Magdeburg l „Spieglein, Spieglein in meiner Hand, wer ist der schönste Affe im Land?“ – diese Frage scheint sich Schimpanse Mufasa im Zoo Magdeburg zu stellen. Natürlich tut er dies nicht wirklich. Doch zumindest schaut der 19-jährige Menschenaffe konzentriert in einen kleinen Spiegel, drückt dabei an seiner Nase herum, zieht die Unterlippe lang. Für Sonja Ebel (31) und Kathrin Kopp (48) vom Max-Planck-Institut Leipzig ist dies ein Zeichen dafür, dass sich Schimpansen in einem Spiegel erkennen.

Die beiden Verhaltensforscherinnen sind derzeit im Zoo Magdeburg zu Besuch und wollen mit verschiedenen Übungen unter anderem Erkenntnisse darüber sammeln, wie die Schimpansen mit Werkzeug umgehen. „Generell wollen wir herausfinden, welche Variationen es im Verhalten hinsichtlich der Fähigkeit, Probleme zu lösen – z. B. Werkzeug für eine Aufgabe zu gebrauchen–, des Sozialverhaltens und vor allem auch der Kommunikation gibt und wodurch diese Variationen bedingt sind“, erklärt Kathrin Kopp. Vergleichsstudien wurden bereits in Zoos in Leipzig und Berlin durchgeführt. Weitere sollen in Halle und Wuppertal, aber auch in England und eventuell in Schweden und Dänemark folgen.

Spiegel für Magdeburger Affen

In einen Spiegel sahen die Magdeburger Schimpansen erstmals vor ein paar Tagen. Da stellten ihnen die Forscherinnen ein mannshohes Exemplar direkt ans Gehege. Bangolo, der im Januar 2018 mit seinem Halbbruder Kofi aus Leipzig nach Magdeburg kam, stellte sich sogleich davor, wippte hin und her und schaute sich seine Lippe an.

Nun gab es Handspiegel. Zehn Stück an der Zahl. Für jeden Schimpansen einen. Theoretisch. Denn kaum hatten sie die reflektierenden Werkzeuge entdeckt, sammelte Minga ein paar ein und legte sie hoch oben auf einer Ablage ab. Ordnung muss sein. Oder wollte sie die Spiegel verstecken und selber horten? Diese Frage lässt sich so einfach nicht klären.

Verschiedene Werkzeuge im Einsatz

Kathrin Kopp ist immer wieder fasziniert vom Verhalten der Schimpansen. Sie weiß, dass sich Affengruppen beim Einsatz von Werkzeugen durchaus unterscheiden können. „Es gibt beispielsweise Affen, die Steine zum Knacken von Nüssen nutzen. Andere tun dies aber nicht, obwohl sie das gleiche Werkzeug zur Verfügung haben“, erklärt sie. Das hätten Studien von Kollegen im Freiland ergeben.

Jetzt wollen sie und ihre Kollegin wissen, wovon dieses Verhalten abhängt. Klar ist, dass Schimpansen vor allem von ihren Müttern und durch Beobachtung lernen. „Die gucken sich untereinander sehr viel ab“, so Kathrin Kopp. „Durch soziales Lernen können sich dann in Gruppen Traditionen entwickeln.“

Gespannt auf die Ergebnisse

Auf die Ergebnisse der Studien sind auch die Tierpfleger und Kuratoren im Zoo Magdeburg gespannt. Konstantin Ruske (36) ist Kurator für Forschung, Artenschutz und Zooentwicklung. Er sagt: „Kooperationen mit Forschungseinrichtungen wie diese sind für uns sehr wichtig. Wir selbst finden leider keine Zeit, solche Tests zu machen.“ Dabei würden die Studien und Übungen gerade auch für die Zoo-Mitarbeiter sehr aufschlussreich sein. Schließlich lernen sie ihre Schützlinge und die Gruppendynamik unter den Schimpansen auf diese Weise besser kennen. „Außerdem sind die Tests eine sehr gute Beschäftigung für unsere Tiere“, so Ruske.

Bei einer weiteren Übung müssen die Schimpansen beweisen, wie clever sie sind. In Glasröhrchen haben die Forscherinnen Traubensaft gefüllt. Sehr lecker für Schimpansen. Doch wie an die süßen Tropfen herankommen? Zur Auswahl stehen mehrere Stöckchen – verschieden lang, einige mit einem Pinsel oder einem Blatt am Ende. Sogleich probieren sich die Schimpansen aus. Doch nicht alle kommen auf die Idee, den Pinsel zu nutzen, mit dem sich mehr Saft aufnehmen lässt als mit einem Stock, oder gar das Blatt als Schwamm einzusetzen. Schimpansen sind eben – wie wir Menschen – unterschiedlich schlau und verschieden konzentriert bei der Sache.

Belohnung mit Rosinen

Übrigens: Die kleinen Spiegel sind zwar aus Polycarbonat und damit unverwüstlich, dennoch müssen die Schimpansen sie wieder abgeben – selbstständig, aber nach Aufforderung. Zur Belohnung gibt es Pellets oder Rosinen. Nana stellte sich am Freitag dabei besonders schlau an. Sie sammelte nicht nur die von Minga gehorteten Spiegel ein, sondern nahm auch Mufasa welche ab.

So bekam sie die meisten Leckerlis. Sehr clever von der 33-jährigen Schimpansin.

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