Reddeber l Wernigerodes hauptberufliche Wachbereitschaft wurde um 23.39 Uhr alarmiert. Kurz darauf die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr. Das Ziel der Floriansjünger: Auf dem Umschlagplatz der Abfallwirtschaft Nordharz in Reddeber standen rund 300 Tonnen gepresste Plastikflaschen lichterloh in Flammen. „Als wir ankamen, brannte es auf der Außenfläche bereits in voller Ausdehnung", berichtet Vize-Stadtwehrleiter Marco Söchting. Auch der Hang zur Holtemme habe bereits gebrannt. „Wir haben erfolgreich verhindern können, dass das Feuer auf benachbarte Gebäude übergreift." Laut Polizei loderten die Flammen auf rund 200 Quadratmetern Fläche bis zu 30 Meter hoch.

Wegen der massiven Rauchentwicklung wurden Wernigeröder und Reddeberaner noch in der Nacht über Warn-Apps und andere Kanäle aufgefordert, Fenster und Türen vorsorglich geschlossen zu halten. „Wir hatten aber noch mal Glück, der Wind stand gut", so Söchting.

Umweltamt signalisiert keine Gefahr

Die Rauchentwicklung beschäftigte wenig später auch den ABC-Experten der Feuerwehr sowie das Umweltamt. Eine Gefahr für Mensch und Umwelt konnte die Kreisbehörde glücklicherweise ausschließen: Es seien keine schädlichen Umweltbelastungen festgestellt worden, informierte Manuel Slawig, Sprecher der Kreisverwaltung. Auch vom Löschwasser gehe keine Gefahr aus. „Ein Großteil des Wassers konnte aufgefangen und im Kreislauf wieder genutzt werden."

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Bis gegen 5 Uhr morgens dauerten die Löscharbeiten der Feuerwehr. „Es war gar nicht so einfach, den Brand zu bekämpfen", so Vize-Wehrchef Söchting. „Wir haben eine riesen Menge Wasser gebraucht." Auch mit Schaum sei gelöscht worden. Insgesamt seien 54 Kameraden aus Wernigerode, Benzingerode und Minsleben sowie aus Silstedt und von der Werkfeuerwehr VEM Motors vor Ort gewesen. Lobend sei die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Abfallwirtschaft zu erwähnen, so Söchting.

Brandstiftung?

Die gepressten Flaschen seien dort schon eine Weile gelagert gewesen, sagt Dirk Hirschfeld, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft, gegenüber der Volksstimme. Auch während der heißen Sommermonate. Da sei es schon verwunderlich, dass so etwas jetzt in der kühleren Jahreszeit passiere.  Möglicherweise Brandstiftung? Die Entfernung zwischen Zaun und den Plastikballen sei jedenfalls nicht groß, so Hirschfeld. „Vielleicht acht Meter."

Bereits am Mittwoch konnte nach dem Abkühlen der Brandstelle ein Brandursachenermittler aus dem Harzer Polizeirevier vor Ort seine Ermittlungen aufnehmen. „Laut Kriminaltechnik bestehen Hinweise auf eine äußere Einwirkung, die den Verdacht der Brandstiftung begründen", so Sebastian Piechulik, Sprecher des Polizeireviers Harz.

Brände im Sommer

Schon Anfang August musste die Feuerwehr mehrfach zur Abfallwirtschaft ausrücken, weil dort Sperrmüll brannte. „Ich vermute aber, dass es sich damals um eine Selbstentzündigung durch ein Lithium-Ionen-Akku handelte", so Hirschfeld. Diesmal liege der Fall allerdings anders.

Dennoch prüft die Polizei nach Piechuliks Worten Zusammenhänge zwischen den Bränden in Reddeber. Die Vermutung, dass es auch Parallelen zu einer offenkundigen Brandstiftung in der Nacht zum Donnerstag voriger Woche in einem alten Lokschuppen in Heudeber geben könnte, sieht die Polizei indes nicht. Dort gebe es weitere Erkenntnisse, die einen solchen Verdacht nicht stützten, so Piechulik, ohne mit Blick auf die laufenden Ermittlungen ins Detail zu gehen.

Keine Verletzten

Nach der Schreckensnacht ging am Mittwoch die Arbeit auf dem Umschlagplatz der Abfallwirtschaft Nordharz weiter  – wenn auch mit Einschränkungen. „Die Polizei hat den Brandort beschlagnahmt, aber wir konnten unsere Tätigkeiten fortsetzen." Den Sachschaden beziffert die Polizei mit 24 000 Euro. Hinzu komme die Belastung für den betrieblichen Ablauf und die Fragen nach dem Warum, so Hirschfeld. „Wir haben im Hause auch Sicherheitsstandards. Da ist es nicht erfreulich, wenn man schon den zweiten Brand in diesem Jahr zu vermelden hat. Trotz der Schäden haben wir aber Glück gehabt: Es gab keine Verletzten und die Umwelt wurde auch nicht belastet."

Die Polizei sucht Zeugen und fragt: Wer hat in der Nacht – das Feuer brach gegen 23.30 Uhr aus – Personen und Fahrzeugbewegungen in der Nähe des Recyclinghofs beobachtet? Hinweise bitte unter der Rufnummer (0 39 41) 67 42 93 direkt an die Polizei.