Wernigerode l Die Würfel sind gefallen: Die Abfallwirtschaft Nordharz, die auch in den kommenden drei Jahren im Harzkreis mit gelben Säcken und gelben Tonnen die Leichtverpackungsabfälle einsammelt, wird für die Stadt Wernigerode doch eine Sonderlösung anbieten. Nach Gesprächen, die OB Peter Gaffert (parteilos) zuletzt mit Abfallwirtschaftschef Dirk Hirschfeld geführt hat, haben nun auch die Verantwortlichen bei der Entsorgungswirtschaft des Landkreises Harz (enwi) zugestimmt. Kern des Ganzen: Die Anwohner in zwölf Innenstadt-Straßen können weiterhin gelbe Säcke nutzen.

Mit der Kurskorrektur reagieren die Verantwortlichen auf die teilweise massiven Proteste, die aufgekommen waren, nachdem der generelle Wechsel zur gelben Tonne für das gesamte Wernigeröder Stadtgebiet publik geworden war. Insbesondere in den engen Innenstadtbereichen hatten Anwohner protestiert, dass sie neben grauer Restmüll- und blauer Papiertonne nun eine weitere 240-Liter-Tonne auf ihrem Grundstück unterbringen sollen. Eine Anwohnerin hatte ihr Problem stellvertretend so skizziert: Mangels Hofeinfahrt müsse sie ihre Müll- und Papiertonne zur Abholung stets durch die Küche auf die Straße manövrieren – das sei alles andere als schön.

Dass der Konflikt um die gelben Tonnen sich in Wernigerode dermaßen hochgeschaukelt hatte, war einer Entscheidung von OB Gaffert geschuldet. Als enwi Anfang 2019 mit Blick auf den Entsorgungszeitraum 2021 bis 2023 kreisweit die Kommunen hinsichtlich ihrer Wünsche – Tonne oder Sack – kontaktiert hatte, entschied sich Gaffert kraft Amtes stadtweit für die gelbe Tonne. Dabei hatte er augenscheinlich die Probleme in den engen Innenstadt-Straßen nicht im Blick. Genau dort wiederum gingen – nachdem die Umstellung pro Tonne längst in trockenen Tüchern war – viele Anwohner auf die Barrikaden. Und sie hatten Quedlinburg als Beweis, dass es auch anders geht: Dort hatten die Verantwortlichen schon im Rahmen der regulären Neuausrichtung des Systems durchsetzen können, dass sogar straßenweise zwischen Sack und Tonne unterschieden wird.

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Wernigeröder können Tonne abbestellen

Letztlich überholt Wernigerode jetzt in punkto Bürgerservice sogar alle anderen Harzer Kommunen. Denn die Anwohner in den betroffenen zwölf Innenstadt-Straßen (siehe Karte) haben nun sogar individuell die Wahl zwischen Tonne oder Sack, erklärt Verwaltungssprecherin Kristin Dormann. Grundsätzlich werde das gesamte Wernigeröder Stadtgebiet Anfang 2021 mit gelben Tonnen ausgestattet. „Auch die Bürger, die in den betreffenden Straßen wohnen, erhalten eine solche Tonne – es sei denn, sie bestellen diese ausdrücklich ab.“

Mit dieser Verfahrensweise wolle man der ökologischen Nachhaltigkeit der gelben Tonne Rechnung tragen. Auf lange Sicht, so Dormann, sei es besser, einmalig eine solche Tonne anzuschaffen als ständig Säcke zu verbrauchen. Daher der Zwang zur aktiven Abbestellung. „Wir erhoffen uns davon, dass sich die Bürger und Ladenbetreiber noch einmal selbstkritisch die Frage stellen, ob sie nicht doch eine Tonne unterstellen können“, skizziert die Sprecherin das Ansinnen. Wer diese Frage für sich verneint, könne die Tonne vor der Auslieferung per Mail oder telefonisch bei der Abfallwirtschaft abbestellen (Kontakt siehe unten).

Millionen Säcke können eingespart werden

Wer sich letztlich für die gelben Säcke entscheidet, wird über die Rückmeldung gegenüber der Abfallwirtschaft entsprechend registriert. Dies, so Geschäftsführer Hirschfeld, sei bindende Voraussetzung, damit die Anwohner weiterhin im Einwohnermeldeamt kostenfrei gelbe Säcke in Empfang nehmen können. Hirschfeld selbst ist mit der Lösung zufrieden: „Die Umwelt wird es freuen. Durch die Investition in ein Behältersystem wird der Verbrauch von bislang jährlich über 8,5 Millionen gelben Säcken allein im Landkreis Harz um rund 80 Prozent reduziert.“

 Gelbe Tonnen können per Mail an info@abfallwirtschaft-nordharz.de oder unter Telefon (0 39 43) 56 07 27 abbestellt werden. Infos zur Auslieferung der gelben Tonnen gibt es hier.