Stendal l Es ist das Tagesgeschäft, das seine Anwesenheit in der Geschäftsstelle des Innovations- und Gründerzentrums (IGZ) in Stendal erfordert. Obwohl Thomas Barniske nicht mehr der Geschäftsführer der IGZ BIC Altmark GmbH ist. Mit 65 Jahren und acht Monaten hat er sein offizielles Renteneintrittsalter zum Jahresende erreicht. „Und somit ist nun Schluss“, sagt Barniske und schmunzelt. Aus gutem Grund.

Bis zum 31. Dezember 2020 wird er den neuen Geschäftsführer, Sebastian Stoll, noch unterstützen. Wie die Volksstimme berichtete, hat der Christdemokrat Stoll, der 2. Beigeordneter des Landrats ist, im Nebenjob die Geschäftsführung zum 1. Januar übernommen. In Abstimmung mit der Gesellschafterversammlung soll vertraglich geregelt sein, dass der Ruheständler Barniske in der Woche 20 Stunden weiter im BIC tätig ist.

Ob die Stunden reichen, bei der Fülle an Aufgaben? Barniske zögert und sagt: „Ich bin kein Mensch, der auf die Uhr schaut.“ Vielmehr gehe es ihm darum, dass keine Lücke entsteht. Bei seinen Erfahrungen und seinem über die Kreisgrenzen weit verzweigten Netzwerk mit Sicherheit ein kluger Deal, den vier Mitarbeitern im BIC weiter zur Seite zu stehen. Im Vorzimmer von Barniske ist man auf jeden Fall erfreut. „Ohne ihn, undenkbar“, heißt es gegenüber der Volksstimme.

Seit 2003 Geschäftsführer im BIC

Seit der Wende ist Thomas Barniske mit der Wirtschaftsförderung beschäftigt. Zuerst in der Stadtverwaltung Stendal. Dorthin wechselte der Ingenieur für Informationsverarbeitung, wie der Studiengang an der Dresdner Hochschule damals hieß. Wie zahlreiche Arbeitgeber wurde auch sein DDR-Betrieb - Geologische Erkundungen - mit der Wiedervereinigung abgewickelt. „Vieles wurde damals kaputt gemacht“, erinnert er sich.

Der gebürtige Stendaler und vierfache Familienvater stellte sich den Herausforderungen in der Bundesrepublik, zunächst im Rathaus der Hansestadt, bevor er zum 1. Juli 2003 die Leitung der BIC-Geschäftsführung und Nachfolge von Prof. Hans-Jürgen Kaschade antrat. Gut zwei Jahre hatte er bereits auf sogenannter Abordnungsbasis im BIC gearbeitet.

Übrigens steht BIC für Business & Innovation Centre. Der englische Name sei zur Gründung 1992 erforderlich gewesen, um für den Aufbau des Gründerzentrums Fördergeld von der Europäischen Union zu erhalten, erklärt Barniske. Zwar seien Förderung und Verbindlichkeiten längst ausgelaufen, zudem das BIC Stendal aus dem EU-weiten Verbund ausgetreten, doch wurde der Name beibehalten. „Er hat sich einfach gut eingeprägt“, begründet Thomas Barniske.

Service für Existenzgründer

Das BIC, das seit 1994 seinen Firmensitz im Technologiepark der Hansestadt in zwei ehemaligen Speichergebäuden aus dem 1930er Jahren hat, versteht sich als kompetenter regionaler Partner und bietet ein breites Leistungsspektrum in unterschiedlichen Bereichen an. Allen voran die Beratung und Betreuung von Existenzgründern. „Jährlich sind es etwa 50, zunehmend Freiberufler, die sich als Logopäde, Physiotherapeut, Architekt, im Handel oder auch im Handwerk selbstständig machen“, sagt Barniske. Im Vorjahr seien es bis November 46 Frauen und Männer gewesen, darunter acht Firmenübernahmen. Dahinter würden ein Finanzvolumen von etwa einer Million Euro und 74 Arbeitsplätzen stehen.

