Stendal l Um 17.30 Uhr hätte der Bücherbus in Wischer sein sollen. Dass er etwas später kam, war nicht die Schuld von Peter Bremer, der das literaturbeladene Gefährt seit vielen Jahren sicher durch den Landkreis steuert, und war auch nicht Ulrike Herms vom Osterburger Fahrbücherei-Team anzulasten. Es lag an den Mitgliedern des kreislichen Schul-, Sport- und Kulturausschusses, die um einen Zwischenstopp an ihrem Sitzungsort gebeten hatten. So machte der Bücherbus nicht nur an der Arneburger Straße in Stendal Halt, sondern auch die Türen auf für ein Dutzend Kommunalpolitiker und ihre Gäste, die auf kulturellem und allgemeinbildendem Terrain das vergangene Jahr Revue passieren lassen wollten.

Container auf altem Lkw

Der Bücherbus war nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern ein erstes Aha-Erlebnis für die Ausschussmitglieder. Die meisten von ihnen stiegen zum ersten Mal die vier Stufen hinauf in den auf einen 17 Jahre alten Lkw montierten Container und waren beeindruckt von dem, was sie sahen – und hörten.

Zu sehen gab es einen Raum, schmal, dessen Wände etwa zwei Meter hohe Bücherregale zieren. Jedes Genre, vom Kinderbuch bis zum Roman, Literatur für jedes Alter haben die Mitarbeiter der Fahrbücherei an Bord. Aber nicht nur Gedrucktes. Hörbücher, CDs, DVDs, alles, was an modernen Medien gefragt ist, hat der Bus ebenso zu bieten. 6000 Medien seien es, erfuhren die kommunalen Kulturpolitiker von Anette Bütow, Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg, deren Mannschaft auch den Bücherbus-Verkehr im Landkreis absichert. Und auch zu dem gab es Fakten, die kaum jemandem in der Runde zuvor bewusst waren.

99 Orte werden angesteuert

An 168 Tagen im Jahr ist der Bus auf Achse, fährt auf 13 verschiedenen Routen 99 Orte im Landkreis an. Die längsten Touren mit jeweils rund 200 Kilometern führen in die Havelberger und Tangerhütter Region. Zahlen, die allerdings nichts über den Arbeitsaufwand der insgesamt dreiköpfigen Fahrbibliotheksbesatzung aussagen. Der sei für jede Tour gleich, sagte Peter Bremer. Ein Tourtag beginnt in der Regel um 8.30 Uhr und endet zwischen 19 und 19.30 Uhr.

Viele Episoden hätten den Abend füllen können. Zum Beispiel die über die Kindergartenknirpse – 20 Kitas gehören zu den Bücherbus-Haltestellen –, die so begeistert sind von der Fahrbücherei, dass sie in ihrem Kindergarten „Bücherbus“ spielen. Oder die von den beiden älteren Damen, Schwestern übrigens, die, obwohl sie im selben Dorf wohnen, sich nur im Bücherbus treffen. Alle drei Wochen und seit Jahren regelmäßig.

Sieben Busse beim Treffen

Dass es solche Geschichten auch in Jahren noch zu erzählen geben wird, ist Anette Bütow sicher. Zum einen, weil Landkreis und Land mit Fördermitteln dafür sorgen, dass der Bücherbestand im Bus immer an den Interessen seiner Leser ausgerichtet sein kann. Zum anderen, weil sie die Erfahrung gemacht hat, dass Lesen nicht aus der Mode kommt. Dabei beließ sie es dann auch, denn: Es gab noch einiges Berichtenswertes aus dem Jahr 2016. Zum Beispiel über die ersten Landesliteraturtage in Osterburg – organisiert von der Stadt- und Kreisbibliothek –, mit denen die Biesestadt nun endgültig zur Literaturhauptstadt der Altmark aufgestiegen sein dürfte. 121 Veranstaltungen boten die Landesliteraturtage. 59 in der Einheitsgemeinde Osterburg und 62 in allen anderen Einheits- und Verbandsgemeinden des Kreises. Etwa 5000 Besucher wurden damit erreicht. Veranstaltungen, die heute noch nachwirken, aus denen auch Kontakte zu Autoren erwuchsen, die weiter bestehen.

Eingebettet in die Landesliteraturtage war die Reihe „Literatur und Schule“. Sie bot kreisweit 44 Autorenlesungen in 21 Schulen. Ein weiterer Höhepunkt war das ebenfalls nach Osterburg geholte Fahrbibliothekstreffen. Sieben Busse, vier aus Sachsen-Anhalt, drei aus Niedersachsen und Brandenburg, rahmten den Osterburger Großen Markt ein. In jedem Bus gab es andere Angebote, ein Bühnenprogramm unterhielt die Gäste, von denen die Organisatoren rund 650 zählten.

Fazit eines bewegten und bewegenden altmärkischen Literaturevents, von dem Anette Bütow sagt: „Es hat viel Kraft gekostet, die Landesliteraturtage vorzubereiten, aber es hat sich gelohnt.“