Krottorf/Kroppenstedt l Alle 14 Tage bietet das Standesamt der Verbandsgemeinde Westliche Börde eine Trauung am Sonnabend an. Der 4. April war somit ein ganz „normaler“ Eheschließungstag. So normal nun auch wieder nicht, schließlich tickt die Welt in Zeiten von Corona völlig anders. Für den 4. April hatte Standesbeamtin Nadine Schauer schon vor Wochen eine Anmeldung entgegengenommen.

Bräutigam Nico Urbaneck verband mit dem 4.4. keine Schnapszahl, sondern einfach die Tatsache, dass der Intensivmedizinpfleger an diesem Wochenende keinen Dienst hat. Von einer Corona-Pandemie war zu diesem Zeitpunkt keine Rede.

Inzwischen sind Kitas, Schulen, Geschäfte und Gaststätten geschlossen, herrscht seit 14 Tagen ein striktes Kontaktverbot mit den entsprechenden Konsequenzen, auch für die Standesämter. Geheiratet wird, wenn überhaupt, nur in kleinen Gruppen: Brautpaar, Trauzeugen und Eltern.

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Standesbeamtin Nadine Schauer hat am vergangenen Sonnabend Sandra und Nico Urbaneck getraut. Im Sitzungssaal des Kroppenstedter Rathauses, der zugleich auch Trauzimmer ist, finden in der Regel 30 Personen Platz. Diese Zeiten gehören aber vorerst der Vergangenheit an. Die noch wenigen im Raum verbliebenen Stühle für die Eltern und den Trauzeugen sind weit auseinander gerückt, das Brautpaar sitzt mit entsprechenden Abstand vor der Standesbeamtin.

Ihre Hochzeit, ihren großen Tag, hatten sich Nico Urbaneck und Sabine Arnold ganz anders vorgestellt. Sicher, eine große Party hätte es ohnehin nicht gegeben, denn die Braut ist hochschwanger. Das erste gemeinsame Kind ist unterwegs. „Aber wir wollten schon mit Eltern und Verwandten essen gehen, anschließend zu Hause noch etwas zusammensitzen. Das fällt nun aus“, erzählt der Krottorfer. Seit sich Corona zur Pandemie ausgeweitet hat, haben die nun frisch Vermählten hin und her überlegt, ob sie den Termin für die standesamtliche Trauung nicht doch besser absagen. So manche Träne ist in dieser schwierigen Zeit geflossen. „Aber wir wollen unserem ersten Kind, unserem Sohn, eine feste Familie bieten. So haben wir uns entschieden, es bei dem Termin zu belassen, im ganz kleinen Kreis zu heiraten. Die große Feier holen wir nach. Dafür nehmen wir schon mal den ersten Hochzeitstag ins Visier“, erzählt Nico Urbaneck.

Fast vier Jahre ist es her, dass sich der 31-jährige Krottorfer und seine 32-jährige Frau bei ihrem gemeinsamen ehemaligen Arbeitgeber kennen- und schließlich lieben gelernt haben. Sandra Urbaneck ist Krankenschwester. Während sie den Mutterfreuden entgegensieht, nimmt Nico Urbaneck täglich den Weg zur Uni-Klinik nach Magdeburg, wo er auf einer Intensivstation der Inneren Medizin arbeitet. „Ich möchte in dieser schweren Zeit helfen, für die Patienten da sein. Und doch verspüre ich ein gewisses Unbehagen, wenn ich auf Arbeit bin, lasse eine besondere Vorsicht walten, um meine Frau zu schützen.“

Das junge Ehepaar hofft, dass sich bis zum Entbindungstermin am 21. Mai der Alltag in Sachen Corona etwas normalisiert hat, der angehende Papa bei der Entbindung auch dabei sein kann.

Corona hin oder her: Am Sonnabend hat ein glückliches Ehepaar das Kroppenstedter Rathaus verlassen, lässt sich, mit gebührendem Abstand, das versteht sich von selbst, von Fotografin Cordula Kunzmann ablichten, lächelt glücklich in die Kamera. Der Start in die gemeinsame Zukunft war sicher etwas holprig, aber wie heißt es so schön: In guten wie in schlechten Zeiten stehen sich Liebende bei. Alles Glück dieser Welt und Glückwunsch dem frisch vermählten Paar Sandra und Nico Urbaneck.

Für Standesbeamtin Nadine Schauer war es die einzige Trauung an diesem Tag. Sie berichtet, dass bislang keine Trauungen von Heiratswilligen abgesagt worden sind.