Manöver

Die Bundeswehr übt im Sülzetal für den Ernstfall

Die Bundeswehr fährt in Langenweddingen das ganz große Besteck auf. Warum, das erklärt Generalleutnant Martin Schelleis.

Von Udo Mechenich 11.05.2022, 22:24
Mit dem Containerstapler Orion, 50 Tonnen schwer, verladen die Soldaten im Rahmen der Übung „Robuste Basis“ in Osterweddingen im Gewerbegebiet Container auf einen Scania-Lkw mit Containertransportraum.
Mit dem Containerstapler Orion, 50 Tonnen schwer, verladen die Soldaten im Rahmen der Übung „Robuste Basis“ in Osterweddingen im Gewerbegebiet Container auf einen Scania-Lkw mit Containertransportraum. Foto: Udo Mechenich

Langenweddingen - 1000 PS. 18 Liter Hubraum. Das sind die Daten des Motors der Panzerhaubitze 2000. Hauptfeldwebel Richard Lampe und seine Kameraden haben ihn in acht Stunden ausgebaut und überprüfen nun die Kabelstränge.

Bei der Power muss jeder Stecker sitzen, darf es keinen Kabelbruch geben. „Für mögliche Schadensfeststellungen mussten wir den Motor ausbauen und überprüfen“, sagte Lampe, Gruppenführer in der Kompanie „Panzerhaubitzen-Instandsetzung“ beim Logistikbataillon 171 aus Burg.

Der Hauptfeldwebel und seine beiden Kameraden gehören zu dem Manöver „Robuste Basis/Wettiner Heide“, das aktuell im Norden Sachsen-Anhalts läuft. Die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ führt die Übung „Wettiner Heide“ auf dem Truppenübungsplatz Klietz durch. Während der Übung wird die Versorgung dieses Gefechtsverbandes durch das Logistikbataillon 171 „Sachsen-Anhalt“ aus Burg trainiert. Die logistische Basis des Bataillons steht hierbei in Langenweddingen und Osterweddingen.

Die Bewegung der Truppe muss geübt werden

„Die Logistik darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Bei der künftigen Nato Response Force 2022-2024 stellt die Bundeswehr ein Drittel der Kräfte. Diese Kameraden müssen versorgt werden. Hier ist die Maßgabe, dass wir in bis zu sieben Tagen einsatzbereit sind. Um das zu leisten, sind solche Übungen unverzichtbar“, betonte Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis, beim Besuch der Übung. „Der Krieg in der Ukraine verschärft das Ganze. Er führt uns vor Augen, wie hoch die Notwendigkeit ist, die Bewegung der Truppe zu üben.“

Der Kommandeur des Logistikbataillons 171, Fregattenkapitän Michael Hinz, verdeutlichte dies mit einem Blick zurück: „Bis 2020 waren wir in Afghanistan im Einsatz. Unsere Erlebniswelt war eine andere. Nun fangen wir bei Null an. Jetzt müssen wir bis zum Start der Nato Response Force unsere Einsatzfähigkeit unter Beweis stellen. Genau dafür sind Übungen wie hier im Sülzetal die Maßskala. Ohne uns kommt vorne nichts an.“

Stabsunteroffizier Marvin Wingramm überprüfte als Kfz-Mechatroniker beim Besuchstag gerade den Ölstand bei einem Spähwagen Fennek. „Nur mit solchen Übungen gewinnen wir die nötige Routine bei der feldmäßigen Instandsetzung. Nur hier können wir tatsächlich zeigen, wie leistungsfähig die Logistik ist. Wir haben dazu die bestmögliche Ausrüstung.“

Anerkennung der Hilfeleistungen

Nach den Beobachtungen von Oberstleutnant Thomas Poloczek, Pressesprecher im Landeskommando von Sachsen-Anhalt, ist das Ansehen der Truppe in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Das habe mit einer Vielzahl von Hilfseinsätzen zu tun.

„2013 unser Hochwassereinsatz. Unsere Hilfe im Harz beim Kampf gegen den Borkenkäfer. Und auch unsere Unterstützung bei der Corona-Pandemie werden anerkannt“, sagte Poloczek. Hier sei die Bundeswehr überall sichtbar gewesen. Das habe die Anerkennung weiter nach vorne gebracht.

Der Vorsitzende des Sülzetaler Gemeinderats, Norbert Dregger, begrüßte es, dass „die Bundeswehr als Bürgerarmee innerhalb unserer Demokratie auch Manöver fährt. So hat sie Kontakt zu den Dörfern, in diesem Fall zu Langenweddingen. Ich stehe zu 100 Prozent hinter dieser Kooperation. Die Soldaten der Bundeswehr sind Bürger in Uniform, die für uns im Notfall die Demokratie verteidigen. Aber auch in Not- und Katastrophenfällen sind sie für uns da. Von daher sollte jedem klar sein, dass solch eine Kooperation nur positiv zu bewerten ist.“

In einer Tankstraße erhält ein Geschützes-Berge-Kran-Fahrzeug neuen Sprit. Mit ihm kann jedes Radfahrzeug der Bundeswehr abgeschleppt werden.
In einer Tankstraße erhält ein Geschützes-Berge-Kran-Fahrzeug neuen Sprit. Mit ihm kann jedes Radfahrzeug der Bundeswehr abgeschleppt werden.
Foto: Udo Mechenich
Kommandeur des Logistikregiments 1, Roland Bögel,  Inspekteur Martin Schelleis,  Kommandeur des Logistikbataillons 171, Michael Hinz (v.l.).
Kommandeur des Logistikregiments 1, Roland Bögel, Inspekteur Martin Schelleis, Kommandeur des Logistikbataillons 171, Michael Hinz (v.l.).
Foto: Udo Mechenich