Tangermünde l Wer meint, in Tangermünde würden nur die Nährstange sowie deren „Schwestern“ namens Rolli und Tanolo hergestellt, der irrt. Vor etwa vier Jahren stieg Geschäftsführer Olaf Stehwien in die Pralinenproduktion ein. Die Magdeburger Kugeln werden seitdem hier hergestellt. Vor drei Jahren kam ein weiteres „Kind“ hinzu – die Herstellung von veganen Riegeln. „Die stellen wir in Lohnarbeit her“, erzählte der Geschäftsführer jetzt während eines Termins in seinem Unternehmen.

Das bedeutet, die Rezeptur, die Idee und Verpackung für den veganen Riegel liefern andere. Die Tangermünder „bauen“ aus den Rohstoffen zusammen und verpacken. Geboren wurde diese Lohnarbeit aus dem Zusammentreffen von Olaf Stehwien mit der Münchener Geschäftsführerin von „4Qtrade“, Julia Brodbeck. Deren Unternehmen stellt vegane und biozertifizierte Schokolade her. Die Riegel, die Olaf Stehwien im Bild präsentiert, kommen bereits seit einiger Zeit aus der Tangermünder Produktion. Sie werden als „gesunde Alternative zu Süßigkeiten“ vermarktet, sind auf jeden Fall ein Geschmackserlebnis und mit nichts zu vergleichen, was für gewöhnlich als Süßigkeit vernascht wird.

Weltweiter Vertrieb

„Die hohe Qualität, die gesunden Zutaten, die fair gehandelten Produkte sowie die Philosophie und Ethik, die hinter all dem stecken, überzeugen mich“, machte Olaf Stehwien deutlich. Und nachdem die veganen Riegel im Wechsel mit Nährstange, Tanolo und Rolli vom Tangermünder Produktionsband kamen, dachten die beiden Geschäftsführer über einen weiteren Schritt nach. Das Ergebnis: Vor wenigen Wochen gründeten Julia Brodbeck und Olaf Stehwien eine gemeinsame Firma. Unter deren Namen wird künftig die Produktion aller Produkte von „4Qtrade“ in Tangermünde laufen, die Vermarktung in München passieren. „Die Produkte werden bereits weltweit vertrieben“, erzählte Stehwien. Und damit auch die USA mit eingeschlossen werden können, ist der vegane Riegel „der erste mir auf dem Markt bekannte IFS-zertifizierte Riegel“, betonte Stehwien.

Bilder

Mit der Verlagerung der Produktion von München nach Tangermünde wurde die Erweiterung der Produktionsstätte erforderlich. „Im Herbst 2015 war die Idee entstanden“, berichtete der Tangermünder Unternehmer. Seitdem sei geplant worden. Auch die Investitionsbank Sachsen-Anhalt unterstütze das Vorhaben. Inzwischen ist die Bodenplatte fertig. Mit dem Rohbau kann begonnen werden. Für den Maschinenpark hat Olaf Stehwien bereits seine Auswahl getroffen. Erklärtes Ziel ist es, „im August mit der Produktion zu beginnen, denn im September müssen die Produkte für das Weihnachtsgeschäft ausgeliefert werden“.

Kakaobohnen aus Panama und Co.

In den vergangenen Wochen war der Tangermünder viel im In- und Ausland unterwegs. Auch München gehörte immer wieder zum Ziel seiner Geschäftsreisen. Noch in diesem Sommer wird Stehwien nach Peru, Sri Lanka oder Panama reisen. Von dort bezieht das Münchener Unternehmen die rohen Kakaobohnen, aus denen mittlerweile in Tangermünde die Schokolade hergestellt wird.

Trotz der umfangreichen Produktionserweiterung arbeiten in der Tangermünder Meyerstraße leidlich 18 Mitarbeiter inklusive einiger Aushilfen. „Sicher werden noch einige hinzukommen, doch die Technik übernimmt ohnehin die meiste Arbeit“, machte Stehwien deutlich.

Dass Stehwien mit den neuen Produkten nun auch einen Fuß im veganen Markt hat, macht ihn stolz. „Die Dynamik verblüfft mich. Es macht Spaß. Auch wenn es mit Risiken verbunden ist, sollte man das als Chance ansehen“, sagte er.