Wernigerode l Während die Bauarbeiten auf der Insel planmäßig vorankommen, sitzt der Ärger bei den Anwohnern so richtig tief, sie „treten auf der Stelle“. Die Reparatur der Hochwasserschäden an der Stützmauer der Holtemme und auf der Anwohnerstraße hat das „Inselvolk in Aufruhr“ und „auf die Palme“ gebracht, titelte im März die Volksstimme. „So ist es bis heute geblieben“, sagt Kai-Uwe Scheffler. Der Musiker, dessen Mutter in der Straße Insel ein kleines Haus bewohnt, ließ in der jüngsten Stadtratssitzung im Wernigeröder Rathaus seinem Frust freien Lauf.

Er könne nicht verstehen, warum die Schäden, die das Hochwasser im Juli 2017 angerichtet haben, nicht einfach nur repariert, sondern die Straße nun grundhaft saniert wird. „Die umfangreichen Erläuterungen der Verantwortlichen auf der Einwohnerversammlung dazu haben mich nicht überzeugt“, sagt Scheffler. Er gehe wie andere Anwohner davon aus, dass die Straße samt der Regenwasserableitungen Bestandsschutz hätten. „Aber nein, nun soll alles erneuert und die Grundstückseigentümer an den Kosten beteiligt werden.“ Dass das so manch ein Hausbesitzer finanziell nicht stemmen könne, „weil der Großteil Rentner sind, interessiert ja keinen“, hadert der Wernigeröder, der sich vor allem bei der Regenwasserentsorgung unter Druck gesetzt fühle. „Unser altes Rohr soll plötzlich nicht mehr reichen?“

Anwohner verärgert über Beiträge

Scheffler sprach zudem davon, dass es an der Zeit sei, die Straßenausbaubeitragssatzung abzuschaffen, um die Eigentümer an den immer teurer werdenden Ausbauten nicht mehr zu beteiligen. In anderen Bundesländern gebe es bereits solche Beispiele.

Hochwasser im Harz

Wernigerode (ru) l Land unter in Wernigerode und Umgebung. Der Dauerregen hat die Harzbäche Holtemme und Ilse in reißende Flüsse verwandelt. Sie sind über die Ufer getreten.

  • Die Holtemme führt Hochwasser, hier an der Hochschule Harz in Wernigerode. Foto: Regina Urbat

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  • Die Steinerne Renne ist über die Ufer gelaufen, Land unter auf der Bielsteinchaussee bei Wernigerode. Foto: Regina Urbat

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  • Land unter auf der Bielsteinchaussee, an Anwohner zieht eine Furche. Foto: Regina Urbat

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  • Die Steinerne Renne ist randvoll, die Bahnbrücke der HSB an der Bielsteinchaussee droht überspült zu werden. Foto: Regina Urbat

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  • Der Durchlass im Triangel an der Zufahrt zum Hasseröder Burghotel schafft die Wassermassen nicht, der Sturzbach läuft über. Foto: Regina Urbat

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  • Frauen und Männer der Langelner Feuerwehr ziehen in Veckenstedt die Reste eine zerstörten Behelfsbrücke aus den Fluten. Foto: Michael Lumme

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  • Land unter im Camp auf dem Reiterhof an der Grovesmühle in Veckenstedt. Die Kinder wurden in Sicherheit gebracht. Foto: Jörg Niemann

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  • Hochwasser in der Kruskastraße in Wernigerode. Anwohner helfen beim Stapeln der Sandsäcke. Foto: Uta Müller

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  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner informieren sich über die Lage. Foto: Uta Müller

    Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Mitarbeiter des Bauhofs Wernigerode und Anwohner inf...

  • Hochwasser Kruskastraße in Wernigerode. Das Wasser der Holtemme sprudelt unter der Brücke hervor. Foto: Uta Müller

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  • Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Sielaff

    Die Holtemme kurz vor dem Übertreten des Ufers im Stadtfelde in Wernigerode. Foto: Ivonne Si...

