Magdeburg l Um 11 Uhr den „Drahtesel“ gesattelt. Bei schönem Wetter ist das Fahrrad immer eine gute Option für die Magdeburger Innenstadt.

Erste Station: Reuterallee-Ecke Breiter Weg. Wenn sich viel Verkehr durch die Innenstadt bewegt, staut er sich dort mit am meisten. Die Farbe Nummer eins in der Innenstadt ist Blau-Weiß, aber der Autoverkehr ist mäßig. Keine Staus. Der 1.-FCM-Fan fährt Straßenbahn. Die Bahnen kommen halbleer in der Reuterallee an, wenn sie wieder abfahren, sind sie „gerammelt voll“, viele Fans steigen ein oder um. Wer also mit dem Auto oder der Bahn in die Innenstadt fahren wollte, hatte keine Probleme.

Was auch klar sichtbar wird: Der 1.-FCM-Fan fährt auch gern Fahrrad. Hunderte rollen an diesem Vormittag mit dem Rad zum Stadion.

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Für Arno Frommhagen ist das eine gute Entwicklung. Der Sprecher der IG Innenstadt hatte sonst immer ein ungutes Gefühl bei sogenannten Hochsicherheitsspielen des 1. FC Magdeburg. Weil viele Kunden Ärger und Randale fürchteten, sind sie an solchen Spieltagen der Innenstadt ferngeblieben. „Wir haben an diesem Sonnabend eine wirklich entspannte Situation gehabt. Es blieb alles friedlich. Solche Schlagzeilen brauchen wir, damit die Kunden ihre Bedenken gegen die Heimspieltage des FCM verlieren“, sagt Frommhagen.

Ab durchs Nadelöhr

Nächste Station: Uniplatz. Viele Fans, die mit dem Auto anreisen, kommen über die B1 aus Richtung Westen. Der Uniplatztunnel und der Weg über den Nordbrückenzug zu den Messeparkplätzen sind dann ein Nadelöhr. Hier ist der Verkehr auch an diesem Spieltag dicht, aber er fließt, die Wartezeiten an den Ampeln halten sich in Grenzen. Die Parkplätze füllen sich zügig und — die Anwohner wird es nicht freuen — auch die Seitenstraßen rund um das Stadion werden zugeparkt.

Die Polizei hat für das Dresden-Magdeburg-Spiel eine andere Strategie ausprobiert. „Wir haben den Auswärtsfans, die per Auto angereist sind, eine Einweisung von der A14 durch das Jerichower Land zur Berliner Chaussee und zum Stadionparkplatz angeboten“, sagt Polizeisprecherin Ilona Wessner.

Es blieb alles ruhig

Übermäßig viele hätten das Angebot zwar nicht angenommen, aber zu Problemen sei es dennoch nicht gekommen. Die organisierten Fans, die per Bahn angereist sind, mussten dieses Mal in Biederitz aussteigen und wurden per MVB-Shuttle-Bus zum Stadion gebracht. „Diese Strategie hat sich ausgezahlt“, sagt Ilona Wessner. Kein Fanmarsch, wie sonst vom Bahnhalt Herrenkrug Richtung Stadion, also auch keine Staus auf dieser Strecke und keine Polizeieinsätze. Und auch nach dem Spiel blieb alles ruhig, so die Polizeisprecherin.

Nächste Station: Berliner Chaussee. Auch dort keine Verkehrsprobleme.

Vom Fahrrad ins Auto

Die Anfahrt zum Spiel ist nur das eine. Zu diesem Zeitpunkt verteilt sich der Anreiseverkehr über rund drei Stunden. Nach dem Spiel machen sich alle Besucher jedoch zur gleichen Zeit auf den Heimweg.

Testphase eins: Das Fahrrad wird gegen das Auto ausgetauscht. Start vom Messeparkplatz Richtung Innenstadt über den Nordbrückenzug. Der Verkehr ist dicht, es gibt Wartezeiten an den Ampeln, aber es läuft. Und das sogar so gut, dass genug Zeit bleibt, um zurück zum Stadion zu fahren.

Testphase zwei: Vom Stadion über die Brückstraße und die Anna-Ebert-Brücke in die Innenstadt. Hier ist für Autofahrer Geduld gefragt. Es dauert. Das liegt vor allem an der Anna-Ebert-Brücke. Sie hat nur zwei Spuren und die Straßenbahnen haben Vorfahrt, dürfen wegen der Beschaffenheit der Brücke aber nur Schritttempo fahren. Das führt zu Staus.

Aus dem Auto heraus kann man nur sehnsüchtig zu den radelnden Fans schauen, die sind um Längen schneller in der Innenstadt. Noch fixer ist, wer Straßenbahn fährt. „Es war für die MVB ein wirklich entspannter Spieltag“, sagt Pressesprecher Tim Stein. Das erlebe man auch selten. Keine Zwischenfälle. Und die Shuttle-Bus-Linie für die Dresdenfans sei ebenfalls problemlos verlaufen.

Fazit: Es gab keine wirklichen Verkehrsprobleme, alles lief reibungslos, wer in die Innenstadt zum Einkaufen wollte, kam problemlos dorthin. Aber es war auch ein einfacher Spieltag. Das Wetter war schön, was viele Fans zum Fahrrad greifen ließ, es gab keine Randale und, ganz entscheidend: Es gab keine weiteren Großveranstaltungen zur gleichen Zeit, etwa in der Getec-Arena oder im Elbauenpark.

„Das ist auch eine unserer wichtigsten Forderungen: Dass die Veranstalter sich absprechen und dabei den Spielplan des 1. FC Magdeburg im Auge behalten“, sagt Arno Frommhagen. „Jetzt, wo der FCM in der Zweiten Bundesliga spielt, werden die meisten Heimspiele ausverkauft sein. Das muss berücksichtigt werden.“