Naturschutz

Ungewöhnliche Ponyrasse auf Hecklinger Salzland

Galoppierende Pferde bei Hecklingen? Warum der Naturschutzbund eine Landschaft bei Hecklingen in Besitz genommen hat.

Aktualisiert: 02.08.2022, 12:11
Halbwilde Konik-Pferde, eine  genügsame Pony-Rasse aus  Mittel- und Osteuropa, auf den Wiesen der Hecklinger Salzstellen.
Halbwilde Konik-Pferde, eine genügsame Pony-Rasse aus Mittel- und Osteuropa, auf den Wiesen der Hecklinger Salzstellen. Foto: Theresa Petzold/Primigenius gGmbH

Hecklingen/Köthen (vs) - Vor wenigen Wochen sind elf Konik-Pferde auf den Wiesen an den Hecklinger Salzstellen eingezogen. Ihre Aufgabe ist es, die seltenen Binnensalzstellen zu pflegen und als Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Darüber informierte Christiane Hönicke, Tiermanagerin bei der Primigenius gGmbH in Köthen. Das gemeinnützige Unternehmen ist eine Tochterfirma des dortigen Regionalverbandes des Naturschutzbundes (Nabu).

Am Ortsrand von Hecklingen liegt ein ganz besonderes Stück Natur: Salzhaltiges Grundwasser drückt an die Oberfläche und lässt eine einmalige Vegetation entstehen, wie es sie sonst nur am Meer gibt. Spezialisierte Pflanzen, wie Queller, Sumpfdreizack und Salztäschel kommen mit dem hohen Salzgehalt des Bodens zurecht und bieten zahlreichen Vögeln, Insekten und Schnecken eine Heimat.

Doch wie kommt so viel Salz in die Gegend? Die Salzstelle Hecklingen ist seit dem 16. Jahrhundert für ihr Salzvorkommen bekannt und ist seit 1929 eines der ältesten Naturschutzgebiete im heutigen Sachsen-Anhalt, informierte die Primigenius-Fachfrau Christiane Hönicke. Das Gebiet sei Teil des europaweiten Natura2000-Verbundes und nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt. Die für den Naturschutz äußerst wertvolle Fläche gehört demnach zu großen Teilen der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe, die sich zusammen mit lokalen Behörden und Akteuren um deren Erhalt bemüht.

Neben den seltenen, kleinwüchsigen Pflanzen wachsen jedoch auch konkurrenzstärkere Schilf- und Gräser-Arten im Naturschutzgebiet. Bleibt die schon seit Jahrhunderten währende Nutzung durch Weidevieh aus, ist bald nichts mehr von dem seltenen Lebensraum zu sehen.

In enger Zusammenarbeit mit der Flächeneigentümerin, der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe, sowie der lokalen Naturschutzbehörde sollen nun halbwilde Konik-Ponys der Primigenius gGmbH durch ihren Fraß für das erneute Aufblühen der Salzwiesen sorgen. Die überhandnehmenden Gräser, Schilf und dessen Wurzeln sehen die Ponys als Delikatesse. So bekommen die seltenen Salzwiesenarten eine Chance, weiterhin zu bestehen.

Die Primigenius gGmbH hat nach eigenen Angaben viele Jahre Erfahrung im Einsatz von robusten Tierrassen für die Pflege von Naturschutzgebieten. Eine Beweidung gilt durch den allmählichen Fraß der Tiere als besonders naturverträglich und schafft einen einmaligen Naturraum, so Christiane Hönicke. Durch das Fraßverhalten der Ponys entstehe außerdem ein eng verwebtes Mosaik aus unterschiedlichen Lebensräumen. Offene Bodenstellen, Quellerfluren, niedrige Weiderasen aber auch höhere Altgrasbestände würden eng verzahnt beieinander liegen und die Artenvielfalt erhöhen.

Vorerst werden die Tiere im Bereich der eigentlichen Salzstelle grasen. Weitere Weidestücke sollen je nach Kapazität dazukommen.

Schwarzfalbende Konik-Pferde sind eine genügsame Pony-Rasse aus Mittel- und Osteuropa, vor allem Polen. Auffällig sind ihr Aalstrich und dunkle Beine.

Voraussichtlich fressen die Pferde auf der Hecklinger Salzstelle bis in den späten Herbst und ziehen danach bis zum nächsten Frühjahr in ihr Winterquartier im Wulfener Bruch.