Stendal l Seit längerer Zeit schlummerten in der Entwickungsabteilung der Stendaler Firma Zorn Instruments Pläne für ein Asphaltprüfgerät. Für das Stendaler Unternehmen ein logischer Schritt. Mit einem ähnlichen Tester aus eigener Produktion wird weltweit beim Straßenbau die Qualität von Materialien erprobt. Sollte es gelingen, ein Instrument marktfähig zu machen, mit dem auch noch speziell der Asphaltdecke auf den Zahn gefühlt werden kann, wäre dies ein weiterer Meilenstein. Zum Einsatz käme es bei aufwendigen Straßensanierungen. Ein Prototyp war bereits entwickelt, es fehlte jedoch der letzte Schliff. Leichter zu handhaben sollte das Gerät sein, einfach ein bisschen tauglicher für die Praxis.

Da kam die Hochschule Magdeburg-Stendal ins Spiel. „Rückblickend ein absoluter Glücksfall“, sagt Thorsten Hildebrand, Marketing-Chef bei Zorn. Traditionell sind die Drähte eng zwischen Firma und Hochschule. „Sowohl im betriebswirtschaftlichen als auch im technischen Bereich haben wir schon zusammengearbeitet. Mehrere Absolventen haben bei uns ihre Bachelor-Arbeiten geschrieben“, berichtet Thorsten Hildebrand. Im Falle des Asphaltprüfgerätes erinnerte man sich an die guten Erfahrungen und fragte im Sommer 2017 an, ob der Lehrstuhl für Industriedesign Interesse an einer Zusammenarbeit habe. Schnell kristallisierte sich heraus, dass die Kombination perfekt passte.

Beginn im Oktober 2017

Im Oktober 2017 begann das Projekt mit der Maßgabe, den Prototyp zu optimieren. Die Erwartungen der Firma wurden dabei bei weitem übertroffen. „Die Studenten zündeten ein Feuerwerk der Ideen“, erinnert sich Hendrik Nicolai, Teamleiter Konstruktion und Programmierung und die Schnittstelle zwischen Studenten und Firma.

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Sofort habe man gemerkt, dass „es in eine interessante Richtung geht“, so Nicolai. Zwar genügte nicht jeder der insgesamt zwölf Entwürfe den Erwartungen, ein Team machte dennoch ganz besonders auf sich aufmerksam. Die beiden Studenten Claudius Lotz und Daniel Hamann lieferten eine Präsentation ab, die die Verantwortlichen bei Zorn fast restlos begeistert zurückließ. „Sie haben es verstanden, die Sicht des Designers mit der des Fertigungstechnikers beinahe ideal zu verbinden“, gerät Thorsten Hildebrand ins Schwärmen. Mit anderen Worten: Das Messgerät sieht nicht nur gut aus, es ist nun auch prinzipiell auf Baustellen einsetzbar.

Komplizierte Konstruktion

Claudius Lotz und Daniel Hamann bereicherten den Tester nämlich um die Funktion einer Sackkarre. Was sich simpel anhört, ist im Detail etwas komplizierter und geht über den Anbau von zwei Rädern hinaus. Denn damit verbunden ist die Entwicklung einer komplexen Umstecktechnik. Diese ermöglicht, dass der 15 Kilogramm schwere Tester problemlos von einem Ort zum anderen geschoben werden kann.

Für all jene, die dienstlich auf Baustellen unterwegs sind, um den Zustand des Straßenbelags zu testen, eine willkommene Erleichterung. Wer an manchen Tagen bis zu zehn verschiedene Tests vornimmt, werde sich darüber freuen, die Gerätschaft nicht ständig rumtragen zu müssen, weist Thorsten Hildebrand auf einen nicht unwesentlichen Vorteil der Weiterentwicklung hin.

Umso optimistischer ist er, den Tester gut zu vermarkten. Bei der Baumaschinenmesse „Bauma“ in München habe das neue Produkt Anfang April das Interesse vieler Besucher geweckt. Ein Vertreter einer englischen Firma sprach sogar von einem „Game Changer“, also von einem Gerät mit selten da gewesener Qualität. Der Verkauf soll wohl im nächsten Jahr starten.