Stendal l Die Eigenmächtigkeit des stellvertretenden Stendaler Landrats, Sebastian Stoll (CDU), am 14. und 15. Januar dieses Jahres in einem sogenannten Testlauf 330 Polizeibeamte gegen das Corona-Virus impfen zu lassen, kostete ihn zwar die Leitung des Impfzentrums, die Diskussion über die Folgen für ihn und den Landkreis ist indes noch nicht abgeebbt. Einen Aspekt vermisst dabei allerdings Achim Weller aus Stendal: den finanziellen.

Der Impfstoff, der den Polizisten im Januar in Stendal verabreicht wurde, sei ja wohl der von Biontech/Pfizer gewesen (ein anderer Impfstoff war zum Zeitpunkt der Impfung im Landkreis Stendal noch gar nicht verfügbar, d. Red.). Dieser Impfstoff koste nach seiner Kenntnis pro Dosis 16 Euro, so Achim Weller am Lesertelefon. Für den Impfstoff von Astrazeneca, der den unter 65-Jährigen jetzt verimpft wird, werde ein weit geringerer Preis angegeben. Dieser preiswertere Impfstoff wäre den Polizeibeamten wahrscheinlich geimpft worden, wenn sie laut der für sie geltenden Priorität an der Reihe sind, vermutet der Leser und macht eine Rechnung auf, die bei den Impfstoffkosten einen erheblichen Differenzbetrag ergibt.

Rechnerisch 6745 Euro Differenz

Die Recherche der Volksstimme-Redaktion zu diesem Thema führte zu einem Artikel, den „Die Welt“ bereits am 18. Dezember 2020 online veröffentlichte. Zitiert wird aus einer Corona-Impfstoff-Preisliste, die von der belgischen Finanzstaatssekretärin „versehentlich“ veröffentlicht worden war. Darin wird der Preis für eine Dosis des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer mit 12 Euro angegeben, für den von Astrazeneca mit 1,78 Euro. Die Differenz zwischen beiden Impfstoffen, hochgerechnet auf zwei Impfungen für die 330 Stendaler Polizeibeamte, liegt demnach bei 6745,20 Euro. „Wer wird für diesen finanziellen Verlust zur Verantwortung gezogen?“, fragt Achim Weller.

Die Redaktion leitete seine Frage an das sachsen-anhaltische Gesundheitsministerium weiter. Laut Pressereferentin Romy Richter werde auf Bitte von Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) derzeit „das Handeln im Landkreis Stendal mit Blick auf die Verimpfung von Impfstoffresten an nicht priorisierte Personen beziehungsweise Personen, die nicht der ersten Gruppe der Impfberechtigten mit höchster Priorität angehören, im Landesverwaltungsamt disziplinarrechtlich und kommunalaufsichtlich geprüft.“

Wann und mit welchem Impfstoff die Polizisten im Land geimpft werden, lasse sich derzeit noch nicht sagen, so Referentin Richter. Richtig sei, dass Erst- und Zweitimpfung mit dem gleichen Impfstoff erfolgen sollten. Die Entscheidung über die Impfungen liege letztlich in der Verantwortung der Impfzentren.

Zur Frage nach den Kosten für den Impfstoff heißt es in der Antwort aus dem Ministerium: „Der Impfstoff wird dem Land vom Bund zur Verfügung gestellt und auch von dort bezahlt.“