Schönebeck l Dass Senioren zu den Menschen zählen, die besonders vor Covid-19 geschützt werden müssen, weil die Krankheit bei ihnen mit höherer Wahrscheinlichkeit drastischer verläuft, ist bekannt. Dennoch sind in Schönebeck zwei Wahllokale – für die am Sonntag stattfindende Landratswahl – im unmittelbaren Umfeld von Seniorenresidenzen. Es drängt sich die Frage auf: Warum werden Einrichtungen wie der Burghof oder die Wohnresidenz Thimannstift während der Pandemie als Wahllokal genutzt?

Schönebecks Stadtsprecher Frank Nahrstedt erklärt: „Bei der Auswahl der Wahllokale muss sichergestellt werden, dass die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme abgeben können. Deshalb sind Wahllokale möglichst nach topografischen Gesichtspunkten zu wählen (unter anderem Größe, Ausstattung, barrierefreier Zugang). So wird den Stimmberechtigten ermöglicht, ohne großen Aufwand ihr Wahllokal zu erreichen.“

Auf Eignung geprüft

Nahrstedt betont aber auch, dass die Einrichtungen vorab von der Stadt noch einmal auf ihre Eignung überprüft worden sind. Dabei habe man auf gesonderte Ein- und Ausgänge, Barrierefreiheit, Kontaktvermeidung mit den Bewohnern sowie dem Wohn- und Pflegepersonal ebenso geachtet wie auf die Einhaltung des Hygieneplanes.

Weiterhin setzt die Stadt auf die im Oktober bereits bewährten Hygiene-Maßnahmen. „Das Wahllokal ist ausschließlich mit Mund-Nasen-Schutz zu betreten. Sollte keiner zur Hand sein, wird dieser von der Stadt zur Verfügung gestellt, ebenso wie Desinfektionsmittel für die Hände sowie die Kugelschreiber“, zählt der Stadtsprecher auf.

Spuckschutz sorgt für Sicherheit

Darüber hinaus sorgt im Bereich der Identitätsfeststellung, wo das Wählerverzeichnis geführt wird, ein Spuckschutz für mehr Sicherheit. In der Wahlkabine selbst könne jeder Wähler die Pultfläche desinfizieren, die Mitarbeiter im Wahlbüro reinigen die Flächen ebenfalls, so Nahrstedt.

Annett Lazay, Vorsteherin bei Diakonieverein Burghof, erklärt, dass kein größeres Risiko für Bewohner oder Personal beim Burghof besteht. „Es wird zu keinen Kontakt zwischen den Wählern und den Bewohnern oder Mitarbeitern kommen. Die Menschen die zur Wahl kommen, gehen ja nicht in die Einrichtung, sondern in die Burgkapelle hinter der Verwaltung“, sagt Lazay. Zudem würde streng auf die Hygiene- und Abstandsvorgaben geachtet. „Die politischen Abläufe müssen ja auch weitergehen, und wenn es gewissenhaft umgesetzt wird, wovon ich ausgehe, dann sehe ich da auch gar kein Problem.“

Kein erhöhtes Risiko

Auch für die Bewohner des Thimannstift besteht kein erhöhtes Risiko, meint Irina Hartkopf, Leiterin der Caritas-Sozialstation Schönebeck. Die Senioren halten sich in ihren eigenen Wohnungen im ersten und zweiten Stockwerk auf. Das Wahllokal hingegen befindet sich im Aufenthaltsraum im Erdgeschoss. Und da darin ansonsten nichts stattfindet, kommen sich da Bewohner und Wähler auch nicht „in die Quere“.

Ähnlich sieht das Sigrid Beitler, Geschäftsführerin der Städtische Wohnungsbau GmbH Schönebeck (SWB), die die altersgerechten Wohnungen an die Caritas vermieten. „Selbstverständlich wird alles zur Absicherung der Bewohner vor Ansteckung mit Covid-19 getan. So betreten die Wahlberechtigten nicht den offiziellen Zugang zum Gebäude, sondern nutzen den Seiteneingang. Über die Terrasse wird dann das Wahllokal betreten. Ich denke, somit sollte es nicht zu Risiken für die Bewohner kommen.“

Wohl der Bevölkerung

Weiterhin versichert auch Nahrstedt nochmal, dass der Stadt das Wohl der gesamten Bevölkerung, vor allem der älteren Generation, die sich in diesen Einrichtungen befindet, sehr wichtig ist.