Schönebeck l Wenn die Schönebecker am kommenden Sonntag zur Wahl eines neuen Oberbürgermeisters aufgerufen sind, dann ist Bert Knoblauch (CDU) im leichten Vorteil. Er ist nicht nur der bisherige Amtsinhaber und wird offiziell von einer anderen Partei unterstützt, sondern er ist auch beliebt in der Stadt, bürgernah, rhetorisch überzeugend und längst nicht amtsmüde wie sein Vorgänger vor sieben Jahren. Am 11. Oktober stellen sich vier Kandidaten zur Wahl, die unterschiedlicher nicht sein können.

So lohnt ein Blick auf die politische Bühne der Salzstadt, denn das Schauspiel, das sich an der Elbe in den vergangenen Wochen bietet, ist einzigartig. Zunächst ist es die AfD Schönebeck, die für einen Paukenschlag sorgt. Die Stadt-Partei entscheidet sich überraschend für den eher unbekannten Stadtrat Steffen Baumann. Daraufhin tritt der Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Olaf Ziem, der sich in den vergangenen Jahren selbst als Oberbürgermeister-Kandidat aufgebaut hat, aus der AfD aus und verkündet anschließend seine unabhängige Kandidatur.

Beide Kandidaten – Baumann und Ziem – haben etwas gemeinsam: Sie stehen nicht nur zu den Werten der AfD, sondern sie verbindet auch eine gegenseitige persönliche Abneigung. Dass Baumann und Ziem nun gemein- sam auf einem Wahlschein stehen, ist für die AfD der Super-GAU. Der normale AfD-Wähler dürfte hin- und hergerissen sein, wem er die Stimme gibt: Steffen Baumann, dem relativ unbekannten Parteimitglied, oder Olaf Ziem, der ehemaligen Führungsfigur der Partei?

Außenseiterrolle als Stärke

Der vierte in der Runde ist ebenfalls ein Einzelbewerber ohne eine Partei im Hintergrund: Felix Leue. Seine Außenseiterrolle und seine Parteilosigkeit sieht er als Stärke an. Er möchte unabhängig und frei von Parteizwängen sein und sich parteipolitisch auch nicht so richtig einordnen.

Damit steht das Quartett zur Wahl: ein Christdemokrat, ein Mann von der AfD und zwei Einzelbewerber. Verwundert haben sich die Schönebecker bei der Bekanntgabe der Kandidaten die Augen gerieben, denn die etablierten Parteien üben sich in schweigender Zurückhaltung. Vollmundig hat die SPD noch vor Wochen verkündet, gleich zwei geeignete Bewerber am Start zu haben. Doch am Ende verpufft eine Kandidatenkür im sozialdemokratischen Nichts.

Landtag statt Rathaus

Die Grünen winken von Anfang an ab. Ebenso die FDP: Bei den Liberalen kommt vor sieben Jahren der damalige Bewerber Holger Goldschmidt bis in die Stichwahl, unterliegt dann aber denkbar knapp gegen Knoblauch. Goldschmidt hat inzwischen seine Kandidatur für die Landtagswahl im nächsten Jahr bekanntgegeben.

Und die Partei Die Linke? Sie tut ohne Not etwas Einmaliges und hat damit die sozialdemokratischen Genossen politisch geschwächt. Als Bert Knoblauch seine Kandidatur verkündet, melden sich Die Linken umgehend zu Wort, um den CDU-Mann zu unterstützen und eine Wahlempfehlung auszusprechen – ein Novum. Noch bevor die SPD also selbst einen Kandidaten ins Rennen schicken kann und die Hoffnung hat, dass sie wenigstens das linke Lager mit den Stimmen unterstützt, setzen die Roten auf Schwarz.