Engagement wird belohnt Warum sich ein schottischer Student in seiner neuen Heimat Magdeburg für eine friedliche Gesellschaft einsetzt
Tenzin Tsering Murry ist Friedens- und Konfliktforscher. Er ist nicht nur ein herausragender Student, sondern auch ein junger Mann, der das, was er lernt, in der Praxis leben will. Dafür ist er jetzt ausgezeichnet worden.

Magdeburg/vs. - Magdeburg hat eine Universität, die im Ausland einen guten Ruf hat. Das zeigt sich auch an der Zahl der internationalen Studenten: Es sind aktuell fast 4.000. Einer von ihnen ist der Masterstudent Tenzin Tsering Murry. Neben seinem Studium setzt er sich für Verständigung, Vielfalt und gegen Extremismus in der Stadtgesellschaft ein.
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„Wir leben in einer Zeit, in der Konflikte allgegenwärtig sind und Frieden eher ein abstraktes Konzept.“ Wenn Tenzin Tsering Murry diesen Satz mit leichtem schottischen Akzent sagt, klingt kein Pathos mit, sondern Nachdenklichkeit.
Der 26-Jährige studiert an der Universität Magdeburg im Masterstudiengang Peace and Conflict Studies (PACS) und ist einer der vielen internationalen Studierenden der Uni Magdeburg, die das Campusleben und Magdeburgs Stadtgesellschaft mit ihrem großen Engagement bereichern.
Von Glasgow an die Elbe
Murry stammt aus Glasgow. Dort hat er Philosophie studiert, bevor er 2022 nach Deutschland kam. Erst führte ihn sein Weg ins niederrheinische Kleve, wo er Deutsch lernte und Geflüchteten ehrenamtlich Englisch beibrachte. 2024 zog er nach Magdeburg auf der Suche nach einem Studienort, der international, politisch interessiert und gesellschaftlich engagiert ist. Hier fand er all das.
Murry engagiert sich nicht nur in studentischen Gremien seines Studiengangs, sondern auch außerhalb des Hörsaals. Er unterrichtet Geflüchtete, organisiert Veranstaltungen und arbeitet mit Kommilitoninnen und Kommilitonen an einem PACS-Brettspiel, das Themen rund um Friedens- und Konfliktforschung spielerisch vermittelt. Sein Ziel ist es, komplexe Konfliktmuster verständlich zu machen, nicht nur für Studierende, sondern für alle, die an einem respektvollen Miteinander interessiert sind.
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Für dieses Engagement und seine herausragenden Studienleistungen wurde Murry zuletzt mit dem Otto-von-Guericke-Stipendium der Stadt ausgezeichnet. „Dieses Stipendium hilft internationalen Studierenden wie mir, zu lernen, zu wachsen und unseren Platz in Deutschland zu finden“, sagt Murry. Für ihn ist es ein Zeichen der Wertschätzung und zugleich ein Ansporn, sich weiterhin aktiv in die Gesellschaft einzubringen.
Herber Rückschlag
Doch der Weg dorthin ist nicht immer einfach. Bürokratische Hürden erschweren internationalen Studierenden häufig das Ankommen. Auch Murry erlebte das: Ausgerechnet am Tag der Stipendienverleihung wurde sein Antrag auf Staatsbürgerschaft um zwei Jahre verschoben. „Das war ein Rückschlag“, sagt er offen, „aber ich sehe es als Teil des Prozesses. Integration ist kein einfacher Weg.“
Nach dem Studium möchte er für Organisationen wie das Institute for Strategic Dialogue oder HateAid arbeiten – Einrichtungen, die sich der Extremismusprävention verschrieben haben. „Ich denke, wir müssen jetzt mehr denn je auf dieses ernste Problem blicken“, betont Murry. „Wir haben an der Uni Lehrende und Studierende aus aller Welt. Diese Gemeinschaft ist etwas wirklich Besonderes.“ Da wird aus Begegnung Verständnis, aus Engagement Zusammenhalt und aus einem internationalen Campus ein Stück gelebter Frieden.