Wernigerode l Wenn Seunghyun Lee Klavier spielt, sind nicht nur seine Hände am Werk, sondern der ganze Körper. Seine Augen folgen den Fingern, die virtuos zum „Klavierkonzert Nr.4 G-Dur“ über die Tasten gleiten. Abwechselnd sucht er den Kontakt zu Musikdirektor Christian Fitzner und dem Publikum im voll besetzten Marstall. Nach einer halben Stunde springt das Publikum auf und applaudiert. Für die Zuschauer steht fest: Der 24-Jährige ist der verdiente Sieger der sechsten Auflage des „Neue Sterne“-Wettbewerbs in Wernigerode.

„Es war ein Stück Musikgeschichte, das unsere Stadt so oft nicht erlebt“, sagt Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos). „Wir haben mal klein angefangen und jetzt hatten wir inklusive der Schulen und Kindertagesstätten etwa 1000 Besucher.“ Das bestätigt Kulturamtsleiterin Silvia Lisowski: „Der Saal ist ausverkauft, wir hatten allein Samstagabend schon 250 Besucher“.

Erstmals spielte zum Wettbewerb das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters gemeinsam mit dem Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode, dirigiert von Musikdirektor Christian Fitzner. „Der ganze Wettbewerb hatte in diesem Jahr ein höheres Niveau als in den Jahren davor. Es waren zudem noch mehr Anmeldungen als zuvor“, sagt der Ensemble-Chef.

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Teilnehmerzahl verdoppelt

54 Pianisten aus aller Welt wollten am Wettbewerb teilnehmen, von denen 41 Teilnehmer tatsächlich in den Harz gereist sind. Zur vorherigen Auflage des Wettbewerbes 2016 waren es noch 19 Musiker gewesen, die miteinander in Konkurrenz traten.

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Bevor es am Sonnabend zum Finale kam, hatten die jungen Pianisten in drei Vorrunden in der Kreismusikschule ihr Können vor Jury und Publikum gezeigt. „Das war nicht so frustrierend für die Teilnehmer, die in den Vorrunden ausschieden. Sie waren froh, vor Publikum zu spielen“, so Fitzner. Am Freitag gaben dann die zehn besten Teilnehmer ihr Solo-Programm im Marstall zum Besten.

Gewinner Seunghyun Lee stammt ursprünglich aus Seoul, der Hauptstadt Südkoreas. Er studiert momentan Klavier an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. Ganz aufgelöst wirkt er, nachdem er mit einer Urkunde und dem von der Derenburger Glasmanufaktur „Harzkristall“ gefertigten Teller in Empfang genommen hat. „Ich habe überhaupt gar nicht damit gerechnet, zu gewinnen“, so Lee.

Seine Interpretation eines der unbekannteren Stücke Ludwig van Beethovens war der letzte Beitrag im Finale des Internationalen Wettbewerbes „Neue Sterne“in Wernigerode am Sonnabend.

Publikumsmeinung und Jury stimmen überei

Die Jury, bestehend aus sechs Musik-Experten, unter ihnen Festivalchef Albert Mamriev, kürte den Koreaner zum Sieger des Pianistenwettstreits. Bewertet hatten die Preisrichter nach den Kriterien Persönlichkeit, musikalische Ideen, Virtuosität, und Interpretation.

„Es ist eine Kombination aus mehreren Sachen“, erklärt Mamriev, „man kann nicht nur nach Technik gehen, denn Musik ist eine seelische Sprache“. Besonders gefreut habe er sich darüber, dass in diesem Jahr die Reaktion des Publikums genau mit der Wertung der Jury übereingestimmt hatte.

Den zweiten Platz erspielte sich die russische Teilnehmerin Elina Valieva mit ihrer Interpretation von Robert Schumanns „Konzert für Klavier- und Orchester in a-Moll“. Auf dem dritten Platz landete der Spanier Leonel Morales Herrero mit dem „Klavierkonzert Nr.1 in b-Moll“ von Peter Tschaikowsky.