Salzwedel/Klötze l „Bitte halten Sie Abstand“, sagt Thomas Pietz. Sofort lässt sich der junge Mann, der einen großen Palettenwagen schwungvoll in den Markt schiebt, ein bisschen zurückfallen. Thomas Pietz steht am Mittwochmorgen (25. März) im Salzwedeler Obimarkt gleich im Eingangsbereich und passt auf, dass nicht zu viele Kunden auf einmal in den Verkaufsraum gelangen. Laut Landesverordnung darf sich derzeit auf zehn Quadratmetern nur noch ein Kunde aufhalten. Nein, er führt keine Strichliste, sagt Thomas Pietz schmunzelnd. „Das hab ich im Blick“, und: „Die Leute sind alle einsichtig.“

Aber das ist eigentlich kein Wunder. Denn derzeit haben die meisten viel Zeit für Garten, Balkon oder fürs Renovieren und sind froh, dass die Baumärkte noch offen sind.

Ganz im Gegensatz zum benachbarten Niedersachsen, wo diese seit Montag für den privaten Verbraucher dicht sind. „Nur Handwerker dürfen bei uns noch einkaufen“, sagt Thomas Pietz. Er kommt aus Lüchow, arbeitet auch im dortigen Obimarkt. Weil da aber jetzt nicht mehr so viel zu tun ist, hilft er in Salzwedel aus. Und hier trifft er möglicherweise auch auf Kunden, die er sonst in Lüchow sieht. Denn auf dem Parkplatz gleich vor der Eingangstür stehen an diesem Morgen auch zahlreiche Fahrzeuge mit Kennzeichen aus Niedersachsen: GF für Gifhorn, DAN für Lüchow-Dannenberg, sogar LG für Lüneburg.

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Offene Märkte ein Privileg

Dass es mehr Kunden sind, als sonst, das bestätigt schließlich auch seine Kollegin an der Kasse. Am Montag sei das deutlich zu merken gewesen, sagt sie. Und: Die Kunden kaufen ordentlich ein: Laminat, Baumaterialien, Gartenerde und Pflanzen. Viele Wagen sind bis oben hin voll, auch an diesem Mittwochmorgen. „Manche Kunden kaufen sogar Dekoartikel“, sagt Thomas Pietz kopfschüttelnd. Denn so sei das mit der Sonderregelung für Baumärkte ja eigentlich nicht gedacht. „Sie sollte die Möglichkeiten bieten, den kaputten Wasserhahn zu ersetzen.“ Für Einkäufe, die nicht sein müssten, ja eher nicht, findet er, auch wenn er sich natürlich über jeden Kunden freut.

Von einem „Baumarkt-Tourismus“ berichtet am Donnerstag (26. März) auch Claudia Schmidt, Marktleiterin bei Werkers Welt in Klötze. Im Drei-Minuten-Takt klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung: Niedersachsen, die sich vor der weiten Fahrt in die Altmark erkundigen wollen, ob der Baumarkt tatsächlich geöffnet hat. Die häufigste Frage: „Haben Sie noch Zement?“

„Wir sind ein Regionalversorger und haben überwiegend Stammkundschaft. Darum fallen uns die fremden Gesichter natürlich auf“, sagt Claudia Schmidt, die nun auch Kunden aus Wolfsburg, Braunschweig und sogar Hannover begrüßt, das aber eigentlich gar nicht will. Grund: „Dass die Baumärkte hier noch geöffnet haben dürfen, ist ein Privileg, über das wir froh und dankbar sind.“ Doch der Baumarkt-Tourismus gefährde dieses Privileg. So paradox es klingen mag, aber weitere Kundschaft ist nicht erwünscht.

„Bis Anfang Mai haben wir jede Werbung zurückgezogen“, verrät Claudia Schmidt. Auch im Außenbereich wurde alles entfernt, was die Leute zum Kommen bewegen könnte. Alles mit dem Ziel, die öffentlichen Anweisungen zu befolgen und die Ansteckungsgefahr zu minimieren. „Wir sind um jeden froh, der zu Hause bleibt“, betont die Marktleiterin. Nur so könne gewährleistet werden, den Laden am Laufen zu halten. Und zwar für jene Kunden, die dringend einen Siphon benötigen – und nicht zentnerweise Zement.

Überall hängen Zettel mit der Aufforderung, Abstand zu halten und möglichst bargeldlos zu bezahlen, sogar in mehreren Sprachen. „Zu 90 Prozent halten sich die Kunden daran“, sagt die Marktleiterin. An der Kasse gibt es Plexiglasscheiben und Abstandshalter. Die Verkaufsfläche beträgt 1000 Quadratmeter. Es gibt zehn Einkaufswagen. Und nur Kunden mit Einkaufswagen wird auch Einlass gewährt. Dadurch wird automatisch die Landesverordnung eingehalten.

Und Hamsterkäufe? „Schwer zu sagen in der Gartensaison, wo eh viel gekauft wird. Aber ja“, bestätigt Claudia Schmidt und verweist auf das Saatgut. Rote Rüben sind ausverkauft.