Schönebeck/Calbe l Donnerstagmittag, 13.57 Uhr: Bewohner eines Mehrfamilienhauses in der Lindenstraße in Schönebeck wählen den Notruf. In einer Wohnung im zweiten Stock des Gebäudes piept ein Rauchmelder. Doch die Bewohner öffnen die Tür nicht. Brennt in der Wohnung ein Feuer? Feuerwehrleute aus Bad Salzelmen, Felgeleben und von der Tischlerstraße sind schnell vor Ort. Zumindest von außen kann kein Feuer festgestellt werden.

Nun wollen die Einsatzkräfte noch auf dem Balkon im zweiten Stock prüfen, ob alles in Ordnung ist. Das Problem: Die Drehleiter, mit der die Feuerwehrleute in luftige Höhen klettern können, ist immer noch defekt. Seit einem Unfall während der Feier zum 145-jährigen Bestehen ist das Feuerwehrauto in der Werkstatt. Bei der Veranstaltung Ende August war das Fahrzeug bei einer Rettungsübung im Bereich der vorderen Hydraulikstütze beschädigt worden. „Die beauftragte Firma hat eine zügige Reparatur innerhalb von zwei Wochen zugesagt“, teilte ein Sprecher der Stadt Schönebeck mit. Der Schaden werde derzeit auf rund 10.000 Euro geschätzt, erklärt die Stadt. In der kommenden Woche soll das Feuerwehrauto wieder in Betrieb genommen werden.

Während das Fahrzeug also repariert wird, bleibt Schönebeck mit seinen rund 35.000 Einwohnern ohne ein eigenes Feuerwehrauto für Einsätze in besonderen Höhen. Grund zur Sorge? Nein, denn durch eine „interkommunale Zusammenarbeit“ soll eine kurzzeitige Einsatzübernahme durch Hubrettungsfahrzeuge (Drehleiter) der Feuerwehr Calbe und der Berufsfeuerwehr Magdeburg gewährleistet werden.

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Vereinbarung mit Gommern

Die ostelbischen Ortsteile Plötzky, Pretzien, Elbenau und Ranies werden indes über das Drehleiter-Fahrzeug der Feuerwehr in Gommern mit abgesichert. Diese Einteilung erfolgte bereits Anfang des Jahres auf Grundlage einer im Januar geschlossenen Vereinbarung.

Der Hintergrund: Laut Brandschutzgesetz darf eine maximale Anfahrtsdauer der Rettungsfahrzeuge von zwölf Minuten zum Einsatzort nicht überschritten werden. Auf die Frage, was passiert, wenn es nun in den Orten gleichzeitig brennt und die Drehleiter benötigt wird, antwortet die Stadt, dass die Mitarbeiter der Kreiseinsatzleitstelle die Notwendigkeit einer Drehleiter im jeweiligen Einsatz-Einzelfall prüfen und festlegen.

In der täglichen Einsatzplanung des Salzlandkreises würden die zur Verfügung stehenden Einsatzfahrzeuge entsprechend berücksichtigt.

Hilfsfrist eingehalten

Und so wird am Donnerstag für den Feuerwehreinsatz an der Lindenstraße auch die Drehleiter aus Calbe angefordert. „Die Kooperation mit den Kameraden aus Calbe klappt ausgezeichnet“, sagt Daniel Schürmann, kommissarischer Stadtwehrleiter von Schönebeck. Überhaupt: „Bei Feuerwehrleuten funktioniert die Zusammenarbeit immer gut.“ Die Drehleiter aus Calbe würde sogar innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfrist von zwölf Minuten in Schönebeck eintreffen. Und das bei einer Entfernung von 13 Kilometern.

An der Lindenstraße können zwei Feuerwehrleute mit Hilfe der Drehleiter auf den Balkon klettern. Mit einer Wärmebildkamera stellen die Einsatzkräfte schließlich fest, dass es in der Wohnung nicht brennt. Menschen halten sich darin offenbar auch nicht auf. Ein Fehlalarm also.

Und so rücken die Feuerwehrleute wieder ab, da sie bereits zum nächsten Einsatz gerufen werden. Dieses Mal fahren sie zu einem Haus in die Blumenstraße in Felgeleben. Die Drehleiter aus Calbe kommt vorsichtshalber mit. Doch auch dort entpuppt sich ein piepender Brandmelder wieder als Fehlalarm. Auch so kann der Alltag von Feuerwehrleuten aussehen.

In der nächsten Woche, so hat es die Stadtverwaltung angekündigt, soll auch die Feuerwehr an der Tischlerstraße ihre Drehleiter wieder erhalten.