Magdeburg l Nächstes Kapitel bei den Personalquerelen im Zoo: Nach der Demonstration von Zoomitarbeitern am Rathaus gegen die Zoo-Führungsriege im Dezember 2019 scheidet nun Zootierarzt Nils Mensing nach sechs Jahren Tätigkeit aus. Der Veterinärmediziner mit eigener Praxis in Rothensee hat seinen Rundum-Betreuungsvertrag mit dem Zoo nach eigenen Angaben gekündigt. Der 30. April wird sein letzter Arbeitstag sein. „Hauptgrund ist für mich das zerrüttete Verhältnis zu den Tierpflegern. Ich komme an die Kollegen einfach nicht mehr ran. Ich wollte deshalb einen Schlussstrich ziehen“, begründete der Tiermediziner seine Entscheidung. Unabhängig davon stehe er voll hinter Zoochef Kai Perret.

Recherchen der Volksstimme ergaben allerdings, dass Mensing das Vertrauen durch den Zoo-Aufsichtsrat bereits am Tag vor der eigenen Kündigung entzogen worden sein soll. Auf einer Sondersitzung in dieser Woche waren die Probleme im Zoo angesprochen worden. Mit dabei war auch Mensing. Nach dem er die Sitzung verlassen hatte, soll dort der einstimmige Beschluss gefallen sein, den Vertrag mit dem Tierarzt zu kündigen. Erst am Tag danach soll Mensing seine Kündigung gegenüber dem Aufsichtsrat mitgeteilt haben. Aufsichtsratsvorsitzender und Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) machte auf Volksstimme-Anfrage zu Details keine Angaben.

Vorwürfe von beiden Seiten

Mensing gilt im Zoo als unbequem und soll regelmäßig mit den Pflegern über die Behandlungsweise von Tieren über Kreuz gelegen haben. Derzeit kursieren wechselseitig schwere Vorwürfe über den Umgang miteinander als auch mit den Tieren. Zwei Beispiele: Mensing wird vorgeworfen, bei Notfällen nicht rechtzeitig vor Ort gewesen zu sein. Mensing wiederum beklagt, dass Anweisungen von ihm von Pflegern vorsätzlich ignoriert worden seien.

Der Personalrat des Zoos wollte sich am 24. Januar 2020 nicht äußern. Zoochef Kai Perret war nicht erreichbar. Die Stelle des Zootierarztes soll künftig auf eine Halbtagsstelle im Zoo und einen neuen Vertragstierarzt aufgeteilt werden. Außerdem soll das Veterinäramt die Vorwürfe bewerten.