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Projektwochen„Denken ohne Geländer“ 2024 im Landkreis Stendal: Das ist geplant

Die Projektwochen von „Denken ohne Geländer“ gehen in die neunte Runde. Mit mehreren Veranstaltungen im Kreis Stendal soll unter anderem über Antisemitismus aufgeklärt werden.

Von Leon Zeitz 29.12.2023, 12:00
Sie gestalten Anfang 2024 die Projektwochen „Denken ohne Geländer“ in Stendal mit (von links): Jürgen Lenski, Martin Hanusch, Katrin Reimer-Gordinskaya, Roman Kupisch und Aud Merkel.
Sie gestalten Anfang 2024 die Projektwochen „Denken ohne Geländer“ in Stendal mit (von links): Jürgen Lenski, Martin Hanusch, Katrin Reimer-Gordinskaya, Roman Kupisch und Aud Merkel. Foto: Leon Zeitz

Stendal - Vorträge, Gespräche, Theaterstücke, Ausstellungen und Lesungen regen in der Woche um den 27. Januar 2023 – den Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus – zum Nachdenken an. Zum neunten Mal finden im Landkreis Stendal die Projektwochen „Denken ohne Geländer“ statt. Vom 18. bis zum 29 . Januar sind verschiedene Veranstaltungen für das Jahr 2024 geplant. Dabei sollen wieder Politik, Kultur und Wissenschaft miteinander verknüpft werden.

Wieder einmal werden die Projekttage von einem aktuellen Ereignis begleitet, was vor Augen führt, wie allgegenwärtig das Thema Antisemitismus in unserer Gesellschaft ist: der Überfall der Terrormiliz Hamas auf Israel im Oktober 2023. „Wir bewegen uns in einem Kontext, der darauf hinweist, wie gewaltvoll Antisemitismus sein kann“, sagt Katrin Reimer-Gordinskaya. Für die Professorin der Hochschule Magdeburg-Stendal spiegelt das den „Geist der Woche“ wider.

Es überrascht nicht, dass Israel in einigen Veranstaltungen aufgegriffen wird. So wird es beispielsweise am 18. Januar ein Gespräch über den 7. Oktober 2023 geben und die Folgen in Israel und Deutschland, was Katrin Reimer-Gordinskaya moderieren wird. „Es ist wichtig, Gesprächsangebote zu machen, um aufzuklären und Israel bezogenem Antisemitismus entgegenzuwirken.“

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Zum ersten Mal beteiligt an den Projekttagen ist Roman Kupisch, Dramaturg am Theater der Altmark. Für ihn ist das Projekt „elektrisierend“ und spannend. „Ich freue mich auf die verschiedenen Beiträge und finde es gut, dass auch kontroverse Themen betrachtet werden“, sagt er. Das Theater der Altmark wird 2024 insgesamt mit drei Veranstaltungen das Programm von „Denken ohne Geländer“ ausfüllen. Darunter zum Beispiel das Theaterstück „Das große Heft“ von Ágota Kristóf.

Schon von Anfang an ist Martin Hanusch von der Landeszentrale für politische Bildung bei „Denken ohne Geländer“ mit dabei. Für ihn ist es wichtig, ein Projekt zu unterstützen, das fest in der Region verankert ist. „Wir arbeiten immer mit verschiedenen Formaten, um möglichst ein breites Publikum anzusprechen und Interessen zu wecken.“ Denn „Denken ohne Geländer“ ist bei weitem nicht nur für Erwachsene gedacht.

2020 gab es knapp 1.300 Besucher, ein Drittel davon war unter 18 Jahren. „Wir hoffen, dass wir daran wieder anknüpfen können“, sagt Projektkoordinatorin Aud Merkel. Sie freut sich, wenn auch das jüngere Publikum die Veranstaltungen besucht. Daher wird es auch in diesem Jahr wieder ein Angebot für Schulklassen geben. „Man sollte nicht versuchen, die Kinder zu erreichen, sondern die Lehrer“, sagt sie. Dann klappe es auch mit dem Interesse bei den Jüngeren.

