Plötzky l Wilfried Kiske ist ein Beispiel dafür, dass sich neue Medien und das Alter nicht ausschließen müssen. Mit einer gewissen Routine bedient der 77-Jährige seinen Computer, sein Smartphone und sein Tablet (englisch, tragbarer, flacher Computer in besonders leichter Ausführung mit einem Berührungsbildschirm). Gegenwärtig ist er dabei, einen Dia-Ton-Vortrag über die Arbeit des Heimatvereines zu produzieren. Außerdem erstellt er eigene Vorträge mit PowerPoint. Was für machen Leser an dieser Stelle ein Buch mit sieben Siegeln ist, beherrscht der Plötzkyer geschickt.

Zwangsläufig, denn die vielen Aufgaben, die sich Wilfried Kiske vorgenommen hat, sind teilweise nur mit Hilfe des Computers zu bewältigen und vereinfachen ihm das Leben. Nur mit einem Fakt hadert er im Moment, weil Kiske noch keine ultimative Lösung gefunden hat: Wie kann er Kinder und Jugendliche für das Dorf, die Geschichte und das kleine Heimatmuseum begeistern? Wie kann er dem Nachwuchs das besondere Heimatgefühl vermitteln?

„Unser Heimatverein zählt derzeit 33 Mitglieder. Das Durchschnittsalter beträgt 69 Jahre. Unser ältestes Mitglied wird nächstes Jahr 90“, beschreibt der Vorsitzende und Mitbegründer des Heimatvereines Plötzky die Schwierigkeiten. Als sich der Verein aus einer kleinen Gruppe mit sieben Leuten im Jahr 2000 bildete, stand eines von vornherein fest: Es sollte kein „Feier“-Verein werden, was er bis heute nicht ist.

Interesse für Piraten und die raue See

Wer Wilfried Kiske etwas genauer kennt, weiß um seine Zielstrebigkeit, die ihn ein Leben lang begleitet hat. Früher als Kind – Kiske wurde in Magdeburg geboren, er zog mit seiner Mutter zwangsweise nach Plötzky, wo er sich heute noch wohl fühlt – interessierte sich Steppke Wilfried für Piraten und die raue See. „Ich habe damals viele Bücher dazu gelesen“, erinnert er sich. Auf der Suche nach gleichen Abenteuern wie seine Helden in den Büchern fuhr er zur See, danach bis zu seiner Pensionierung bei der Wasserschutzpolizei auf Elbe und Saale. „Ich bin vom Wasser nie weggekommen“, sagt der Plötzkyer.

Nicht nur auf dem Wasser bewies er eine gewisse Geradlinigkeit, sondern auch auf dem Land. Mit der Gründung des Heimatvereines setzten sich die Mitglieder das Ziel, ein Stück lebendiges Plötzky im Dorf zu schaffen. Historische Exponate des dörflichen Lebens wurden gesammelt. Bald reichte der eine Raum nicht mehr aus. Aus der Heimatstube ist heute ein kleines Heimatmuseum geworden, das mehr als 1000 Exponate präsentieren kann.

Beharrlich verfolgte der 77-Jährige noch ein weiteres Projekt. Bei einer Ausstellung in Magdeburg nahm er beiläufig zur Kenntnis, dass Plötzky früher einmal einen Roland im Dorf hatte. Wilfried Kiske beschäftigte sich damit, recherchierte und bekam von deutschlandweit anerkannten Experten die Bestätigung. Was daraus wurde, ist heute an der großen Kreuzung im Dorf zu sehen. Überlebensgroß steht dort ein echter Rolandnachbau. Damit reiht sich das kleine Elbdorf ein in die Liste der Rolandstädte wie Bremen, Magdeburg, Prag, Dubrovnik und Riga.

Überreste kleiner Pfalz?

Ein bisschen liebäugelt Wilfried Kiste nun noch mit einer neuen Aufgabe: Er sucht ein Fürstenhaus von Kaiser Otto. Der residierte zwar gern im schönen Magdeburg, aber die deutschen Kaiser des Mittelalters waren Wanderkaiser und regierten ein Großreich im Vorüberziehen. „Hier im Ostelbischen muss es sowas wie eine kleine Pfalz auch gegeben haben. Diese Überreste zu finden, wäre großartig“, so der Plötzkyer.

Den Spaß hat Wilfried Kiske trotz der vielen ehrenamtlichen Arbeit nicht verloren. „Die Stadt Magdeburg hat drei wichtige Otto‘s“, macht er mit einem Lächeln deutlich: „Kaiser Otto, Otto von Guericke und Wilfried Otto Kiske“ – auch ein besonderer Titel, fast genauso wie: „Du bist spitze!“

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