  • Unterhaltungsverband Holtemme an der Schwachstelle im Einsatz: Sturzbach in Oberhasserode. Foto: Ulrich Eichler

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  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Holtemmebücke in Derenburg. Foto: Jens Müller

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  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Hochwasser der Holtemme in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

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  • Die Gunst der Berglage und des relativ verhaltenen Dauerregens sorgt eim Bereich Oberhrz für mehr Zulauf, Unbilden für Urlauber, aber bis 13 Uhr zu keinerlei  Problemen. Foto: Burkhard Falkner

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  • Die Bundeswehr fliegt am Donnerstag in Silstedt Bigbags an den aufgeweichten Holtemme-Deich. Foto: Matthias Bein

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  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

    Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr in Silstedt. Foto: Matthias Bein

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  • Anwohner stehen  in der historischen Altstadt von Wernigerode vor einer Sandsackmauer. Foto: Matthias Bein

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  • Schaulustige  in der Altstadt von Wernigerode und warten vor einem aufgeschütteten Erdwall auf das Hochwasser. Foto: Matthias Bein

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  • Die Situation am Zillierbach in Wernigerode, hier an der Promade, ist immer noch angespannt. Foto: Regina Urbat

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  • Wassermassen haben in der Holtemme die Stützmauer unterspült, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch. Foto: Regina Urbat

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  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode  ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

    Wassermassen haben in der Holtemme in Wernigerode ein Wehr weggerissen. Foto: Regina Urbat

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

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  • Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

    Kristenbesprechung in Silstedt, mit dabei Kameraden aus Bitterfeld. Foto: Tim Bruns

  • Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens Müller

    Kameraden der Blankenburger Feuerwehr beim zweiten Einsatz im Haus Am Stadtpark. Foto: Jens M...

  • Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

    Aufräumen in Derenburg. Foto: Jens Müller

  • Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

    Schneller zum Einsatzort gings in der Radladerschaufel. Foto: Jens Müller

  • Foto: Jens Müller

    Foto: Jens Müller

  • Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße in die Ilse abgeleitet. Foto: Denis Loeffke

    Mit einem Wall aus Sandsäcken wurde der Forellenteich durch die Marienhöfer Straße...

  • Nach dem Hochwasser in Wernigerode:  An der Holtemme im Bereich Insel in Hasserode. Foto: Regina Urbat

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  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

    Hochwasser in Darlingerode. Foto: Tim Bruns

  • Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

    Sandsäcke bestimmen im Harz das Straßenbild. Foto: Matthias Bein

In der Ratssitzung antwortete Baudezernent Burkhard Rudo nur kurz. Unter anderem sagte er, dass es sich um ein komplexes Thema handele und es sicher nicht erfreulich sei, wenn Gebühren bezahlt werden müssten. Er unterstrich, dass die Hochwasserschäden nun weitere finanzielle Auswirkungen haben wie zum Beispiel durch die Zerstörung der Abwasserleitung. Und: Die Stadtverwaltung komme laut des Kommunalabgabengesetztes nicht umhin, die Bürger an den Kosten für Regenentwässerung, Straßenbau und Beleuchtung zu beteiligen. Aber, so Rudo weiter, „eine abschließende Klärung steht noch aus“.

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Soll heißen, es ist noch offen, wie teuer der Ausbau der Straße samt Einbau neuer Versorgungsleitungen und Regenentwässerung ist und wie sich die Kosten letztendlich aufteilen. Konkret geht es um den zweiten Bauabschnitt, der dem jetzigen folgen muss, um die Hochwasserschäden tatsächlich zu beheben. Das bestätigte gegenüber der Volksstimme Burkhard Hennig. Er ist Leiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW). Der Betrieb mit Sitz in Magdeburg ist Träger des Bauprojektes und in erster Linie für die Sanierung der Stützmauern entlang des Holtemmebaches verantwortlich. Mit im Boot, wie er sagt, sind als Partner die Wernigeröder Stadtverwaltung (Straße), die Stadtwerke und der WAHB (Versorgungsleitungen).

Bauberatung im August

Bei der Sanierung der Stützmauer muss unwillkürlich in den Straßenkörper eingegriffen werden, beispielsweise beim Setzen von sogenannten Ankern. Dabei können Versorgungsleitungen stören und müssen umverlegt werden. Außerdem klaffte nach dem Einsturz der Mauer im Juli 2017 im Straßenkörper ein tiefes Loch, ein Wohnhaus drohte abzurutschen und Versorgungsleitungen wie der Abwasserkanal gingen zu Bruch. „All das erforderte damals schnelles Handeln“, erinnert Burkhard Hennig. Eine schnelle unbürokratische Vergabe der Arbeiten für die ersten 50 Meter im Kostenumfang von rund 800.000 Euro sei möglich gewesen. Nun, im zweiten Abschnitt, muss eine Ausschreibung nach Vergaberecht erfolgen. Eine Beratung dazu soll im August stattfinden.

Mit Blick auf den Ärger der Anwohner zur Kostenbeteiligung sagt der LHW-Chef Hennig: „Die Entscheidungshoheit liegt bei der Stadt.“