Kangaroo Island/Eggersdorf l „2020 ist nicht, was wir uns vorgestellt hatten und wird auch aktuell scheinbar nicht besser“, sagt die gebürtige Eggersdorferin Sabrina Davis. Vor rund zehn Jahren war sie der Liebe wegen auf die südaustralische Insel Kangaroo Island ausgewandert, betrieb dort mit ihrem Mann Ben Davis eine Schaffarm mit Imkerei.

Doch Anfang Januar 2020 zerstörten die Buschbrände Haus und Hof der vierköpfigen Familie – und jetzt kommt auch noch die Corona-Krise. „Die Situation ist nicht leicht, aber ich muss sagen, viel schlimmer als im Januar 2020 kann es fast nicht mehr kommen. Wir müssen einfach positiv bleiben“, findet die 37-Jährige.

Grenzen in Australien dicht

Seit vergangenem Freitag, 20. März, um 21 Uhr (Ortszeit) hat Australien seine Grenzen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus‘ dicht gemacht. Aktuell (Stand 23. März, 12 Uhr) gibt es in Australien 1314 bestätigte Infektionen – Kangaroo Island ist laut lokalen Medien noch coronafrei.

„Wir sind aufgrund der Insellage, ja natürlich isoliert, und somit ist es für uns einfacher hier in Quarantäne zu leben. Trotz allem hatten wir nach der Buschfeuer-Situation mehr Touristen aus aller Welt im Februar auf der Insel als jemals zuvor. Die unterstützenden Kampagnen der Tourismusbranche und der Regierung haben geholfen, Menschen hierher zu locken und unserer Inselwirtschaft zumindest im Tourismusbereich auf die Beine zu helfen. Damit verbunden kamen aber eben auch Reisende aus aller Welt auf Kreuzfahrtschiffen und mit Flugzeugen hier an, was nun ein Risiko darstellen könnte“, erzählt Sabrina Davis.

Ein mehr oder weniger normaler Alltag

Zwar seien alle Einwohner, die im Ausland im Urlaub waren, zurückgerufen und in Selbstisolierung gesteckt worden, für ihre Familie verlaufe der Alltag aber bisher ansonsten normal. Mehr oder weniger. Denn die eigenen vier Wände der Familie gibt es nach dem Brand nicht mehr.

„Die Kinder und ich wohnen noch immer im Stall meiner Schwiegereltern, und ich arbeite nun auch für die Familienfirma, helfe unseren Honig zu vermarkten und zu verkaufen für ein geregeltes Einkommen, damit laufende Aufräumarbeiten nach Corona finanziert werden können“, berichtet die 37-Jährige. Ihr Mann Ben Davis übernachte derweil in einem Wohnwagen auf der Farm, ist meist nur einen Abend unter der Woche bei seiner Familie. „Das ist für uns alle anstrengend und belastend aber nötig“, findet Sabrina Davis.

In der vergangenen Woche sei das Haus komplett von den Handwerkern, die von der Regierung für die Asbest-Entfernung angestellt worden sind, abgetragen worden. „Nach zweieinhalb Monaten konnten wir es kaum erwarten, dass es nun endlich weg ist und wir es nicht mehr angucken müssen. Der Tag war trotz allem sehr emotional, denn es ist nicht nur ein neuer Anfang, sondern auch immer noch ein schwerer Abschied vom alten Haus und den damit verbundenen Erinnerungen.“

Toilettenpapier auch in Australien beliebt

Zwar ist auf Kangaroo Island noch niemand mit dem Coronavirus infiziert, doch habe sich auch auf der Insel einiges verändert. Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel, die sonst überall ausverkauft seien, stehen an den Eingängen zu Geschäften bereit. „Auch hier kaufen viele Verrückte das Toilettenpapier weg“, erzählt Sabrina Davis, weiß natürlich von ihrer Familie aus Deutschland auch um die deutlich erhöhte Nachfrage nach Toilettenpapier hierzulande.

„Mein Neffe und meine Nichte sind daheim mit meiner Schwester in Calbe und hoffen, dass die Selbstisolierung was bringt“, berichtet sie. Die Eltern der 37-Jährigen leben allein in der Nähe von München ohne Familie. „Ich kann leider nicht kommen, da ich durch das Feuer aktuell keinen Pass habe und ich nun auch das Land nicht verlassen darf.“

Zuversichtlich in die Zukunft

Alle seien besorgt darüber, was in den nächsten Wochen und Monaten passieren wird – nicht nur in Deutschland, sondern auch Sabrina Davis und ihre Familie auf Kangaroo Island. „Aber ich versuche positiv zu bleiben und weiß, dass meine Familie clever genug ist, auf sich selber zu achten“, blick Sabrina Davis trotz der Buschfeuer, die ihrer Familie die Existenz genommen hat, und der Corona-Krise, die auch auf der australischen Insel zu spüren ist, zuversichtlich in die Zukunft.

Sie setzt ihre Hoffnungen auf den gesunden Menschenverstand: „Jetzt hoffe ich noch, dass auch alle anderen genug Menschenverstand haben, sich an die Regeln zu halten, um das Virus nicht weiter zu verbreiten.“