Glinde l Eigentlich heißt es seit Jahren „Schulplatzfest“. „Doch weil die uns so einen ollen, großen Verteilerkasten genau vor das Haus gestellt haben, muss man wohl von Schulhoffest sprechen“, runzelte Sascha Wenzel die Stirn. Damit meinte er die Gasverlegearbeiten im Ort. Dieses Zitat stammte vom vergangenen Jahr. 2018 ist der Verein wieder zum alten Sprachgebrauch übergegangen. Der „olle Verteilerkasten“ stört zwar noch genauso die Ästhetik vor dem gründerzeitlichen Schulhaus - der Verein arrangiert sich aber offenbar mit der Realität.

Trotz der sengenden Hitze herrschte „Gute Laune pur“ auf dem Schulhof. Die zwölf Vereinsmitglieder hatten sich ins Zeug gelegt, um den werten Gästen einen vergnüglichen Nachmittag zu bereiten. Es gab Kaffee und Kuchen, wie so manche andere Leckerei.

Der Stress wäre zu groß

Um dem ländlichen Umfeld Rechnung zu tragen, hatten die Organisatoren Jens Lögler angesprochen, der sein liebes Federvieh mitbrachte. Hühner der Rasse Zwergbrahmas und ein paar Enten suchten sich ein schattiges Plätzchen. „Eigentlich wollte ich meine Gänse mitbringen, wie es in der Einladung auch angekündigt wurde“, gestand Lögler. Doch der Stress sei zu groß gewesen. Für ihn ein bisschen, für die Tiere noch mehr. Denn erstens sei es nicht so leicht, pubertierende Gänse einzufangen, die bei Planung des Festes noch kleiner und pflegeleichter waren. Und zweitens sei es für das Geflügel bei Hitze nicht sonderlich angenehm, über den Hof gejagt zu werden.

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Um die Kinder bei Laune zu halten, stand ein aufgeblasenes Badebecken bereit, das der Glinder Nachwuchs auch sofort annektierte. Ein bisschen neidisch schienen Jens Löglers Pommernenten in dessen Richtung zu schielen, die nicht so einen schönen Pool hatten.

Der Verein, der für sich in Anspruch nimmt, keinen wirklichen Vorsitzenden zu haben und nach dem Herrnhuter-Motto agiert „Jeder ist gleich“, hatte zum 11. Mal eingeladen. Sein Motto ist aber: „Lesen gefährdet die Dummheit“. Pro Jahr werden in diesem Sinne ein knappes Dutzend öffentlicher Veranstaltungen wie Lesungen oder die regelmäßigen Ü-60-Nachmittage angeboten. (Glinde hat 280 Einwohner!) Dabei lassen die Vereinsmitglieder Tina Fabian und Chris Werner das Tonband mitlaufen, um Erinnerungen und Heimaterfahrungen der Senioren festzuhalten. Diese werden im Anschluss aufgeschrieben und archiviert.

Alte Glinder gingen hier zur Schule

Apropos, Senioren. Davon waren so einige zum Schulplatzfest gekommen. Viele von ihnen besuchten als Kinder diesen Ort, an dem Rechnen und Schreiben gelehrt wurde. (1956 schloss die Glinder Schule, anschließend wurde das Haus Kindergarten.) Die Schüler aller Klassenstufen (1 bis 8) saßen in einem Raum, wo sie gemeinsam unterrichtet wurden. Hin und wieder schlugen einige Jungen über die Stränge, die dann „Haue“ kriegten. Weitere Lehrer waren nach dem Krieg Kurt Banse, Heinz Warnecke und Walter Schüler. (Schüler betreute bis 2011 die Bibliothek, Warnecke kommt hoch betagt noch heute zuweilen mit dem Fahrrad.)

Bereichert wurde das Schulplatzfest durch faszinierende Naturfotos von Florian Müller, der „Glinder Störche“ ablichtete. Der 24-Jährige Florian beobachtete und zählte im Zuge seiner Biologiestudium-Bachelor-Arbeit die Zugvögel Neuntöter, die Gartenammer Ortolan und die Grauammer. 2015 dokumentierte er auf einem Acker das Aufwachsen junger Rohrweihen. Nachdem er die seltenen Greifvögel mitten im Getreidefeld entdeckt hatte, machte der Landwirt einen Bogen um das Gelege, bis die Tiere weg waren.