„Denken ohne Geländer“ - Was, Wann, Wo

Folgende Veranstaltungen sind für „Denken ohne Geländer“ 2024 im Landkreis Stendal geplant.

  • Donnerstag, 18. Januar, um 18 Uhr: Der 7. Oktober und die Folgen in Israel und Deutschland. Gespräch mit Dr. Ofer Waldman, Moderation von Katrin Reimer-Gordinskaya. Online und in der Kleinen Markthalle in Stendal.
  • Freitag, 19. Januar, um 15 Uhr: Das hat es bei uns nicht gegeben. Antisemitismus in der DDR. Ausstellungseröffnung mit Anetta Kahane in der Stadtbibliothek Stendal. Ausstellung kann bis zum 9. Februar besucht werden. 19.30 Uhr: Der Prozess des Hans Litten. Theaterstück von Mark Hayhurst, Gastspiel mit „Pauken & Poeten Theater Magdeburg“ im Theater der Altmark.
  • Samstag, 20. Januar, um 16 Uhr: Dr. Lewi. Filmvorführung und Gespräch zur jüdischen Regionalgeschichte in Bittkau. Dorfgemeinschaftshaus Bittkau.
  • Sonntag, 21. Januar, um 19 Uhr: Ich wand’re durch Theresienstadt. Musikalische Lesung mit Opus45 und Schauspieler Roman Knizka. Katharinenkirche Stendal.
  • Dienstag, 23. Januar, 18 Uhr: Familie Markus und Familie Bernhard. Bild-Vortrag und Buch-Premiere mit Petra Hoffmann. Salzkirche Tangermünde.
  • Mittwoch, 24. Januar, 11.35 Uhr: Uniformität und Pluralität – ein Gegensatz? Präsentation einer Schulprojektarbeit mit Zeitzeuginnenbesuch. Markgraf-Albrecht-Gymnasium Osterburg. 15 bis 17 Uhr: Das Haus in der Auguststraße. Film & Gespräch mit Studierenden der Hochschule Magdeburg-Stendal. 19.30 Uhr: Schwarz-Rot-Koscher. Kabarettabend mit Alexej Boris. TdA.
  • Freitag, 26. Januar, 9 bis 12 Uhr: Anne Frank: (K)ein Thema für Kinder? Fortbildung für Kita-Fachkräfte und Fachschullehrkräfte. Hochschule Campus Stendal. 18 Uhr: Erinnern für Gegenwart und Zukunft. Gedenkveranstaltung mit Vortrag von Carmen Lange und Musik. Rathaussaal Havelberg.
  • Samstag, 27. Januar, 10 Uhr: Zeitzeugen vor Ort. Zeitzeuginnengespräch mit Alodia Witaszek-Napierala und Henriette Kretz. Katharinenkirche Stendal. 19.30 Uhr: Das große Heft. Theaterstück von Ágota Kristóf. TdA.
  • Sonntag, 28. Januar, 11 Uhr: Nachwirkungen. Rundgang Außengelände und Besuch Ausstellung im Dokumentationszentrum. Gedenkstätte Idenschnibbe Gardelegen. 14 Uhr: Auf den Spuren der Täter. Fahrradtour durch Stendal mit der Geschichtswerkstatt. Treffpunkt Uenglinger Tor Stendal.
  • Montag, 29. Januar, 9 und 11 Uhr: Völlig meschugge? Lesung für Kinder der Graphic Novel von Andreas Steinhöfel und Melanie Garanin. TdA. 19 Uhr: Flut und Boden. Lesung und Gespräch mit Per Leo. Cordatussaal am Stendaler Dom St. Nikolaus.

Finanziert wird das Projekt unter anderem von der Altmärkischen Bürgerstiftung der Hansestadt Stendal. Jürgen Lenski von der Stiftung hat für die Wochen „zwei Hüte auf“. Der eine ist inhaltlicher Natur, da sich die Geschichtswerkstatt an drei Veranstaltungen beteiligen wird. Der andere betrifft das Ehrenamt. „Als Träger ist die Bürgerstiftung dieses Mal eher im Hintergrund. Die ganze historische Detailarbeit für die Projekte wird ehrenamtlich geleistet.“