Salzwedel l Die Geschichte ist lang, das Ende kurz. Seit langer Zeit prägt das historische Fachwerkhaus in der Holzmarktstraße das Stadtbild-Ensemble Salzwedels. Prächtige Gauben, alte Holztüren, gekonnt verziert. Ein Haus von Hand geschaffen. Das Handwerk alter Zeit drückt(e) jeder Ecke seinen Stempel auf. Touristen knipsten Bilder, für die Jeetzestädter gehörte es zum Inventar. Zuletzt war es den meisten Altmärkern als uriges Antiquitätengeschäft ein Begriff. Doch damit ist seit der Silvesternacht Schluss. Ein Brand vernichtete die Substanz in kurzer Zeit. Seitdem ist das Anwesen eine Ruine. Und genau diese soll 2020 einer Abrissbirne zum Opfer fallen. Wohl aber nicht, ohne an das alte Anwesen zu erinnern.

Der Geruch bleibt

Der Salzwedeler Marius Lohr wohnt in der Holzmarktstraße, direkt neben der Ruine. Noch immer steckt der Geruch der Brandnacht in seinen vier Wänden wie ein ungebetener Gast. Sein Heim ist noch immer von der verheerenden Nacht gezeichnet. Am angrenzenden Außengiebel hängt eine Plane. Dort hatte das Feuer vom ehemaligen Dachstuhl auf sein Haus übergriffen. Sein Fachwerkhaus wirkt im Inneren beinah wie ein Rohbau. „Ich musste die Teppiche entsorgen und Tapeten abreißen.“ Der Geruch aber bleibt bis heute.

Im Gegenteil zur Bausubstanz der Ruine. Diese soll bald dem Erdboden gleichgemacht werden. Marius Lohr hat das Nachbargrundstück gekauft. Ebenso das daran angrenzende Haus in der Kramstraße. Beide Objekte sind derzeit noch eingerüstet – noch.

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„Wir haben den Dachstuhl der Ruine schon runter geholt“, erzählt Marius Lohr: „So kann nichts herunter fallen.“ Die Verkehrssicherheit sei damit gegeben. Die Rüstung aber kommt bald weg, ebenso der Schutt auf dem Gehweg.

Ein Schild soll erinnern

Im letzten Quartal des Jahres sollen die Bagger anrollen. Das eine Sanierung keinen Sinn ergibt, war bereits auf Anfrage aus der Kreisverwaltung zu hören: „Letztlich musste nach entsprechender Prüfung festgestellt werden, dass eine bloße Instandsetzung wirtschaftlich unzumutbar ist“. Und so wurde in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie durch den Altmarkkreis eine entsprechende Abbruchgenehmigung erteilt.

Der Grundbesitzer möchte nach dem Abriss aber an das Haus erinnern. Denn wenn es möglich ist, soll ein Teil der Fassade erhalten bleiben. Etwa bis zur Höhe der Fenster in der ersten Etage – inklusive Teile des Dachs. Zumindest ein Vorsatz. Das Innere wird ein privater Parkplatz für Lohr – den er bis heute (noch) nicht hat.

Auch die Eingangstür in das ehemalige Antikgeschäft könnte erhalten bleiben. „Es war ein wunderschönes Haus und ein Teil soll daran erinnern.“ Wenn es nach dem Willen des Salzwedelers geht, wird vor den Mauerresten ein Schild mit Bild und Informationen zum Objekt auf das einst prächtige Fachwerkhaus verweisen.

Das Baujahr des Hauses konnte Marius Lohr übrigens noch nicht herausbekommen. Die Daten sind abhanden gekommen – ebenfalls bei einem Brand. Nämlich dem des alten Rathauses auf dem heute gleichnamigen Turmplatz, erklärt Stadtarchivar Steffen Langusch.

Einen technischen Defekt als Brandursache schloss die Polizei aus. Daher besteht weiterhin die Möglichkeit, dass das Feuer kurz vor Neujahr von einer Silvesterrakete ausgelöst wurde. Daher gehört nicht nur für Marius Lohr die Böllerei aus dem historischen Stadtentrum verbannt. Viel zu dicht stünden die vielen alten Bauten, teils nur aus Lehm, Holz und Stroh errichtet, sagt er. Seines hatte „Glück“ im Unglück. „Fünf Minuten länger und der ganze Straßenzug hätte gebrannt“, ist er sich sicher.