1. Startseite
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Stendal
  6. >
  7. Mit Tablet und Daisy-Player: Sehbehinderte Stendalerin bekommt ihre Informationen auf die Ohren

Mit Tablet und Daisy-Player Sehbehinderte Stendalerin bekommt ihre Informationen auf die Ohren

Monika Möller hat eine Sehbehinderung. Die Volksstimme zu lesen ist für die Stendalerin sehr mühsam. Welche Möglichkeiten sie nutzt, um das zu erfahren, was sie nicht mit dem Auge erfassen kann.

Von Anna Lisa Oehlmann 21.01.2026, 07:19
Monika Möller hat eine Sehbehinderung. Die Stendalerin ist auf das Hören angewiesen, um an Informationen zu kommen. Die Volksstimme kann sie sich vorlesen lassen, der Daisy-Reader (links) spielt CDs, zum Beispiel Hörbücher oder die Zeitung des Blindenverbands ab.
Monika Möller hat eine Sehbehinderung. Die Stendalerin ist auf das Hören angewiesen, um an Informationen zu kommen. Die Volksstimme kann sie sich vorlesen lassen, der Daisy-Reader (links) spielt CDs, zum Beispiel Hörbücher oder die Zeitung des Blindenverbands ab. Foto: Anna Lisa Oehlmann

Stendal - Monika Möller ist seit ihrer Geburt auf einem Auge blind und kann mit dem anderen nur fünf Prozent sehen. Die kleinen Buchstaben auf der gedruckten Volksstimme kann die Stendalerin mit bloßem Auge nicht erkennen, im Theater und bei einer Stadtführung sieht sie nichts. Mit welchen Mitteln sie an die fehlenden Informationen gelangt.

Lesen Sie auch: Stendal: Wie eine blinde Frau ihren Alltag meistert

Ihre Stendaler Volksstimme hat Monika Möller auf dem Tablet. „Da kann ich die Buchstaben ganz groß ziehen“, sagt die 67-Jährige. Wenn sie den Mini-Computer bis auf zehn Zentimeter vor ihr sehendes Auge hält, erkennt sie die einzelnen Wörter und wischt sie mit dem Finger weiter. Wenn ihr das zu mühsam ist, kann sie sich die Artikel mit einem Druck auf das Kopfhörersymbol auch vorlesen lassen. Bei technischen Problemen hilft ihr Mann.

Lesen Sie auch: Das sind die Möglichkeiten der digitalen Volksstimme

Für gedruckte Schriftstücke und unterwegs hat Monika Möller eine kleine Lupe in der Tasche. „Ich muss das Papier so halten, dass ich genug Licht bekomme“, erzählt sie. Am besten ist die Schrift schwarz auf weiß zu lesen. Ist der Kontrast zu gering, hat sie Schwierigkeiten.

Volksstimme groß auf dem Tablet lesen oder hören

Zu Hause hat sie ein Vergrößerungssystem auf dem Tisch. Unter diese Riesenlupe kann sie das Papier legen, stark vergrößern und durch hin- und herschieben lesen.

Als Sehbehinderter braucht man viel Geduld.

Monika Möller aus Stendal

Ein weiteres Hilfsmittel begleitet sie seit Jahren und erleichtert ihr den Alltag: der Daisy-Player. Mithilfe dieses tragbaren CD-Abspielgeräts hört Monika Möller jeden Monat die Hörzeitung des Blinden- und Sehbehindertenverbands, in den sie vor 52 Jahren eingetreten ist. „Früher gab es die Zeitung auf Kassette“, erinnert sie sich. Da hat sie beide Seiten – je 45 Minuten – gehört. Nach drei Wochen musste sie die Kassette in einer Versandtasche zurückschicken.

Hörzeitung des Blinden- und Gehörlosenverbands auf CD

Heute klickt Monika Möller sich durch 23 Bücher mit allgemeinen Themen und je einem Buch pro Landesverband. Darauf sind sechs bis sieben Stunden Hörmaterial. Die hört sie nicht mehr in Gänze.