Für Barniske sei es eine „äußerst gute“ Entscheidung gewesen, die Personalstelle für die Existenzgründerbetreuung nach dem Auslauf als Förderprojekt vom BIC zu übernehmen. „Da bin ich den Gesellschaftern wie Stadt und Landkreis Stendal sowie Förderkreis unserer Hochschule sehr dankbar.“ Andere Landkreise hätten auf die Übernahme der Kosten und somit auf das Angebot von sogenannten Ego-Piloten verzichtet „und beneiden uns heute“, weiß Barniske durch sein Engagement in einer landesweiten Existenzgründer-Initiative.

Diese hat er mit Vertretern in Merseburg und Wernigerode aus der Taufe gehoben, mit dem Ziel, Ansprechpartner zu sein - für das Land, „das nach wie vor erfreulich viel Geld für die Unterstützung von Gründerinitiativen zur Verfügung stellt“, und für die Träger, die das BIC bei Fort- und Weiterbildungen unterstützen. Für Letztere sei der bürokratische Aufwand, um die Qualifizierungen zu übernehmen, enorm gestiegen. Da sei es gut, kompetente Partner im BIC zu haben“, sagt Barniske und zielt mit dem Lob auf die dafür zuständige Mitarbeiterin Sabine Falk.

Immobilienplattform

Ein weiterer Schwerpunkt für Barniske war und bleibt die Vermietung der beiden Firmengebäude. Viel Platz sei nicht mehr, zumal einige der derzeit 40 Mieter signalisiert hätten, sich erweitern zu wollen. „Deshalb ist es gar nicht schlecht, einen Puffer zu haben“, schätzt der Teilzeit-Chef ein. Zu den Mietern gehören junge Unternehmen wie Softwareentwickler, innovative Ingenieurbüros, aber auch die Stadt- und Kreisverwaltung.

Während das BIC gut ausgelastet ist, gebe es kreisweit zahlreiche Industriebrachen und leerstehende Objekte. „Diese über eine Immobilienplattform zu vermarkten, bieten wir den Kommunen an“, nennt Barniske ein weiteres Betätigungsfeld. Zudem können gemeinsam mit Eigentümern Konzepte entwickelt werden, um eine neue Nutzung zu finden. An der gemeinsamen Ininitiative mit dem Titel „Luxus der Leere“ nehmen sieben Städte und Gemeinden in der Altmark teil. „Es könnten sicher mehr sein.“

Imagekampagne

Das gelte auch für andere Initiativen. Deshalb sei die Vermarktung der Altmark als Ganzes ein großes Thema . In dieser Hinsicht wünsche er sich mehr Gemeinsamkeit. Damit mehr Menschen hier bleiben, hier wohnen und arbeiten und in die Altmark zurückkehren. „Die Altmark ist viel zu klein, um sich durch unterschiedliche Interessenslagen aufzuspalten.“ Thomas Barniske hofft, dass die Imagekampagne „Die Altmark – Grüne Wiese mit Zukunft“, die das BIC unterstützt, Früchte trägt und die Neuausrichtung des Altmärkischen Tourismusverbandes der Entwicklung der Region zugute kommt.

Worauf er sich in seinem Unruhestand freue, das ist der Wettstreit „Jugend forscht“. Seit 2008 ist das BIC Patenunternehmen für den Regionalausscheid, der in diesem Jahr am 27. Februar in der Katharinenkirche in Stendal zum 13. Mal stattfindet. Und worauf privat? „Auf ausgedehnte Fahrradtouren mit meiner Frau - natürlich in der Altmark, auf die Schiri-Einsätze bei den Altherrenfußballern von Post und die Weltmeisterschaft im Segelfliege.“ Zumal sein Sohn als sportlicher Leiter mit dabei ist.