Stendal l Unaufhaltsam rollt die Hitzewille auf Stendal zu. Am Mittwoch bringt Hoch „Ulla“ Temperaturen jenseits der 35 Grad. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet die heißeste Woche des Jahres. Während Schüler in anderen Bundesländern durch den Beginn der Sommerferien bereits die pralle Sonne voll und ganz genießen dürfen, müssen sich die Kinder und Jugendlichen in Stendal noch gedulden. Bis zum 4. Juli wird die Schulbank noch gedrückt, ehe es die Zeugnisse gibt. Bis dahin heißt es durchhalten und das Beste aus der Situation zu machen. Glücklicherweise versuchen die Schulleiter und Schulleiterinnen der Hansestadt, ihren Schützlingen die letzten Schultage so angenehm wie möglich zu gestalten.

Spielraum

Das Bildungsministerium lässt den Schulen dabei großen eigenen Spielraum. Theoretisch wäre es sogar möglich, keinerlei Maßnahmen zu ergreifen. Am Winckelmann-Gymnasium hat sich Schulleiterin Anke Bollmann für eine Verkürzung des Unterrichts entschieden. Statt 45 dauern die Schulstunden in dieser Woche nur 30 Minuten. Heißt für die Schüler der 5. bis 8. Klassen, dass spätestens nach der sechsten Stunde um 11.30 Uhr der Hammer fällt. Die Oberstufe muss dagegen länger durchhalten. Dank der Verkürzung ist allerdings für die ältesten Schüler bereits um 13.10 Uhr Freizeit angesagt. Noch besser haben es die 9. und 10. Klassen. Sie befinden sich in dieser Woche auf Klassenfahrt.

Quasi in Sichtweite am Hildebrand-Gymnasium läuft es ganz ähnlich. Die Schulstunden gehen statt 45 genauso nur noch 30 Minuten, die Pausenzeiten wurden ebenfalls angepasst. Außerdem wechseln die Klassen häufiger die Räume. Da sich einige Schüler gerade auf Klassenfahrt befinden, sind einige im Schatten gelegene und damit kältere Räume frei geworden. Dort können die Schulstunden in einem halbwegs erträglicheren Klima stattfinden, heißt es von der Schulleitung.

Die Grenzen des Erträglichen überschreiten die Temperaturen an der Komarow-Sekundarschule im Stadtteil Stadtsee momentan fast täglich. „Mehr als 30 Grad sind besonders in den oberen Stockwerken normal“, sagt der stellvertretende Schulleiter Roland Herms. Im Rest des Gebäudes sehe es nicht viel besser aus. Deshalb habe man entschieden, ab 11 Uhr hitzefrei zu geben. Da sich in der Schülerschaft so gut wie keine Fahrschüler befinden, die auf einen Bus angewiesen sind, um nach Hause zu kommen, sei das kein Problem.

Ähnlich verfährt man an der Sekundarschule Diesterweg. „Um 11.30 schicken wie die Schüler nach Hause“, berichtet Schulleiterin Silvia Mattner. Auf der Schulhofseite knalle die Sonne voll in die Unterrichtsräume. „Da wird es unerträglich heiß“, so Mattner. Zwar könne man die Fenster öffnen, um einen Luftzug zu ermöglichen, dann störe aber der Lärm der viel befahrenen Parkstraße immens. Im Unterschied zur Komarow-Schule wird die Diesterweg-Schule von relativ vielen Fahrschülern besucht. Die werden bis 13 Uhr betreut. Dann fahren nämlich die ersten Busse wieder auf die umliegenden Dörfer.

Rücksichtnahme auf Fahrschüler

Am Beruflichen Gymnasium muss ebenfalls auf die Fahrzeiten der Busse geachtet werden. Deshalb harren die Schüler hier bis zur sechsten Stunde aus. Die siebte und achte Stunde entfallen aber jeweils.

Natürlich betrifft das Problem der Hitze genauso die Grundschulen. Hier spielt die Betreuungssituation jedoch eine andere Rolle. Die Möglichkeit des verkürzten Unterrichts oder eines früheren Schulschlusses ist an der Grundschule Nord ganz klar geregelt, wie Sekretärin Janine Wollburg erklärt: „Grundsätzlich gibt es so was bei uns nicht, da wir hier verlässliche Öffnungszeiten haben.“ Dennoch wird nicht erwartet, dass die Schüler durchgehend in den heißen Klassenräumen bleiben. Auf Entscheidung der Lehrer hin kann der Unterricht auch nach draußen verlegt werden, wo die Schulstunden dann eher für spielerische statt denkintensive Beschäftigungen genutzt werden.

An der Grundschule Petrikirchhof wurde der Unterricht ebenfalls verkürzt, die Schüler können also früher nach Hause. Kältere Räume zum Tauschen wie in anderen Schulen, gibt es in dem alten Gebäude nicht.