Calbe l Vielleicht hat der Angeklagte einfach nur immer wieder Pech und ist immer zur falschen Zeit am falschen Ort. So wird derzeit wegen einer Messerstecherei in Schönebeck gegen ihn ermittelt. Er soll im September 2019 in der Salzer Straße einen Mann mit einem Messer an der Hüfte verletzt haben. Auch als es im Juni vergangenen Jahres in Schönebeck zu einer Schlägerei auf offener Straße kam, weil eine Frau mit einem Bekannten ein Schwimmbad besucht hatte, war der Angeklagte dabei.

Und jetzt muss sich der Mann auch noch vor Gericht verantworten, weil die Polizei im August 2018 bei einer großangelegten Razzia in der Region knapp 80 Gramm Kokain bei ihm im Auto gefunden hat, was einem Marktwert von etwa 4000 Euro entsprechen würde. Die Drogen sollen demnach zwischen Paketen mit Windeln und Babynahrung versteckt gewesen sein. Die Polizei hatte 13 Gebäude im Salzlandkreis, Magdeburg und Berlin durchsucht.

Doch nach Angaben des Angeklagten war alles ganz anders. Demnach hatte er den Wagen nur von seinem Cousin geliehen, während dieser im Urlaub weilte. Völlig überrascht wurde der Mann nach eigenen Angaben, als Polizei und Zoll im August 2018 sein Café in Calbe wegen des Verdachts der Schwarzarbeit durchsuchte. Das Café an der Schloßstraße führte er gemeinsam mit seinem Cousin. Woher das Kokain kam, das die Polizei bei der Durchsuchung in der Küche gefunden hatte, konnte der Angeklagte vor Gericht allerdings nicht erklären.

Drogen im Kofferaum

Zumindest die Drogen in dem Fahrzeug ordnete die Polizei dem Angeklagten zu, da dieser den Wagen schließlich gefahren ist, wie er den Beamten damals auch freimütig bestätigte. Was sein Verteidiger wiederum als Indiz dafür wertete, dass sein Mandant nichts von den Drogen im Kofferraum wusste. Der Angeklagte sollte das Fahrzeug damals im Auftrag des Cousins zur Reparatur in die Werkstatt fahren. Von den Drogen im Kofferraum wusste der Angeklagte nach eigenen Angaben nichts.

Der Richter versuchte nun erst einmal zu klären, wo der Mann damals denn eigentlich gewohnt hatte. So war er offiziell in Schönebeck in einer Wohnung an der Salzer Straße gemeldet. Nach der Durchsuchung des Wagens durch die Polizei sagte der Mann den Beamten allerdings, dass er in einer Wohnung in Calbe wohnen würde. Dort führte er die Polizisten sogar hin. Allerdings fanden sie nur eine komplett leere Wohnung vor.

Der Richter am Amtsgericht Schönebeck hatte daher eine andere Theorie. Denn unter der Schönebecker Adresse an der Salzer Straße hatte die Polizei bei der Razzia ein großes Drogenversteck ausgehoben. Und so vermutet der Jurist, dass der Angeklagte die Beamten damals möglicherweise von diesem Versteck weglocken wollte und sie deswegen in eine leere Wohnung in Calbe geführt hatte. Allerdings räumte der Richter ein, dass das reine Spekulation sei und dass er dafür keine Beweise habe.

Vom Angeklagten wollte er daher ein Geständnis hören und machte ihm deutlich, dass die Mindeststrafe von einem Jahr nur dann zur Bewährung ausgesetzt werden könne, wenn dafür besondere Umstände wie etwa ein solches Geständnis vorliegen würde. Im Laufe des Verfahrens sollen nun noch weitere Zeugen gehört werden. Der Prozess wird fortgesetzt.

13 Gebäude durchsucht

Bei der Razzia im August 2018 hatten 120 Beamte in Schönebeck, Staßfurt, Calbe Magdeburg und Berlin insgesamt 13 Gebäude nach Drogen durchsucht. Ermittelt wurde wegen des Verdachts des erwerbsmäßigen Handels und Besitzes von Betäubungsmitteln und des Verdachts auf Schwarzarbeit. Demnach standen elf Personen im Alter von 19 und 38 Jahren im Verdacht, aus ihren Gastronomiebetrieben heraus Betäubungsmittel verkauft zu haben. Die Volksstimme berichtete damals auch über den Angeklagten, in dessen Wagen Kokain gefunden wurde. Er war damals vorläufig festgenommen worden.

Schwerpunkt der polizeilichen Ermittlungen war Schönebeck, wo sechs der 13 Objekte durchsucht wurden. Von den insgesamt vier Drogenfunden konnten zwei in Schönebeck erzielt werden, wie die Polizei damals mitteilte. In Magdeburg und Berlin wurden die Beamten hingegen nicht fündig.

Insgesamt konnten die Ermittler rund 350 Gramm Amphetamine, 120 Gramm Kokain, 100 Gramm Ecstasy und 20 Gramm Marihuana sicherstellen. Neben 15 Mitarbeiter des Hauptzollamtes Magdeburg waren auch mehrere Spürhunde im Einsatz.