Wernigerode l Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Stadt: Hasseröder wird nicht verkauft, der Mutterkonzern will nun doch an der Harzer Traditionsmarke festhalten und auch den Brauereibetrieb in Wernigerode behalten.

Im Sommer 2017 hatte der weltweite Bierriese Anheuser-Busch InBev entschieden, Hasseröder zu verkaufen. Die Marke passte nicht mehr zur Strategie, hieß es damals. Im Sommer 2018 platzte dann der angestrebte Verkauf von Hasseröder an den Finanzinvestor Daniel Deistler, Chef der Beteiligungsfirma CK Corporate Finance. Seither herrschte unter der mehr als 200 Mitarbeiter starken Belegschaft die Ungewissheit, was aus dem Standort im Harz und den Arbeitsplätzen wird.

So wurde der Sinneswandel des Konzers mit Freude aufgenommen. InBev habe die Strategie für sein Deutschlandgeschäft neu ausgerichtet. Das Unternehmen habe sich entschieden, Hasseröder und auch die zum Verkauf gestandene Marke Diebels sowie die zugehörigen Brauereien in Wernigerode und Issum nicht zu verkaufen. „Unsere Strategie für Deutschland hat sich weiterentwickelt. Daher werden Hasseröder und Diebels in Zukunft eine neu definierte Rolle in unserem Portfolio spielen“, ließ Deutschland-Chef Florian Weins über die Pressestelle des Konzerns mitteilen.

InBev will Nummer eins in Deutschland werden

Die Mitarbeiter der Früh- und Spätschicht wurde darüber in Wernigerode am Mittwoch informiert. Auf beiden Betriebsversammlungen war nach Volksstimme-Informationen von einem „Traum“ die Rede, der gemeinsam mit einem neuen Management-Team bei InBev-Deutschland und den Brauereibetrieben verwirklicht werden soll. InBev wolle mit seinen Marken die Nummer eins in Deutschland werden.

Ein Versprechen, dass bei Hasseröder allgemein sehr positiv aufgenommen wurde. Angaben, wie die Herausforderungen umgesetzt werden sollen, machte die Konzernleitung nicht. „Wichtig war uns aber, dass wir überhaupt wissen, wie es nun weitergeht“, sagte Thorsten Schuster, Betriebsratsvorsitzender bei Hasseröder, gegenüber der Volksstimme. So hielt InBev zumindest Wort, als für das erste Quartal dieses Jahres eine Entscheidung zu den Verkaufsabsichten angekündigt war. „Zugesagt wurde uns, dass mit keinen personellen Konsequenzen zu rechnen ist und endlich die Ungewissheit ein Ende hat. Sicher sind wir nun auf die nächsten Schritte der Konzernleitung sehr gespannt“, sagt Schuster, der überzeugt sei, dass Hasseröder noch „durchaus Potenzial nach oben hat“.

Der Brauereibetrieb arbeite effizient. Deshalb sei Hasseröder mit verkauften 1,7 Millionen Hektolitern pro Jahr immer noch eine Top-Marke in Ostdeutschland. „Und das, ohne in Werbung investiert zu haben“, fügt der Betriebsratschef hinzu. Er verstehe den Sinneswandel des Konzerns als einen wichtigen Impuls. „Nun erwarten wir Ideen und konkrete Taten.“

Hoffnung iin Wernigerodes Rathaus

Hoffnung verbindet Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) mit der „positiven Nachricht“ von InBev. „Es sollte endlich wieder in die Marke Hasseröder investiert werden“, sagt Gaffert. Dass sich das lohnt, zeige die große Verbundenheit von Hasseröder in der Harzregion, ob im Sport oder in der Kultur.

Seit Jahren kooperiere die Stadtverwaltung mit der Bierbrauerei erfolgreich, führt der Oberbürgermeister weiter aus. So können zahlreiche Feste und Veranstaltungen für Bürger der Stadt und Touristen ausgetragen werden. „Es wäre schön, wenn sich nun eine Zusammenarbeit mit der Konzernleitung entwickelt“, sagt Gaffert.

Aus persönlicher und vor allem wirtschaftlicher Sicht begrüßt Minister Armin Willingmann (SPD) die „Rolle rückwärts“ bei InBev. Zum einem trinke er als einer, der in Wernigerode zu Hause ist, gern ein Hasseröder, zum anderen sei es für ihn als Wirtschaftminister ein wichtiges Signal für den Erhalt des Standorts und der Arbeitsplätze. Er freue sich zudem, dass mit der Absage des Verkaufsprozesses für die Mitarbeiter „eine schwierige Zeit der Unsicherheit“ ende.

Gleichzeitig spricht auch Willingmann von der Hoffnung, dass InBev der Ankündigung, „jetzt umgehend und kraftvoll Taten folgen lässt.“ Hasseröder sei eine beliebte Traditionsmarke sowie ein wichtiges und identitätsstiftendes Unternehmen für Sachsen-Anhalt – und noch immer auch jenseits der Landesgrenzen bekannt. „Daran lässt sich anknüpfen.“

Hier der Kommentar "Hoffentlich nicht nur Schaum" zum Thema.