Dähre l „Eine Vier-Tage-Woche in der Sekundarschule in Dähre: Man hat das Gefühl, dass es der Anfang vom Ende ist“: Dähres Ratsherr Burger Boohs zeigte sich während der Ratssitzung am Montagabend besorgt über den Lehrermangel in der Bildungsstätte. Er fügte hinzu: „Hier gibt es keinen Arzt und keine Bank mehr. Ich finde es ganz gefährlich, was da momentan passiert.“

Rat fühlt sich hingehalten

„Es entsteht der Eindruck, dass man die Sekundarschule hier wohl weg haben will“, merkte Vize-Bürgermeister Harald Heuer an. Denn für diese müsse eine Sondergenehmigung beantragt werden, und das jährlich neu, weil es in der Verbandsgemeinde – in Beetzendorf – eine weitere Sekundarschule gebe. Aber aufgrund der Flächenausdehnung sei das notwendig, damit die Schüler nicht noch längere Fahrwege haben, schilderte er seine Sicht.

Bildungsminister Marco Tullner spricht von einer Angleichung von Stadt und Land. Aber das, was hier abläuft, passt nicht und ist eine Sauerei“, machte Harald Heuer seinem Ärger Luft. Er fügte hinzu: „Wir lassen uns nicht länger hinhalten durch den Bildungsminister.“

Offener Brief

Bürgermeister Bernd Hane schlug vor, einen Offenen Brief zu verfassen, der nicht nur an den Bildungsminister geschickt werden soll, sondern auch an Ministerpräsident Reiner Haseloff. Darin wolle der Rat nicht nur die Unzufriedenheit mit der Situation zum Ausdruck bringen, sondern auch darauf hinweisen, dass die Gemeinde auf Unterstützung vom Land baue, damit an der Sekundarschule in Dähre vernünftig unterrichtet werden könne.

„Die Schule ist baulich auf dem neuesten Stand und zentral gelegen. Es kann nicht sein, dass daran gerüttelt wird“, sagte Harald Heuer. Allerdings sei fürs Gewinnen von neuen Lehrern nicht gerade hilfreich, dass in anderen Regionen wie im benachbarten Niedersachsen die gleiche Arbeit besser bezahlt werde. Auch darüber müsse seitens des Landes nachgedacht werden.

Unterrichtsversorgung unter 70 Prozent

Da die Unterrichtsversorgung in der Sekundarschule derzeit unter 70 Prozent liegt, musste Schulleiterin Ines Kausch mit ihrem Kollegium einen Notfallplan erarbeiten, wie das wichtigste Wissen vermittelt werden kann. In einem Brief an die Eltern, der der Volksstimme vorliegt, informierte sie vor einigen Tagen über Erfordernisse, die sich aus der Situation ergeben. Konkret bedeutet dies, dass der Kunstunterricht in Klasse 8 und 9, Ethik in allen Klassenstufen sowie Russisch von der siebten bis zehnten Klasse nicht erteilt werden kann. Die Arbeitsgemeinschaften Sport und Kochen/Backen können nicht stattfinden. Zudem entfallen Kurse, Förderunterricht und auch Klassenleiterstunden.

Ziel des Lehrerkollegiums sei es, dass so viel Unterricht wie möglich stattfinde, vor allem in den Abschlussklassen, teilte Ines Kausch mit. Wichtigster Punkt sei es, die zuständigen Behörden regelmäßig über die Situation zu informieren. Der Sportunterricht werde gekürzt, damit dieser in allen Klassen möglich sei. Um Kernfächer abzudecken, werde unter anderem auf Wahlpflichtkurse verzichtet.

Pädagogen unzufrieden

Die Schulleiterin informierte darüber, dass viele Klassen durch die angespannte Personalsituation weniger als 30 Unterrichtsstunden pro Woche hätten. Dies würde dazu führen, dass an manchen Tagen bereits um 10.55 Uhr Schulschluss sei. Bei Bedarf würde eine einzige Aufsicht für die Fünft- und Sechstklässler zur Verfügung stehen.

Im ungünstigsten Fall könne es zu einem ganztägigen Ausfall kommen: wenn zur angespannten Situation noch ein Fachlehrer krankheitsbedingt ausfalle. „Wir sind mit diesem Zustand keinesfalls zufrieden und bitten trotzdem um Ihr Verständnis“, schrieb Ines Kausch an die Eltern.

Die Schulleiterin hofft, dass es gelingen möge, dass in naher Zukunft Pädagogen eingestellt oder von anderen Schulen abgeordnet würden, damit in Dähre wieder vernünftig unterrichtet werden könne. Sollte dies der Fall sein, würden die Erziehungsberechtigten darüber informiert.