Gnadau l Oft sind es die ganz schlichten Dinge, die unser Herz erwärmen, weil sich dahinter eine Geschichte versteckt. Weil es in DDR-Zeiten schwierig war, erzgebirgische Nussknacker zu erwerben, griffen handwerklich Begabte selbst zum Werkzeug. Wie zum Beispiel Wolfgang Flohr, der so einen bärbeißigen Kameraden selbst schnitzte und bemalte. Dessen Tochter Anja Gutsche zählt zu den zahlreichen Leihgebern der Ausstellung.

In der Adventszeit schmücken viele Zeitgenossen ihre Häuser auf ganz individuelle Weise: Schwibbögen, Weihnachtspyramiden, Sterne, Lichterketten. Der Heimatverein Gnadau/Döben startete jetzt ein Experiment und rief die Gnadauer und Döbener dazu auf, jeweils ihr Lieblingsstück der Advents-und Weihnachtszeit mitzubringen und dazu die passende Geschichte zu erzählen. „Das Experiment gelang, die Resonanz war gut. Herausgekommen ist eine Ausstellung, deren Vielfalt auch den Heimatverein überrascht hat“, freut sich Mitinitiator Christian Bartels.

Exponate erzählen Geschichten

Die Ausstellungsstücke, die derzeit im Gnadauer Dorfgemeinschaftshaus am Zinzendorfplatz 11 gezeigt werden, erzählen tatsächlich Geschichten: Es ist zum Beispiel eine aus Südafrika mitgebrachte Weihnachtskrippe, eine von der Oma geerbte Pyramide oder eine Gruppe Kurrendesänger, die Berliner Originalen gleichen. Zwei selbst gebastelte 110-zackige Herrnhuter Sterne von Joachim Gemsjäger dürfen ebenso wenig fehlen wie Christnachtkerzen, wie sie Jahr für Jahr am Heiligen Abend an die Kinder verteilt werden.

Bilder

Kurios ist eine „Häuschenpyramide“ aus DDR-Produktion, die wie eine Weihnachtspyramide funktioniert, aber auf jegliche weihnachtliche Symbole verzichtet. Zu jedem Exponat gehört ein kleines Schild, über das der Besucher die Geschichte erfahren kann. So wird auch von einer typischen DDR-Situation erzählt: Es gab eine lange Schlange vor einem Laden und niemand wusste, was verkauft wurde. „Das Anstehen lohnte sich, die Wartende kam mit einem erzgebirgischen Kerzenständer wieder aus dem Laden“, erinnert sich Christian Bartels.

Heimatliches Brauchtum

„Der Heimatverein hat sich zum Ziel gesetzt, die Verbundenheit mit und die Verantwortung für den Ort in der Bevölkerung zu wecken, erhalten und heimatliches Brauchtum zu fördern“, unterstreicht der Mitinitiator.

„Wir haben überwiegend positive Reaktionen auf unseren Aufruf erlebt, für die Ausstellung Exponate bereitzustellen“, sagt Volker Brosius, der am Sonnabend zusammen mit Mario Boy „Dienst“ hatte. Beide sind im Vorstand des neu gegründeten Heimatvereins, beide sind „Zugezogene“. Brosius stammt aus Kleinmühlingen, Boy aus Magdeburg. „Zwar gibt es mehrere kirchliche und weltliche Gemeinschaften in Gnadau - der Heimatverein hat sich gegründet, um das Miteinander und die Ortsverbundenheit zu stärken“, unterstreicht Volker Brosius, der auch im Ortschaftsrat sitzt.