Hasselfelde l Als Hans-Heinrich Haase-Fricke, Vorstandssprecher der Harzer Volksbank, die Volksstimme am Donnerstag in den Hauptsitz in Wernigerode geladen hat, war bereits klar: Gute Nachrichten hat er nicht zu verkünden. Die letzte Einladung zum Vier-Augen-Gespräch lag gut drei Jahre zurück. Damals hatte er bekannt gegeben, dass die Bank zwölf der damals 25 Filialen schließen müsse. Das kostete 41 Mitarbeiter den Job, wobei zehn von ihnen aufgrund der nahenden Rente oder befristeter Verträge sowieso gegangen wären. Dieses Mal sei es nicht ganz so verheerend, gesteht er.

„Wir werden fünf unserer 14 Filialen zum 1. März dieses Jahres schließen“, verkündet Haase-Fricke. Das habe der Aufsichtsrat am Mittwochabend beschlossen. Betroffen seien die niedersächsischen Niederlassungen in Harlingerode und Schlewecke, die bereits im Wechsel von dem selben Beraterteam betreut werden, sowie die Filialen in Ballenstedt, Harzgerode und Hasselfelde. Die neun Mitarbeiter bleiben im Unternehmen.

Online-Banking gefragt

„Unsere Kunden erledigen zu 90 Prozent ihren Zahlungsverkehr schon online. Es kommen immer weniger Kunden in die Geschäftsstellen, um ihre Bankgeschäfte zu machen“, erklärt der Vorstandssprecher. „Wenn ich alles online mache, ist das vor Ort ein Problem. Der Kunde möchte alles haben, aber wenn er nicht hingeht, muss er damit rechnen, dass der Standort wegfällt – egal ob beim Einkaufen oder beim Banking“, zeigt er die generellen Nachteile des digitalen Wandels auf.

Mit der Schließung sollen die laufenden Kosten, beispielsweise für Heizung, Strom und Renovierung, eingespart werden. Zudem sei geplant, die Gebäude zu verkaufen. Bei den bereits geschlossenen Geschäftsstellen sei das stets gelungen. Oft kommen die Interessenten sogar aus dem Ort, freut sich Haase-Fricke.

Geld abheben oder Kontoauszüge holen sei trotz der Schließung weiterhin an den fünf Standorten möglich. Und auch auf ihren persönlichen Berater müssen die Kunden nicht verzichten – dafür allerdings künftig weitere Wege auf sich nehmen. So wechseln die zwei Mitarbeiter aus Hasselfelde beispielsweise nach Blankenburg, wo derzeit bereits drei Berater arbeiten. Welche Auswirkungen das eventuell auf die Arbeitswege der Mitarbeiter oder die Kundenbindung hat, dazu wollte sich die Filialleitung auf telefonische Nachfrage der Volksstimme nicht äußern.

Volksbank will Fusion vermeiden

Banksprecher Hans-Heinrich Haase-Fricke sieht vor allem den ganz großen Vorteil der Schließung. „Wenn wir die Institution Harzer Volksbank erhalten wollen, müssen wir die Kosten senken“, betont er. Im Gegensatz zu anderen Banken wirtschafte die Harzer Institution gut, blicke 2019 auf ein „ordentliches Ergebnis“. Das gelte es zu halten, um eine sonst übliche Zusammenlegung zu verhindern. „Wir wollen nicht fusionieren, wir wollen bleiben. Und darauf arbeiten wir hin.“

Schließlich engagiere sich die Volksbank in der Region, investiere in den örtlichen Sport und die Kultur. Diese Identifikation solle nicht geschwächt werden. Deshalb müsse man auf die äußeren Faktoren reagieren. Dazu gehöre nicht nur das sich wandelnde Kundenverhalten, sondern auch der Rückgang der Einwohnerzahlen in den Regionen und die Entwicklung der Finanzwelt. „Unsere Kunden bekommen keine Zinsen mehr und wir müssen mittlerweile Negativzinsen zahlen. Das ist ein immenser Druck von der Ertragsseite“, verdeutlicht der Vorstandssprecher.

Die Senkung der Kosten helfe, sei aber nur ein Aspekt. Auch die Berater könnten in den wenig frequentierten Filialen nicht ihre volle Leistung abrufen. „Mit den Mitarbeitern kann ich produktivere Geschäfte machen, wenn sie nicht nur an der Kasse stehen und warten, dass ein Kunde kommt“, bringt es Haase-Fricke auf den Punkt. Und für den Kunden gäbe es auch einen nutzen. Mit der Schließung der Filiale in Hasselfelde beispielsweise würden die Beratungsbedingungen in Blankenburg gestärkt werden, erklärt er hinsichtlich der unterschiedlichen Schwerpunkt-Kompetenzen der Mitarbeiter. Weitere Schließungen seien nicht geplant. „Nach heutigem Stand bleiben die neun Geschäftsstellen erhalten, weil sie ertragreich sind“, betont Haase-Fricke.

Institut aus Braunlage will Filialen halten

Während sich die Harzer Volksbank zum 1. März komplett aus dem persönlichen Beratungsgeschäft in der Oberharz-Stadt zurückzieht, ist die Volksbank Braunlage gleich dreimal vor Ort vertreten: In Benneckenstein, Elbingerode und Hasselfelde. Schließungen sind „derzeit nicht vorgesehen", teilt der Vorstand der niedersächsischen Institution auf Volksstimme-Nachfrage mit. „Vor dem Hintergrund des Marktumfeldes, der steigenden Regulatorik und dem daraus resultierenden Kostendruck sehen wir jedoch zukünftig noch verstärkter die Notwendigkeit, innovative Lösungen zu finden und auch neue Wege zu gehen."