubt, dass der dramatische Rückgang des Rehbestandes in den vergangenen ein, zwei Jahren hauptsächlich dem Wolf geschuldet sei. Das sieht auch Magdeburgs Kreisjägermeister Gerd Petzoldt so. Das Reh sei relativ leichte Beute und stehe ganz oben auf der Nahrungsliste. Petzoldt bestätigt mehrere Wolfssichtungen durch die Jägerschaft im ostelbischen Raum.

Videos

Gemeldet werden diese aber offenbar nur lückenhaft. „Ich melde nichts mehr, weil das Wolfsmonitoring aus meiner Sicht Augenwischerei ist“, sagt der Jäger, der die ganzen Videos gefilmt hat. Zwei Würfe habe es seit dem letzten Monitoring des Landesamtes für Umweltschutz (LAU) schon gegeben. Ein klares Bild von der Situation existiere somit nicht, auch seien die bürokratischen Hürden viel zu hoch.

Jede Sichtung melden

Tatsächlich steht die aktuelle Dokumentation für den Zeitraum April 2018 bis Mai 2019 noch aus. Sie soll bis Jahresende spätestens vorliegen. Das Wolfskompetenzzentrum (WZI) in Iden in der Altmark begründet das u. a. mit der großen Datenmenge, die auszuwerten sei. Dass die Hürden zu hoch seien, sieht Julia Kamp vom WZI nicht so. Bei Sichtungen reiche z. B. die Angabe von Standort, Datum und Uhrzeit, bei gefundenen Spuren Fotos und Größenvergleiche. Meldungen sind u. a. online oder telefonisch möglich. „Wir bitten jeden Bürger, sich zu melden, wenn er glaubt, einen Wolf oder dessen Spuren gesehen zu haben. Das hilft uns, genau zu erfassen, wo wie viele Tiere leben“, sagt Julia Kamp.

Sichtungen aus dem Raum Pechau seien dem WZI bereits gemeldet worden. Ebenso wurden Risse von Nutztieren 2019 in Magdeburg dokumentiert: Am 9. März wurde ein getötetes Schaf und am 20. Mai wurden zwölf tote Hühner gefunden – allerdings sei der Wolf als Verursacher klar ausgeschlossen worden, so Kamp.

Dennoch sieht auch Kreisjägermeister Petzoldt die Entwicklung mit Sorge, denn im Umland, z. B. Möckern im Jerichower Land, gibt es jährlich nahezu Dutzende gerissene Schafe. Verursacher: eindeutig der Wolf. Der ist nach wie vor streng geschützt. „Es ist politisch so gewollt, dass der Wolf sich ungehindert ausbreiten darf. Wir Jäger begleiten das nur.“ So wie der Magdeburger Jäger mit seiner Wärmebildkamera den regelmäßigen Auftritt des Wolfes am Stadtrand filmt.