Wernigerode l Das Schicksal der kleinen Anita hat viele Harzer berührt. Die zehnjährige Derenburgerin sitzt im Rollstuhl. Weil sie als Frühchen und mit Komplikationen auf die Welt kam, leidet sie unter geistigen und körperlichen Einschränkungen. Trotz alledem ist das Mädchen ein wahrer Sonnenschein. Das merkt jeder, der sie kennenlernt.

Anita soll laufen und sprechen lernen, das ist der große Wunsch ihrer Eltern Alexandra und Andreas Eichner. Dass es möglich sein könnte, hat eine Spezialtherapie in den letzten Monaten gezeigt. Anita macht rasante Fortschritte. Doch die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die mehrtägige Behandlung, jedes Mal etwa 5000 Euro, nicht, weil diese nur in der Slowakei angeboten wird.

Für jeden Kuli einen Cent

Deshalb haben die Eichners eine Spendenaktion gestartet. Sie sammeln leere Kugelschreiber, Fineliner und Filzstifte. Eine Recyclingfirma zahlt einen Cent für jeden abgegebenen Stift, Geld das in Anitas Behandlung fließt. Und viele Harzer sammeln mit – auch die Harzer Volksstimme. Täglich kommen Leser vorbei und bringen Stifte – beutel- und kistenweise. In Timmenrode wurde erst am vergangenen Wochenende ein Benefizkonzert für Anita organisiert.

Alexandra und Andreas Eichner sind von der Resonanz überwältigt. Ihr Spendenaufruf sei inzwischen bis nach Magdeburg und Helmstedt gedrungen. „In Helmstedt hat eine achte Klasse überall in der Stadt Boxen für die Stifte verteilt“, sagt Alexandra Eichner. „Die Leute nehmen Anteil, viele haben Interesse an der Therapie, wollen wissen, was da gemacht wird.“

Eine große Spende erhielt die Familie in dieser Woche von den Stadtwerken Wernigerode. Andreas Eichner arbeitet seit fast zehn Jahren für den Energieversorger. „Aber erst durch die Berichte in der Volksstimme ist uns so richtig bewusst geworden, dass die Familie Probleme hat“, sagt Betriebsratschef René Francke. Die Kollegen hätten mehrere kleine Sammlungen gestartet, die der Betriebsrat nun gebündelt hat. „Die Spendenaktion war sehr erfolgreich“, so Francke. Innerhalb kurzer Zeit sei viel Geld zusammengekommen.

„Ohne groß zu überlegen, haben wir die Summe verdoppelt“, ergänzt Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Meinecke. Insgesamt 5000 Euro gehen nun auf das Spendenkonto für Anita. „Wir hoffen sehr, dass wir damit helfen können“, so Meinecke.

Therapie

Eine Geste, die die Eichners zunächst sprachlos macht. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, so Alexandra Eichner gerührt. Und Ehemann Andreas: „Wir bedanken uns im Namen unserer Tochter, dass wir in der Lage sind, die Therapie fortzusetzen.“ Im September fand Anitas letzte Behandlung statt. Die Therapeuten hätten an der Belastung der Knie und Füße gearbeitet, berichtet Alexandra Eichner . „Das ist sehr anstrengend. Aber Anita ist jedes Mal voller Freude in die Turnhalle rein.“ Die Therapeuten seien sehr engagiert und freundlich.

„Als Mutter habe ich ein gutes Gefühl, wenn ich meine Tochter in andere Hände gebe.“ Im Februar 2019 tritt die Familie die nächste Reise in die Slowakei an. Und die Eichners wollen die Öffentlichkeit weiter über Anitas Fortschritte und über die Therapie informieren. „Wir werden deshalb eine Homepage erstellen.“