Stendal l Kaum jemand, für den er nicht zum Fest gehört: der Weihnachtsbaum. So ist es nicht verwunderlich, dass der Verkauf der Tannen in Stendal dieser Tage ausgesprochen gut läuft.

„Es ist ganz klar Tradition“, sagt Yvonne Gase. Die 40-Jährige sucht sich am Dienstagnachmittag in der Scharnhorststraße ihren Baum aus. „Es gibt nichts Schlimmeres, als den Baum auf den letzten Drücker zu kaufen“, begründet sie die von ihr bevorzugte frühzeitige Variante. Ins Wohnzimmer kommt die Tanne dennoch erst am 23. Dezember. Nachdem ihr Mann den Baum aufgestellt und die Lichterkette angebracht haben wird, schmückt sie ihn zusammen mit ihrem sechsjährigen Sohn, sagt Yvonne Gase.

Ein künstlicher Baum? Keine Option. Der Duft der Nadeln und Harz gehört zu Weihnachten. Hinzu kommt, dass jeder Weihnachtsbaum anders gewachsen ist, dadurch auch anders geschmückt werden will und wird. Auch das macht das Fest zu einem ganz individuellen, familiären.

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Tannen kommen aus Dänemark

In diesem Jahr kommt der Baum von Familie Gase aus Dänemark, gekauft in Stendal am Stand von Daniel Welz, der für seinen Freund, Inhaber des „Blumenhaus Callund Rosa“, zum Weihnachtsbaumverkäufer wird und weiß: „Ende November wurden die Bäume geschlagen.“ Seit dem 4. Dezember verkauft der 29-Jährige sie und kann über Mangel an Nachfrage nicht klagen.

Natürlich gebe es auch mal schlechtere Tage. Wenn es regnet, zum Beispiel. Aber das steckt Welz weg. Die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr habe ihn gelehrt, dass auch kurz vor Weihnachten noch viele Bäume gekauft werden. Darauf sei er eingestellt und gut vorbereitet, sagt der Stendaler.

Auch André Stallbaum vom „Stendaler Scheunenladen“ kalkuliert zeitnahe Käufe vorm Fest ein. Gerade wegen des harten Lockdowns kann sich der 31-Jährige Landwirt vorstellen, dass viele Familien den Weihnachtsbaumkauf für einen Ausflug nutzen werden, bei dem sie das gute Stück nicht nur aussuchen, sondern auch selbst schlagen möchten. Bei den Stallbaums könnnen sie das.

Hofeigene Plantage

Das Familienunternehmen baut Tannenbäume in der hofeigenen Plantage an. Bürger, die ihren Baum nicht selbst fällen wollen, können sich aber auch einen bereits geschlagenen aussuchen. „Die sind nicht älter als eine Woche“, versichert André Stallbaum.

Frisch gefällte Weihnachtsbäume aus einer Schonung in Tangermünde bietet Thomas Borchert an. Er verkauft die Tannen hinter der „Blumentanke“, die seiner Frau gehört. Wenn Borchert Nachschub benötigt, ruft er Mitarbeiter der Schonung an und die liefern ihm kurzfristig neue Bäume. „Dadurch sind viele nicht älter als zwei Tage“, weiß der Verkäufer.

Auch er ist für den eventuellen, nochmaligen Andrang kurz vor dem Fest gerüstet. Es gebe viele Kunden, die auf ein Schnäppchen am Heiligabend hoffen, sagt er mit einem Lächeln. Diese Überlegung sei nicht abwegig, denn Borchert möchte schließlich auch die letzten Christbäume an den Mann beziehungsweise die Frau bringen – wird er auch, erfahrungsgemäß.

Corona bringt keine Preis-Steigerung

So individuell wie die Käufer, sind auch deren Vorstellungen, ihren Weihnachtsbaum betreffend. Vom „Omi-Baum“, der einen Meter hoch ist, bis zur Tanne, die mit 2,50 Meter und entsprechendem Umfang zum Prachtstück in der Weihnachtsstube wird, sei alles im Angebot, versichert Thomas Borchert. Und der Preis? Er richtet sich nach der Größe des Wunschbaums. In Stendal gibt es ihn ab 15 Euro. Das Gerücht, dass sich die Preise wegen der Corona-Pandemie erhöht hätten, verneinen die drei Männer.