Andere besorgen sich die Zeitung online. „Technik ist für mich immer eine Herausforderung“, sagt sie. Zumal die Bedienung des Smartphones ohne Knöpfe schwierig ist.

Ich telefoniere lieber.

Monika Möller, ehemalige Telefonistin der Kreisverwaltung

Der Player hat für sie viele Vorteile. Mit den großen Knöpfen kann die Stendalerin von Kapitel zu Kapitel springen, die Lautstärke, Lesegeschwindigkeit und die Tonqualität einstellen. Oder ein Lesezeichen setzen. Wenn sie „Daisy“ ausschaltet, läuft das Gerät weiter, wo es aufgehört hat. „Es ist wichtig, dass es noch CDs gibt. Sehr, sehr viele Blinde und Sehbehinderte nutzen den Daisy-Player“, sagt Monika Möller. Er ist handlich und kann überall mit hingenommen werden. Zudem hat er einen Anschluss für Kopfhörer, praktisch für unterwegs.

CD und Daisy-Player von Blinden und Gehörlosen viel genutzt

Mithilfe des mobilen Abspielgeräts kann sie auch einen Audio-Spaziergang durch Stendal unternehmen. Dabei werden auf der CD die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt beschrieben, die sie mit den Augen nicht sehen kann.

Wenn sie in der Stadt mit ihrem liebsten Verkehrsmittel, dem Tandem, unterwegs ist, braucht sie einen sehenden Fahrer, einen sogenannten „Piloten“. Monika Möller organisiert für solche Tandem-Gespanne zum Beispiel die „Tour de Altmark“ bei der sie gemeinsam radelnd die Altmark erkunden. „Als ich 2009 das allererste Mal auf einem Tandem saß, war ich Feuer und Flamme“, erinnert sie sich.

Theater in Tangermünde per Live-Audio-Deskription lauschen

Sich zu engagieren, ist der Rentnerin wichtig. Seit vier Jahren leitet sie die Bezirksgruppe Nord. Ein Projekt liegt ihr dabei besonders am Herzen. Sie möchte anderen Blinden- und Sehbehinderten einen Theaterbesuch mit Live-Audio-Deskription ermöglichen. Diese beschreibt in Echtzeit, was auf der Bühne passiert.

Wie wertvoll das ist, hat Monika Möller bei Konzerten von Maite Kelly und Kerstin Ott in Leipzig erlebt. Über Kopfhörer haben ihr die beiden ausgebildeten Sehenden das Bühnengeschehen beschrieben.

Hören ist für uns das Allerwichtigste. Wir hätten das ja nie im Leben gesehen.

Monika Möller, Stendalerin mit Sehbehinderung

TdA-Intendantin Dorotty Szalma sei gleich begeistert von der Idee gewesen, ein Schauspiel mit Live-Audio-Deskription zu ermöglichen. Dafür haben sie das Musical Monty Python’s „Spamalot“, basierend auf dem Kultfilm „Die Ritter der Kokosnuss“, ausgesucht. Das wird in diesem Sommer auf der Freilicht-Bühne in Tangermünde aufgeführt.

Der Knackpunkt an der Live-Audio-Deskription: Es kostet etwa 8.000 Euro, wenn die zwei Experten aus Hamburg die schriftliche Vorlage erstellen und damit den Abend vor dem geistigen Auge sichtbar machen. Sie müssen zahlreiche Proben besuchen und das Gesehene in ein Skript verwandeln. „Was die alles tun müssen, ist sehr viel Arbeit“, weiß Monika Möller. Sie hofft, dass ein Großteil der Summe von „Aktion Mensch“ finanziert wird. Denn so viel Geld kann ihr Bezirksverband nicht aufbringen. Möller ist jedoch optimistisch, dass Blinde und Sehbehinderte die Live-Audio-Deskription zum Schauspiel hören können.