Höddelsen l „Ein sicherer Ort? Atommüll-Lager-Suche in Waddekath“: Mit diesen Worten war die Informationsveranstaltung überschrieben, die am Mittwoch Jung und Alt ins Dorfgemeinschaftshaus Höddelsen lockte. Gemeinderätin Dorit Nieber erinnerte daran, dass der Salzstock Waddekath im Jahr 1995 schon einmal in einer Studie aufgetaucht, aber nie untersucht worden sei.

Zu Gast war Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“, der sich mit der Thematik der neuen Standortsuche, die seit 2017 läuft, intensiv beschäftigt hat. Die Betreiber der Atomkraftwerke hätten 24 Milliarden Euro an den Staat überwiesen, wovon die Suche nach einem Lager und die Lagerung finanziert werden sollen. Allerdings würden bis zum Ende des Jahrhunderts 160 bis 180 Milliarden Euro gebraucht. „Es gibt keine ,Nachschubpflicht‘ der Verursacher“, schilderte er. In ganz Deutschland werde nach Lagermöglichkeiten in Salz, Ton oder Granitgestein gesucht. Eine erste Zwischenbilanz solle im dritten Quartal 2020 gezogen werden. Die Entscheidung werde nach weiteren Erkundungen im Jahr 2031 fallen.

Zwischenergebnisse sind geheim

Die Suche solle transparent sein, aber Zwischenergebnisse dürften nicht veröffentlicht werden, berichtete Jochen Stay. Der künftige Endlager-Standort sollte da seinen Platz finden, wo es geeignete Bedingungen gebe, er am wenigsten störe und von der Bevölkerung akzeptiert werde. In der Region seien Salzvorkommen bei Waddekath, Peckensen, Jahrstedt, Zobbenitz, und Wittingen bekannt. „Informieren Sie sich. Protestieren Sie, wo es sinnvoll ist, sammeln Sie Unterschriften. Schließen Sie sich zusammen“, riet der Sprecher.

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Landrat Michael Ziche erinnerte daran, dass zu DDR-Zeiten erhebliche Bohrungen in den Salzstöcken des heutigen Altmarkkreises stattgefunden hätten. Das mache diese für die Lagerung ungeeignet. Er regte an, dass es im nächsten Jahr eine öffentliche Kreis-Umweltausschusssitzung geben werde, die sich mit der Atommüll-Endlagersuche beschäftige. „Wenn hier etwas passiert, haben wir Reputations- und Einwohnerverluste, die nie wieder geheilt werden können. Das geht über die Region hinaus“, machte er deutlich.

Salzstock ist durchbohrt

Christoph Lenz von der Bürgerinitiative (BI) Saubere Umwelt & Energie Altmark wies darauf hin, dass im Salzstock Waddekath mindestens sieben sogenannte Erkundungsbohrungen niedergebracht worden seien. Eine habe diesen komplett durchbohrt. Die Bohrlöcher seien schlecht abgedichtet und würden ein erhebliches Gefahrenpotenzial darstellen. BI-Mitglied Lothar Lehmann, der sich seit zehn Jahren intensiv mit den Folgen der Erdgasförderung beschäftigt, ergänzte, dass der Untergrund durchlöchert und wahnsinnig in Bewegung sei. „Die Erdgasförderung hat die Altmark zu einem Erdbebengebiet gemacht“, erklärte er.

Diesdorfs Vize-Bürgermeisterin Angelika Scholz beschloss den Abend mit den Worten: „Wehret den Anfängen, damit auch unsere Kindeskinder noch die schöne Altmark genießen können.“