Diesdorf l Das Großsteingrab mit der Fundplatzbezeichnung Diesdorf 1 liegt idyllisch unter Eichen, geradezu magisch angestrahlt von der Sonne des Vormittages. Wer sich diesen Zeugen der Vergangenheit zu diesem Zeitpunkt jedoch näher anschauen wollte, war gut beraten, neben robuster Kleidung auch eine Säge und eine Astschere mitzubringen. Zwar weist eine Infotafel an der Landesstraße 8 zwischen Diesdorf und Waddekath auf das Großsteingrab hin, doch das Areal dazwischen haben hohes Gras, Bäume und dornige Sträucher erobert.

Die Initiatoren einer Großsteingräber-Route in der Region Diesdorf haben sich daher auch vorgenommen, die ausgewählten 13 Standorte besser zu pflegen. Ein Dutzend Männer und Frauen rückten daher dem Wildwuchs zu Leibe und sammelten den Müll zwischen Parkplatz und Großsteingrab auf. Zeitgleich starteten auch die Jungen Archäologen der Altmark in Rohrberg ihre Pflegeaktion. „Wir hatten ja von Heimatverein Diesdorf auch schon mal mit solchen Aktionen begonnen“, erinnerte sich dessen Vorsitzende Ingelore Fischer, „schön, dass das jetzt junge Leute in die Hand nehmen.“

Unterstützung

Unterstützung gab es von der Gemeinde Diesdorf, die einen Multicar und einen Container für das Schnittgut zur Verfügung stellte. Dass die Pflegeaktion am Großsteingrab Diesdorf 1 begann, war kein Zufall. Denn hier soll eines Tages auch die Großsteingräber-Route beginnen, informierte Amanda Hasenfusz vom Altmarkkreis Salzwedel.

Bilder

Viele Gräber befinden sich jedoch auf privaten Grundstücken. Deren Eigentümer seien inzwischen angeschrieben worden, Derzeit würden Gestattungsverträge vorbereitet, damit interessierte Touristen die Gräber auch besichtigen können. „Die Resonanz unter den Grundstückseigentümern war gut“, freute sich Amanda Hasenfusz. Mit der Pflegeaktion wolle man auch die Leute motivieren, etwas für die Region zu tun, „sozusagen Regionalentwicklung von unten“, beschreibt sie.

Untersuchung

Ab dem kommenden Jahr soll sich die ABS Drömling um die Pflege kümmern. Derzeit müsse noch die Finanzierung geklärt werden. Bis Touristen die Gräber zwischen Diesdorf, Lüdelsen, Stöckheim und Molmke auf einer Route besichtigen können, werde es jedoch noch einige Jahre dauern, schätzt Amanda Hasenfusz ein. Wie so eine Route organisiert wird und funktioniert, solle Thema einer Exkursion im kommenden Jahr sein, kündigte sie an.

Die Großsteingräber in der Altmark waren bereits Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, berichtete Lothar Mittag, Mitarbeiter der Museen des Altmarkkreises. Das Grab Diesdorf 1 sei wie die meisten Stätten um das Jahr 3600 vor Christus entstanden. Die Eichen, die heute darum stehen, seien jedoch erst nach 1890 gepflanzt worden, da sie in einem Bericht aus jenem Jahr noch nicht erwähnt wurden. In Überlieferungen sei im Zusammenhang mit dem Grab auch von Räuberhöhlen die rede. Möglicherweise verbargen Wegelagerer dort ihre Beute, mutmaßt Lothar Mittag schmunzelnd.

Zerstörung

Die Großsteingräber dienten wohl ganzen Sippen als Bestattungsort. Ihre Errichtung setzte eine organisierte Gesellschaft mit Führungspersönlichkeiten voraus, so der Fachmann weiter. Die sandigen und gut durchlüfteten Böden der Region sorgten jedoch dafür, dass keine Reste der dort Bestatteten vorhanden sind. Von den 200 Großsteingräbern, die einst in der Altmark bekannt waren, existieren heute noch etwa 50. Viele wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zerstört.