Neukirchen l Gut ein Jahr nach der jüngsten Bürgermeisterwahl müssen sich die Einwohner der „Altmärkischen Wische“ Gedanken um ein neues Gemeindeoberhaupt machen. Im wahrsten Sinn des Wortes plötzlich und unerwartet erklärte Karsten Reinhardt in der Ratssitzung am Montagabend seinen Rücktritt.

Für den Schritt machte der Wendemarker ausschließlich gesundheitliche Gründe geltend, die bei seiner Wahl im Oktober 2016 offenbar so noch nicht abzusehen waren. Der Schritt fiel ihm offensichtlich sehr schwer, denn die Zusammenarbeit mit „seinem Rat“, wie er es gern formulierte, oder der Verbandsgemeindeverwaltung um Rüdiger Kloth sei sehr gut gewesen.

Was ihn allerdings immer sehr wurmte, aber eher anspornte als deprimierte: die Steuerungerchtigkeit in Bund und Land, die vor allem so eine ländlich geprägte und dünn besiedelte Region wie die Wische benachteiligt. Aber auch im Kampf für eine verstärkte Teilhabe an den vor Ort geschaffenen Mehrwerten, sieht er die Weichen erste einmal gestellt.

Entscheidung reiflich überlegt

Überdies erfolgte die Erklärung zwar unerwartet, der Rückzug erfolgt aber nicht übereilt, sondern zum 30. April. „Bis dahin habe ich noch ein paar Bretter zu bohren“, bekräftigt, der 66-jährige Vater von fünf Kindern, Opa von zwölf Enkeln, der sogar schon zweifacher Uropa ist. In dem Zusammenhang betonte er auch, dass er sich alles reiflich überlegt habe und schloss einen Rücktritt vom Rücktritt vorsorglich schon einmal aus.

Seine gewonnen Zeit dürfte der studierte Botaniker, der nach der Wende auch das Jahn-Gymnasium in Haldensleben mit aufbaute, seiner Familie, aber auch dem sogenannten Elend-Hof widmen, den der ehemalige Braunschweiger mit seiner Frau Inge zum Großteil in Eigenleistung wieder aufbaute und so ein gut 700-jähriges Stück Siedlungsgeschichte bei Wendemark vor dem drohenden Verfall rettete.

Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth bedauerte den Schritt sehr, weil er mit Karten Reinhardt gut auskam beziehungsweise -kommt und ihn als einen der aktivsten seiner Zunft schätzen gelernt hat, äußerte aber auch Verständnis, weil nur etwas kürzer treten nicht das Ding des Wendemarkers sei, der seine Aufgaben immer ganz ausfüllen wolle.

Wenn sich Karsten Reinhardt aus seiner Funktion verabschiedet, verliert auch der Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt einen streitbaren Vertreter, überdies wird ein Platz im Verbandsgemeinderat frei. Den Posten des Bürgermeisters wird ab 1. Mai Reinhardts Stellvertreterin im Verhinderungsfall, Kerstin Musche, übernehmen. Überdies wird im Verbandsgemeinderat Seehausen jemand nachrücken müssen.