Barby l Was viele Menschen im Allgemeinen nicht wissen: Zur Reha-Klinik Barby gehören neben dem Schlosspark auch Teile des Elbvorlandes mit dem sogenannten Eichelwald an der Kleinen Elbe. Das regelt ein Vertrag, der Mitte der 1990er Jahre mit der Stadt geschlossen wurde.

Am Hohen Werder stehen mehrere Dutzend Rieseneichen, deren Alter auf rund 300 Jahre geschätzt wird. Die Zahl der Bäume hat in den vergangenen 20 Jahren dramatisch abgenommen. Fachleute begründen das nicht zuletzt mit Umwelteinflüssen. Immer wieder brachen bei größeren Stürmen mächtige Äste von den Baumriesen oder sie stürzten sogar komplett um.

Zwei alte Eichen entwurzelt

So war es auch bei einem Unwetter am 23. Juli dieses Jahres. Dabei wurden zwei alte Eichen entwurzelt. „Durch einen bis dato unbekannten Täter wurde im Anschluss das Gelände aufgesucht, die Bäume zersägt und das Holz entwendet“, zitiert Polizeikommissar Bernhard Wessner aus seinem Protokoll. Wie er sagt, habe die Verwaltungschefin der Reha-Einrichtung die gestohlene Holzmenge mit rund 20 Raummeter à 150 Euro beziffert. Der somit entstandene Schaden betrage rund 3000 Euro. „UT muss über entsprechendes Gerät, sowohl für das Zersägen der Bäume - Durchmesser zirka 150 Zentimeter - als auch für den Abtransport verfügen“, zitiert Wessner weiter aus der Strafanzeige. „UT“ steht für „Unbekannter Täter“.

„Wir haben im Juli die Geräusche von Motorkettensägen auf dem Elbwerder gehört“, erinnert sich der Regionalbereichsbeamte. Das Polizei-Büro befindet sich im Schloss, das an den Werder grenzt. „Wir sind damals davon ausgegangen, dass die Stadt Barby die Sturmschäden behebt“, erinnert sich Bernhard Wessner. Erst nach Anzeige durch die Klinik habe man Rücksprache mit dem Barbyer Ordnungsamt gehalten. „Hierbei stellte sich heraus, dass die Stadt Barby, sprich der Bauhof, nichts mit der Tat zu tun hat“, so der Beamte. Eine Befragung von Hundehaltern, welche den Park als Auslaufmöglichkeit für ihre Tiere nutzen, sei bisher ergebnislos verlaufen.

„Aktion“ über mehrere Tage

Betrachtet man den „Tatort“, wird schnell klar: Die Täter müssen über leistungsstarke Kettensägen verfügt haben. Man sieht es an den durchgängigen Schnitten der starken Stämme. Forstfachleute wissen: Wer bis zu 1,50 Meter starke Eichen zersägt, braucht einige Zeit. Deshalb kann man davon ausgehen, dass die „Aktion“ über mehrere Tage verlief. Auch für den Abtransport von 20 Raummetern Holz werden ein Kleintransporter und mindestens zwei Personen zum Einsatz gekommen sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass im „Eichelwald“ Holz abhanden kommt. Bereits 2005 berichtete die Volksstimme über zwei Barbyer, die allerdings nur kleine Mengen mit dem „Klaufix“ holten. Sie hatten sich zuvor eine Genehmigung beim Ordnungsamt eingeholt. Was allerdings nachträglich die Frage aufwirft, warum die Stadt das damals genehmigte und nicht die Reha-Klinik?

Hinweise an das Polizeirevier Barby, Telefon (0151) 74 30 70 94 oder (0151) 74 30 71 29; oder E-Mail: Bernhard.Wessner@polizei.sachsen-anhalt.de