Salzwedel/Brunau l Dienstagnachmittag (8.12.) in Brunau: Ich bin hier, um zu bluten, etwas Gewicht zu verlieren und nach fast 28 Jahren als Nichtspender mal diese kleine Großzügigkeit nachzuholen. Schließlich bietet sich etwas praktische Erfahrung schon an, wenn es um die Blutspende-Situation in der Gegend geht.

Nach einer kurzen Anmeldung geht es stationsweise weiter. Erstmal will ein Fragebogen Angaben zu Reisen, Sexleben und Tattoos der letzten Monate. Ich kreuze brav alles an. Ich finde, ich biete einen kerngesunden Gesamteindruck. Der nächste Halt ist der Bluttest, der erste, kleinere Stich. Ergebnis: Ein „fast perfekter“ Hämoglobinwert (Anteil an rotem Blutfarbstoff) – vielleicht kann ich das als Plus auf meinen Lebenslauf setzen.

Paar hundert Erstspender pro Jahr

Nach einer kurzen ärztlichen Untersuchung darf ich mein Blut dann endlich abpumpen lassen. Spannend ist für mich vor allem die Frage, ob ich einer von denen bin, die beim Anblick des eigenen Blutes ohnmächtig werden. Bin ich nicht, aber beim Einstechen muss ich aus Reflex doch kurz wegschauen.

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Wie ich erfahre, war ich beim Termin in Brunau der einzige Erstspender – jedenfalls als ich wieder losfuhr. Das war schon daran ersichtlich, dass alle anderen offenbar bestens mit dem Prozess vertraut waren. Wie viele „Ersties“ es dieses Jahr sonst im Altmarkkreis gab, lässt sich noch nicht sagen – die Zahlen kommen erst noch. 2019 waren es aber immerhin 352, schildert Simone Müller, stellvertretender Vorstand des DRK-Kreisverbands.

Besonders unter den Neuzugängen der Berufsbildenden Schulen kämen immer einige zusammen, erklärt sie weiter. Mit den Wiederholungstätern kamen in der Region 4 562 Spenden zusammen. „Das ist schon eine schöne Summe“ lautet das Urteil von Müller. Allerdings läge dies noch unter dem Zielwert, der aus den Daten des Vorjahres berechnet werde und der im vergangenen Jahr bei 4 705 lag.

Ob 2020 mehr oder weniger Spenden zusammen kommen – der Faktor Corona spielte auf jeden Fall eine Rolle. Denn als Ansammlung größerer Menschenmengen dürften die Menschen auch Blutspenden zum Teil gemieden haben.

Immerhin zum ersten Corona-Aufschwung habe die Bereitschaft aber zugenommen, beschreibt Müller. Den Rest des Jahres sei es wechselhaft gewesen: Zur Ferien-Zeit nehmen die Spenden erfahrungsgemäß ab und nun zur Erkältungs-Saison müssten eigentlich Spendenwillige wegen ihrer Symptome weggeschickt werden, schildert sie.

Anstieg in Diesdorf

Es gebe aber auch ein paar starke Anstiege. Einer ist regelmäßig am Jahresende in Diesdorf. Das sei „immer so ein 50er-Termin“, beschreibt Müller, also ein Termin mit rund 50 Spendern. Zum Ende des Jahres sei die Zahl aber wohl auch so hoch, weil der Termin zwischen den Feiertagen liegt.

Dennoch, dass sich das DRK mal über zu große Blutreserven beschwert, müsse erst noch passieren. Spender werden daher weiter gesucht. Und wer kein Blut spenden kann, etwa aus Gesundheitsgründen oder weil er ein paar Wochen bis zur nächsten Spende warten muss, kann immer noch auf den Terminen aushelfen, denn auch freiwillige Helfer kann das DRK immer gebrauchen.

Da sei die Voraussetzung vor allem viel Zeit, erwähnt DRK-Regional-Vorstand Sven Knoche. Helfer seien etwa für das Kaufen, Zusammenstellen und Verteilen der Lunch-Pakete zuständig. Müller: „Da sind schon mal acht, neun Stunden weg“.

Als Aufwandsentschädigung gibt es 15 Euro pro Termin. Spender bekommen eine Kleinigkeit zu essen – auch, um den Blutverlust etwas auszugleichen. Erstspender müssen etwas mehr Zeit für die Registrierung einplanen, und für alle gilt, nach dem Blutabnehmen lieber noch etwas dazubleiben, um eventuelle Schwindelgefühle und andere Nebenwirkungen abzuwarten.

Die gab es bei mir nicht, auch eine Gelegenheit, mich selbst kennenzulernen. Schon allein die eigene Blutgruppe zu kennen, dürfte ganz nützlich sein. Außerdem wird man mit Erhalt des Spendeausweises gleich über bisher übersehene Krankheiten informiert – wobei ich auf diesen Bonus natürlich gern verzichten würde.