Salzwedel l Das Birkenwäldchen, gern als Abkürzung zwischen Volkshochschule, Schwimmbad oder Supermarkt genutzt, sei per se kein gefährlicher Ort für Passanten, schätzt Polizeisprecher Frank Semisch ein. Manche, in erster Linie ältere Bürger, sehen das anders. „Ich traue mich dort in der Dämmerung oder im Dunkeln nicht mehr lang“, erzählte eine ältere Dame am Lesertelefon. Und das nicht nur, weil derzeit die Beleuchtung mehr als spärlich ist. Sie habe gehört, dass dort Drogenhändler unterwegs sind.

Der Polizeisprecher kann das Unbehagen verstehen und empfiehlt sogar, besser gut beleuchtete Wege oder Straßen zu nutzen, um auf der sicheren Seite zu sein. Eine offene Drogenszene, wie in großen Städten, gebe es in Salzwedel aber nicht. Eher seien es Leute, die dem Alkohol in zu großem Maß zugesprochen haben, die sich an den genannten Orten aufhalten und mit ihrem Verhalten für Verdruss bei anderen sorgen. Dennoch gebe es dort nicht mehr Straftaten als woanders.

Keine Hotspots

Wenn ein Fremder nach Salzwedel kommt, der Drogen erwerben will, sei es nicht so, dass er Bahnhof, Birkenwäldchen oder Burggarten dafür empfohlen bekomme. „Da stehen keine Dealer, die auf Kundschaft warten“, sagt er. Derartige Hotspots gebe es in der Stadt nicht. Beim Handel bahne sich viel in den sozialen Netzwerken an, haben ihm seine dafür zuständigen Kollegen berichtet. Drogen würden auf der Straße, an Schulen, in der Disko, Zuhause und an vielen anderen Plätzen ver- und gekauft. Wobei in Salzwedel und Umgebung in erster Linie Cannabis, Amphetamine und Ecstasy konsumiert würden. Härtere Sachen wie Heroin seien die Ausnahme.

Die Drogendelikte nehmen bezogen auf die Gesamtzahl der Straftaten einen geringen Anteil ein. 2018 seien es auf 4843 Taten im gesamten Altmarkkreis rund 400 gewesen. Wobei von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird. Denn es gebe kaum Anzeigen dahingehend. Weder Eltern, Klubbesitzer, Lehrer oder Kumpels würden Rauschgiftkonsumenten bei der Polizei anzeigen. Der Handel erfolge meist unmerkbar für Außenstehende.

Aufklärung und Prävention

Der Straßenverkehr spiele eine größere Rolle, um Drogenkonsumenten bei Kontrollen zu erwischen und zur Rechenschaft zu ziehen. Neben der Strafverfolgung setzten die Polizeibeamten auf Aufklärung und Prävention. „Am besten wäre, wenn sich die Leute freiwillig an die Gesetze halten“, sagt Semisch.

Auch Kathrin Kettler von der Sucht- und Drogenberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) sieht in Salzwedel keine klassischen Szenepunkte. „Aber Drogen gibt es hier genügend“, sagt sie. In erster Linie, die, die auch die Polizei genannt hat. Womit die Beraterinnen glücklicherweise nur selten zu tun haben, ist das gefährliche Methylamphetamin – Crystal Meth genannt.

Überwiegend sind es alkoholabhängige Menschen, die ihre Hilfe suchen. An der Anzahl der ihrer Klienten hat sich seit Jahren nicht viel verändert, berichtet Kathrin Kettler. 2019 waren es 192 Personen, die sich an die Beratungsstellen gewandt haben, davon 40 Drogenabhängige. „Es gibt keinen Zuwachs und Alkohol bleibt die Nummer eins“, erklärt sie.