Schönebeck l Was die Genossen im real existierenden Sozialismus nicht schafften, droht nun im marktwirtschaftlich orientierten Kapitalismus. Im 126. Jahr nach der Gründung der heutigen Stadtteilfeuerwehr Bad Salzelmen wird jetzt darüber debattiert, dass die Feuerwehr ihre lange und vor allem eigenständige Geschichte aufgeben soll. Und nicht nur die Salzer Kameraden scheint dieses Schicksal zu ereilen, sondern auch den Felgelebern. Beide Feuerwehren könnten – geht es nach ersten (unreifen) Plänen der Stadtverwaltung – fusionieren.

Beide Feuerwehren würden dann zwar weiter fortbestehen, aber ob sie ihren Stadtteilnamen noch im Namen tragen werden, ist fraglich. Dass am Ende Handlungsbedarf besteht, sehen die beiden Feuerwehr-Chefs der betroffenen Truppen ein. Sowohl Steffen David (Bad Salzelmen) als auch Daniel Schürmann (Felgeleben) wissen um die Zwangslage, in der sich die Stadtverwaltung Schönebeck befindet. Denn schon seit Jahren moniert die Feuerwehrunfallkasse den derzeitigen Zustand im alten Bad Salzelmener Gerätehaus. „Wie lange die Behörde da noch mitmacht, wissen wir nicht. Wir sollten uns also schnell auf eine Entscheidung vorbereiten“, machte Schönebecks Oberbürgermeister Bert Kno-blauch in einem Gespräch mit der Volksstimme deutlich.

Schon vor gut einer Dekade lagen die Pläne des Anbaus an das damalige Gerätehaus in Salzelmen in Schubladen des Rathauses. Als nämlich die Bürgelschule abgerissen wurde, entstand Platz. Doch die freie Fläche wurde als Parkplatz umgestaltet, wohl auch deshalb, weil der Stadthaushalt klamm war und dieser einen Um- und Anbau am Salzelmener Depot nicht zuließ.

Immer wieder wurden die Kameraden in Bad Salzelmen bei ihren Jahreshauptversammlungen vertröstet: „Ja, die Planungen für ein neues Gerätehaus laufen“, wurden sie kontinuierlich beruhigt. Doch passiert ist seitdem: Nichts.

Effiziente Strukturen schaffen

Für Oberbürgermeister Bert Knoblauch steht noch ein anderer Aspekt im Fokus der Entscheidung. Seine Verwaltung möchte Feuerwehren schaffen, die in ihren Strukturen noch effizienter als jetzt schon sind. „Ich denke da beispielsweise an die Einsatzbereitschaft rund um die Uhr. Derzeit ist es eben problematisch, Fahrzeuge am Tage zu besetzen“, begründet der Oberbürgermeister.

Mit Blick auf die demografische Entwicklung hat er zudem wenig Hoffnung, dass sich dieser Zustand alsbald ändern wird. Mit der Fusion von Bad Salzelmen und Felgeleben würde so nach Ansicht des Oberbürgermeisters eine kampfstarke Feuerwehr Süd entstehen. Genauso wird es nordöstlich des Stadtgebie- tes, wo die Feuerwehr Tischlerstraße residiert – und die Stadtteilfeuerwehr Frohse. Noch zumindest. „Dort könnte die gemeinsame Feuerwehr Nord entstehen“, so Bert Kno- blauch.

Insgesamt denkt der Oberbürgermeister mit seiner Rathausmannschaft weit in die Zukunft voraus. „Mit diesen strukturellen Veränderungen könnten wir etwas schaffen, was die nächsten 20 bis 40 Jahre Bestand haben kann“, sagte er zur Volksstimme. Doch der Oberbürgermeister will dieses Vorhaben nicht im Alleingang durchdrücken. „Es nützt nichts, über die Köpfe der Feuerwehren zu entscheiden. Ich möchte die Kameraden mitnehmen auf diesem Weg“, kündigte er an.

Aus diesem Grund fand Anfang der Woche ein internes Treffen von Kameraden statt, um das Projekt der Fusion von Salzelmen und Felgeleben erstmals vorzustellen. Als möglicher Standort wurde von der Verwaltung der große Parkplatz in der Boeltzigstraße ins Spiel gebracht. „Das ist nur eine erste Idee, unter Vorbehalt. Wenn die Kameraden alternative Standorte wissen, werden wir das selbstverständlich prüfen“, so Bert Knoblauch.

Noch mittendrin in der Meinungsfindung befinden sich nach dem Verkünden dieser Botschaft die Kameraden aus Bad Salzelmen. „Wir müssen erst noch darüber nachdenken und mit unseren Leuten sprechen“, resümierte Wehrleiter Steffen David die Fusionspläne. Er hat zwar eine persönliche Meinung, die aber nicht Spiegel der gesamten Wehr sein könnte.

Ähnlich formulierte es auch Daniel Schürmann, Wehrleiter Felgeleben. Er merkte nicht nur den längeren Anfahrtsweg zum dann neuen Gerätehaus an, sondern stellte gleich eine Vermutung auf: „Wenn das so kommt, wie von der Stadt geplant, werden 50 bis 70 Prozent meiner Leute nicht mehr bei der Feuerwehr mitmachen.“