Apenburg l Wenn die Vorweihnachtszeit beginnt, freuen sich die Apenburger Kinder jedes Jahr aufs Neue auf zwei Attraktionen im Ort: auf das Adventshaus, das jeden Abend auf dem Schulenburgschen Hof seine Türen öffnet, und auf die Modelleisenbahn, die Andreas Schwieger in seinem Schaufenster schräg gegenüber dem Dorfplatz an der Ecke Bahnhofstraße/Badeler Straße aufbaut. „Das mache ich schon seit einigen Jahren, und die Bahn kommt gut an“, erzählte der Apenburger. Zu sehen sein wird sie auch noch in der Zeit nach dem Fest.

In diesem Jahr hätten gesundheitliche Probleme dem Weihnachtsmodelleisenbahner fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er habe mit einer bösen Blasenentzündung längere Zeit daniedergelegen, berichtete Andreas Schwieger. Doch das Schaufenster leer zu lassen, kam für ihn nicht in Frage. „Ich konnte die wartenden Kinder einfach nicht enttäuschen und wollte meine Schaufensterbahn unbedingt wieder aufbauen“, meinte er.

Die Idee, eine kleine Modellbahnstrecke zusammenzusetzen und sie mit dem entsprechenden Zubehör wie Häusern, Menschen und markanten Bauwerken auszustatten, kam dem Apenburger vor einigen Jahren in Erinnerung an seine eigene Kindheit. Da gab es nämlich in seinem Heimatort schon einmal eine Modelleisenbahn im Schaufenster. „Das war am Elektrogeschäft Dreissig, schräg gegenüber dem heutigen Körber-Markt“, erzählte Schwieger.

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Alfred Dreissig war der Vorreiter

Der 1908 geborene und 1992 verstorbene Inhaber Alfred Dreissig, der als Mechaniker und Meister des Kraftfahrzeughandels im Ort bekannt war, hatte jedes Jahr eine einfache H0-Strecke aufgebaut. Im Maßstab 1:87 und auf einer Modellspurweite von 16,5 Millimetern fuhren dort die Züge durch die installierte Landschaft. „Da haben wir uns als Kinder die Nasen am Schaufenster platt gedrückt“, schmunzelte An-dreas Schwieger.

Ganz so viel Platz wie im Dreissigschen Schaufenster hat der Apenburger bei sich natürlich nicht. Trotzdem erinnerte er sich eines Tages an die Modelleisenbahn mit der TT-Spur (Maßstab 1:120, Modellspurweite 12 Millimeter) aus seinen eigenen Vater-Kind-Jahren, die in Kisten verpackt vor sich hin schlummerte. „Ich habe sie aktiviert. Anfang Januar geht sie immer für ein Jahr ‚schlafen‘, um pünktlich zum ersten Advent Klein und Groß von neuem glücklich zu machen“, freute sich Andreas Schwieger.

Für ihn sei es schon erstaunlich, wie viele Zaungäste sich an seinem Schaufenster Tag für Tag einfinden und sich für dieses „Oldie-Spielzeug“ interessieren. „Und das in Zeiten von Smartphones und Tablets. Irgendwie ist das in diesen besonderen Corona-Zeiten doch ein kleiner Trost“, meinte der Apenburger.