Ilsenburg l Bevor Fragen aufkommen: Ja, das Brautpaar hat in diesen Tagen beruflich Wichtiges zu tun. Und trotzdem haben sie am vergangenen Freitag geheiratet – Ilsenburgs Bürgermeister Denis Loeffke (CDU) und seine Sibylle, nun ebenfalls Loeffke mit neuem Familiennamen. Ganz für sich allein und unter Ausschluss der Öffentlichkeit haben sie zur gemeinsamen Zukunft Ja gesagt.

Hochzeitstermin schon lange geplant

Geplant war die Zeremonie schon seit Längerem, wie der Ilsenburger Standesbeamte Henri Fischer auf Nachfrage erzählte. Auch das Kloster Ilsenburg als Trauungsstätte stand schon lange fest. Allerdings habe sich das Brautpaar wahrlich bessere Umstände für diesen Schritt gewünscht. „Wir hatten sowohl die Trauung als auch alles weitere danach gut vorbereitet und entsprechend Urlaub geplant. Nach der Trauung im kleinen Kreis sollte es im Schlosscafé Mittagessen und Kaffeetafel geben. Danach hätten wir uns die zuvor gepackten Koffer geschnappt und wären in Richtung Frankfurt/Main gefahren. Von dort aus sollte am Sonnabendmorgen die Hochzeitsreise nach New York starten. Doch Anfang März begann das Corona-Chaos“, sagte Loeffke am Montag.

Corona-Pandemie macht Pläne zunichte

Die geplanten Flitterwochen für das Ehepaar Loeffke waren dahin. Kurzfristig sollte Ersatz für New York her, und ein verlängertes Wochenende in Binz auf Rügen rückte in den Fokus des Paares. Doch dann schlossen auch in Deutschland die Hotels, und die Binz-Pläne waren erledigt.

„Wir waren sehr traurig, wollten aber dennoch am geplanten Trautermin festhalten. Ein Virus sollte nicht auch noch über unseren Hochzeitstermin entscheiden, und so haben wir uns das Ja-Wort gegeben“, sagte Denis Loeffke. Henri Fischer als derzeit einziger verbliebener Standesbeamter der Stadt Ilsenburg traute die beiden. Die Zeremonie, an der nur der Standesbeamte und das Brautpaar teilnahmen, war nach etwa einer halben Stunde vorbei. „Wir wollten ohnehin im kleinen Kreis heiraten, doch wegen der am Freitag noch geltenden Bestimmungen waren wir dann mit dem Standesbeamten ganz allein“, sagte Sibylle Loeffke angesichts der fehlenden Verwandtschaft bei der Zeremonie. Nach der Trauung schoss ein Fotograf noch ein paar Erinnerungsbilder. In einem Ilsenburger Hotel fand das Essen zu zweit statt.

Heirat im kleinen Kreis vorgesehen

Dann tauschte das Paar die Hochzeitskleidung wieder gegen die Alltagskleidung. Denis Loeffke begab sich, nun mit Ehering am Finger, an seinen Rechner, checkte die aktuellen Neuigkeiten zur Corona-Krise und schrieb den täglichen Newsletter für die Bürger der Stadt. Und wer sich am Wochenende gefragt hat, warum die Freitags-Informationen nicht wie gewohnt um 16 Uhr, sondern erst um 17 Uhr im Netz erschienen - der kennt nun den Grund der zeitlichen Abweichung.

Auch für einen frisch vermählten Bürgermeister und seine Frau gibt es keine Ausnahmen von Notstandsregelungen. Daher bestand die „Hochzeitsreise“ am Wochenende für das Ehepaar Loeffke aus einer Wanderung durch den Drübecker Gemeindewald zum Ilsestein. Nach der Rückkehr folgte für Denis Loeffke wieder die alltägliche Internet-Information an die Bürger - pünktlich um 16 Uhr.

Feier und Hochzeitsreise zu späterem Zeitpunk

Den geplanten Urlaub hat Denis Loeffke abgesagt. Zur Zeit gebe es dringendere Probleme. Der Bürgermeister ist als Krisenmanager in seiner Stadt gefragt, und auch seine Ehefrau, die seit einigen Jahren das Johanniterhaus Bethanien in Oschersleben, ein Altenheim der Johanniter Seniorenhäuser GmbH, leitet, wird vorzeitig wieder die Arbeit aufnehmen. Auch in ihrem Heim gibt es in der Arbeit mit den am meisten gefährdeten Menschen viel zu tun.

„Wir werden die Familienfeier nachholen und uns sicherlich zu gegebener Zeit Gedanken auch über eine neue Hochzeitsreise machen. Jetzt sind wir aber erst einmal an unseren Arbeitsstellen gefragt“, sagte Sibylle Loeffke.